Gondelabsturz in Sölden Hinterbliebene verklagen Seilbahnbetreiber

Die Hinterbliebenen der beim Gondelabsturz in Sölden ums Leben Gekommenen wollen den Seilbahnbetreiber verklagen. Gutachter entlasten inzwischen den Piloten des an dem Unfall beteiligten Hubschraubers.

Die Hinterbliebenen der neun Opfer des Seilbahnunglücks von Sölden im September wollen nun die Ötztaler Gletscherbahnen und die beteiligte Hubschrauberfirma auf Schadenersatz verklagen. Ihre Rechtsanwälte argumentierten in einer Mitteilung vom Freitag, das Unglück sei vermeidbar gewesen. Indessen ermittelt die Staatsanwaltschaft in Innsbruck weiter. Nach dem Gutachten, das den Piloten entlastete, gehe es nun um die Flugroute, berichtete die "Tiroler Tageszeitung".

Es werde untersucht, ob die Flugroute über die Seilbahn vorschriftsmäßig gewesen sei. Der leitende Staatsanwalt erklärte, die Wahl der Flugstrecke und der Flugzeit sei allein vom Piloten zu verantworten. Daher würden die Voruntersuchungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen gegen den Angestellten der Hubschrauber-Firma weiter geführt.

Eisenspänchen gab Auslöseimpuls

Ein Gutachten hatte den Piloten zu Wochenbeginn zunächst entlastet und eine Verkettung unglücklicher Umstände für den Unfall verantwortlich gemacht. Darin heißt es, ein Eisenspänchen, das durch Abrieb am Auslösemechanismus des Hubschraubers entstand, habe zu dem Unglück geführt. Es habe einen elektrischen Impuls ausgelöst, der zur Öffnung des Lasthakens geführt habe.

Ein Augenzeuge des Unglücks hatte zuletzt erneut Zweifel an der offiziellen Darstellung angemeldet, der Hubschrauber sei in einer Höhe von mindestens 150 Metern über der Seilbahn geflogen und habe den 750 Kilogramm schweren Betonkübel verloren. Der 51-Jährige, der selbst schwer verletzt wurde, hatte in der Gondel direkt unterhalb der Kabine gesessen, die von dem Betonkübel getroffen wurde. Er berichtete, der Pilot sei "höchstens zehn bis zwölf, aber niemals 150 Meter" über der Seilbahn geflogen.

Bei dem Unglück am 5. September im Gletscherskigebiet am Rettenbachferner bei Sölden in Tirol waren neun Skifahrer ums Leben gekommen, darunter sechs Kinder.

DPA DPA

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