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Gun TV: US-Amerikaner können Waffen bald per Teleshopping bestellen

In den USA gab es dieses Jahr mehr Tage mit Massenschießerei als ohne. In keinem Land sind so viele Waffen in Privatbesitz – und nun will ein Teleshopping-Sender dafür sorgen, dass es noch einfacher wird, an sie zu kommen.

Ein 15-jähriger Junge schaut durch das Zielfernrohr eines Schnellfeuergewehres

Ein 15-jähriger US-Junge schaut auf einer Messe der einflussreichen National Rifle Assosiacion (NRA) durch das Zielfernrohr eines Schnellfeuergewehres. Tödliche Schusswaffen zu besitzen und zu tragen, ist in den USA ein in Zusatzartikeln der Verfassung verankertes Recht.

Vergangene Woche starben 14 Menschen in San Bernardino in den USA, als ein schwer bewaffnetes Ehepaar den Arbeitsplatz des Mannes stürmte und um sich schoss. Es war der Beobachtungsstelle "Shootintracker.com" zufolge die 353. Schießerei mit vier oder mehr angeschossenen Menschen in den USA in diesem Jahr. Durchschnittlich mehr als einmal pro Tag schießt also irgendwo in den USA irgendjemand auf mindestens vier Menschen. Dennoch scheinen einige zu meinen, dass es weiterer Waffen bedarf. Der Kanal Gun TV soll Anfang Januar auf Sendung gehen – ein Teleshopping-Sender für Waffennarren.

Zum Start sollen sieben Tage die Woche nachts zwischen 1.00 und 6.00 Uhr die Vorzüge von Beretta, Glock und Co. angepriesen werden, langfristiges Ziel ist aber ein 24-Stunden-Programm, wie eine Sprecherin des Senders mitteilte. Neben Waffen und Munition will Gun TV auch Holster und Jagd-Kleidung anbieten. Die Produkte sollten "auf verantwortungsvolle Weise" angeboten werden. So könnten die Kunden die Waffen, die per Telefon oder Klick im Netz geordert würden, nicht zu sich nach Hause liefern lassen. Vielmehr müssten sie die bestellten Waren bei einem Einzelhändler in ihrer Nähe abholen – nach Erledigung der notwendigen Formalien. Da US-Amerikanern im zweiten Zusatzartikel ihrer Verfassung das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen garantiert wird, sind die Hürden nicht allzu hoch.

"Mein Bauchgefühl sagt, dass dies das letzte ist, was wir brauchen"

Valerie Castle, Mitgründerin des Senders sagte dem "Guardian", dass man nur ein Bedürfnis befriedigen, nicht kreieren wolle. "Der absolute Großteil der Leute, die Waffen in diesem Land besitzen, ob für den Schutz des Zuhauses, die Freizeit oder Jagd, sind verantwortungsbewusst." 

Laura Cutilletta, von einem kalifornischen Think Tank zur Waffengewaltprävention, sieht das laut "Guardian" anders: "So viele Menschen sterben durch Waffen jeden Tag in den USA; wir sollten lange und hart darüber nachdenken. Mein Bauchgefühl sagt, dass dies das Letzte ist, was wir brauchen."

Obama kämpft für striktere Waffengesetze

Auch US-Präsident Barack Obama ist ein Waffenskeptiker. 2013 machte er schärfere Waffengesetze zu einem seiner innenpolitischen Hauptanliegen, nachdem es an einer Grundschule in Newtown (Bundesstaat Connecticut) zu einem Massaker gekommen war. Obama scheiterte aber am Kongress und am Einfluss der Waffenlobby. Dennoch wird er nicht müde, nach jeder weiteren größeren Schießerei, die es in die Massenmedien schafft, zu betonen, dass die US-Gesetzgebung den Besitz von Waffen stärker reglementieren müsste.

In den USA sind mehr Waffen in Privatbesitz als in jedem anderen Land der Welt. Statistiker gehen von rund 262 bis 310 Millionen aus (Stand 2012). Auf 100 Einwohner kommen demnach im Schnitt 89 Waffen. Fast ein Drittel der erwachsenen US-Bürger besitzt mindestens eine Handfeuerwaffe oder ein Gewehr. Allein im Jahr 2013 wurden einer Studie des Fachjournals "Injury Prevention" zufolge in den USA 33.636 Menschen erschossen und 84.258 durch Schusswaffen verletzt. 


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