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Umstrittenes Urteil Warum ein britisches Gericht eine Frau zur Abtreibung verurteilen wollte

Der Fall einer geistig behinderten schwangeren Frau beschäftigt die britische Justiz (Symbolbild)
Der Fall einer geistig behinderten schwangeren Frau beschäftigt die britische Justiz (Symbolbild)
© Foto Beck / Picture Alliance
In Großbritannien wollte ein Gericht einer geistig behinderten Frau eine Abtreibung per Urteil verordnen. Ihre Mutter kämpfte jedoch dagegen und hatte Erfolg. Ein Berufungsgericht kassierte das Urteil. Doch der Fall wirft viele Fragen auf.

Die Entscheidung eines britischen Gerichts entfacht auf der Insel eine hitzige Debatte. Am vergangenen Freitag entschied das sogenannte Court of Protection, dass eine geistig behinderte Frau entgegen ihrem Willen eine Abtreibung vornehmen lassen muss. Das Gericht beschäftigt sich mit Angelegenheiten von Menschen, die als geistig eingeschränkt eingestuft werden. Zwar hob ein Berufungsgericht diese Entscheidung wieder auf. Doch das Urteil beschäftigt weiter die Öffentlichkeit und die britische Justiz. 

Die Richterin am Court of Protection hatte argumentiert, dass eine "Zwangsabtreibung im Interesse der Frau" sei, berichtet unter anderem die britische BBC. Die Betroffene ist demnach 20 Jahre alt, habe aber die geistige Leistungsfähigkeit eines sechs- bis neunjährigen Mädchens. Sie werde also nicht in der Lage sein, sich um ihr Kind zu kümmern. Aus den Gerichtsunterlagen gehe hervor, dass die junge Frau bereits in der 22. Woche schwanger ist. Wie es zu der Schwangerschaft kommen konnte, ist aber unklar. Britische Medien berichten, dass die Polizei in diesem Zusammenhang ermittelt, es also Hinweise auf ein Verbrechen geben muss. 

Experten raten zur Abtreibung

Trotz dieser Umstände beharrte die Mutter der Betroffenen auf eine Fortführung der Schwangerschaft. Sie wolle sich selbst anstatt ihrer Tochter um das Kind kümmern, berichtet die BBC. Auch die Sozialarbeiterin, die zusammen mit der jungen Frau in London lebt, sprach sich für eine Geburt aus.

Doch das Gericht folgte der entgegengesetzten Meinung von drei Spezialisten. Ein Geburtshelfer und zwei Psychiater kamen nämlich zu dem Schluss, dass eine Abtreibung in diesem Fall die beste Entscheidung sei. Es bestehe ein gravierendes Risiko für die die psychiatrische Gesundheit der schwangeren Frau, wenn die Schwangerschaft fortgesetzt würde. Außerdem befürchten sie, dass das Verhalten der 20-Jährigen das Baby gefährden könnte.

Der Fall sei zwar "herzzerreißend", sagte die Richterin. Sie müsse aber im "Interesse der Frau handeln, und nicht im Sinne der Gesellschaft", zitiert sie der "Independent".

Abtreibungsgegner feiern Entscheidung 

Das Berufungsgericht sah das jedoch anders und hob das Urteil am vergangenen Montag auf. Seine Mandantin werde die Schwangerschaft fortsetzten, schrieb der Anwalt der Betroffenen laut der "News York Times" in einer E-Mail. 

Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts zeigten sich Abtreibungsgegner erleichtert. Der Bischof von Westminster sagte, dass das Urteil des Court of Protection ernsthaft die Frage aufwerfe, was denn der Ausdruck "im Interesse der Patientin" wirklich bedeutet. Für die Organisation "Life", die sich gegen Abtreibungen einsetzt, wäre eine Zwangsabtreibung sogar eine "äußerst schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte", wie die Anwältin Liz Parsons laut der "New York Times" erklärte. 

Die Vorsitzende der britischen Organisation "Abortion Rights," Kerry Abel, warnte hingegen, den Fall dazu zu benutzen, um Abtreibungsrechte im Allgemeinen anzugreifen. "Wir kämpfen dafür, dass man die Wahl hat. Und die Wahlfreiheit der Frauen sollte nicht von einem Einzelfall abhängen."

Das britische Gesetz erlaubt aktuell Abtreibungen bis zur 24. Schwangerschaftswoche. Besteht jedoch das Risiko, dass das Kind schwerbehindert zur Welt kommt, kann eine Abtreibung auch später vorgenommen werden. 

Quellen: BBC, "Independent""New York Times"

Umstrittenes Urteil : Warum ein britisches Gericht eine Frau zur Abtreibung verurteilen wollte
ivi

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