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Havariertes Frachtschiff in Neuseeland: Ölaustritt noch nicht gestoppt

Doch noch kein Aufatmen vor Neuseeland: Aus dem vor der Nordostküste auf Grund gelaufenen Containerschiff "Rena" fließt anscheinend weiterhin Öl ins Meer. Mittlerweile ist die Marine im Einsatz, um den Treibstoff zu beseitigen.

Zuerst gab es Entwarnung, dann wurde doch wieder frisches Öl entdeckt: Das vor der Nordostküste Neuseelands auf Grund gelaufenen Containerschiff "Rena" leckt anscheinend immer noch. Verkehrsminister Steven Joyce sagte, ein frischer Ölfleck sei auf der Wasseroberfläche gesichtet worden. Zuvor hatte die staatliche Schifffahrts- und Meeresschutzbehörde (MNZ) mitgeteilt, der Treibstoff-Austritt sei einstweilen gestoppt. Meteorologen warnten vor einer Verschlechterung des Wetters. Damit wächst die Angst vor einer Ölpest nach der Havarie des 236 Meter langen Schiffes.

20 Tonnen Schweröl sollen bisher ins Meer geflossen sein. An Bord sind den Angaben zufolge vermutlich etwa 1500 Tonnen des Treibstoffs. Sie stellen eine große Gefahr für die Umwelt dar, da sie bei einem Auseinanderbrechen des Schiffes ausfließen könnten.

Die "Rena" war am Mittwoch rund 20 Kilometer vor dem Hafen von Tauranga an dem Astrolabe-Riff auf Grund gelaufen und leckgeschlagen. Auch ein Treibstofftank wurde beschädigt.

Schlagseite verringert

Unterdessen hilft die Marine bei der Ölbeseitigung in der malerischen Bay of Plenty (Bucht des Überflusses). Wie die Marine mitteilte, wurden vier Schiffe bereitgestellt, die die weitere Verschmutzung durch den Frachter "Rena" eindämmen sollen. Zudem stünden 300 Soldaten für einen möglichen Hilfseinsatz auf Abruf bereit; 200 Helfer, darunter Spezialisten aus Australien, Großbritannien, den Niederlanden und Singapur, seien bereits vor Ort. Die Rettungsteams sind rund um die Uhr dabei, das Schiff zu stabilisieren, Öl abzupumpen und Container abzuladen.

Mittlerweile ging die Schlagseite des Frachters von 14 auf 11 Grad zurück. Das 32 Jahre alte liberische Schiff einer griechischen Reederei hat etwa 2100 Container mit Holz, Milchpulver, Fleisch und Fisch geladen. Seine Frachtkapazität beträgt 47.000 Tonnen.

Bislang sind rund zwei Dutzend ölverklebte Vögel eingesammelt worden, darunter fünf Zwergpinguine. Tierschützer befürchten, dass es weitere tote Vögel gibt, diese aber wegen des Gewichts des Öls versunken sind.

Einmaliges Naturschutzgebiet gefährdet

Die neuseeländische Regierung befürchtet die größte Umweltkatastrophe des Landes seit Jahrzehnten. In der von der Havarie betroffenen Bucht leben unter anderem Wale, Delfine und Pinguine. Zahlreiche Seevögel sind durch das Öl bereits verendet.

Die Unglücksstelle der "Rena" befindet sich in unmittelbarer Nähe der Coromandel Halbinsel und der Bay of Plenty. Letztere erhielt ihren Namen von Captain James Cook, aufgrund ihres ungewöhnlich hohen Artenreichtums und ihre Fruchtbarkeit.

Coromandel ist ein beliebtes Ziel für Öko-Touristen und beherbergt eines der bedeutendsten Meeresnaturschutzgebiete Neuseelands. Spektakuläre Kalksteinfelsen und dichte Mischwälder formen hier verborgene Buchten. Der Strand um den Felsendom "Cathedral Cove" erlangte durch Hollywoodfilme wie die "Die Chroniken von Narnia" internationale Berühmtheit und zählt bei Reisenden zu einem der Highlights auf einem Neuseelandtrip.

ono/DPA/AFP / DPA