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Freilassung des Lockerbie-Attentäters BP sorgt für diplomatische Verstimmung


Beim Treffen von US-Präsident Barack Obama und dem britischen Premier David Cameron steht die Ölpest im Golf auf der Tagesordnung. Neben der Ursache für die Umweltkatastrophe will Obama auch die Rolle BPs im Zusammenhang mit der Freilassung des Lockerbie-Attentäters klären.

Es waren weitere Ölaustritte im Golf von Mexiko befürchtet worden, nun haben die US-Behörden vorerst Entwarnung gegeben. Denn: Die entdeckten Aussickerungen stünden nicht im Zusammenhang mit der Abdichtkappe über dem lecken Bohrloch des Ölkonzerns BP, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung, Admiral Thad Allen. Er verlängerte am Montag die Belastungstests am Bohrloch erneut um 24 Stunden, die Ölquelle blieb damit vorerst weiter geschlossen.

Die US-Regierung trug dem britischen Energiekonzern BP allerdings auf, den Meeresgrund um die Bohrstelle weiter genau zu kontrollieren. Die in der vergangenen Woche angebrachte Abdichtvorrichtung hatte zum ersten Mal seit dem Beginn der Katastrophe vor drei Monaten das Auslaufen des Öls gestoppt. Allerdings birgt der steigende Druck in dem vier Kilometer tiefen Förderschacht das Risiko, dass sich das Öl einen neuen Weg durch den Meeresboden bahnt.

Bohrloch mit Schlamm und Zement verschliessen

Die US-Behörden hatten am Sonntag von "Unregelmäßigkeiten" in der Umgebung des lecken Bohrlochs berichtet. So sickerte drei Kilometer von der Stelle Öl aus dem Grund, aus der Abdichtkappe entwichen Gasblasen. Allen sagte jedoch, dass es keine Anzeichen für ein schweres Problem an der Quelle gebe. Seit Beginn der Belastungstests sei der Druck stetig gestiegen. Das sei ein "positiver Trend", der zeige, dass das Öl nicht an anderer Stelle austrete.

Über eine Verlängerung der Testphase will die US-Regierung aber weiter nur im Rhythmus von 24 Stunden entscheiden. BP hatte die Hoffnung geäußert, die Abdichtkappe bis zur endgültigen Versiegelung der Ölquelle verschlossen zu halten. Eine Entlastungsbohrung soll nach BP-Angaben bis zum 29. Juli die Ölquelle erreichen, anschließend will der Konzern bis Mitte August das lecke Bohrloch zunächst mit schwerem Bohrschlamm und dann mit Zement verschließen.

Neuer Ärger für BP

Die Lage im Golf von Mexiko dürfte auch Thema sein, wenn der britische Premierminister David Cameron seinen Antrittsbesuch bei US-Präsident Barack Obama in Washington absolviert. Bei den Gesprächen wird es um die Verantwortung des britischen BP-Konzerns gehen. Allerdings nicht nur in Fragen der Umweltkatastrophe. Auch die Rolle des Ölkonzerns bei der Freilassung des lybischen Lockerbie-Attentäters werden die beiden Staatsoberhäupter diskutieren. Cameron kritisierte die umstrittene Begnadigung von Abdel Basset al-Megrahi aus humanitären Gründen. Sie sei "ganz und gar falsch" gewesen, sagte er dem Sender BBC.

Er habe von einer möglichen Einmischung des Ölriesen BP nichts gewusst, sagte Cameron. "Ich habe keine Ahnung, was BP tat." Der Ölkonzern BP hatte vergangene Woche zugegeben, die britische Regierung unter Camerons sozialdemokratischem Vorgänger Gordon Brown auf mögliche wirtschaftliche Auswirkungen hingewiesen zu haben, sollte die Freilassung libyscher Gefangener nicht schnell genug gehen. Das Unternehmen bestritt jedoch, im Fall des Lockerbie-Attentäters Druck ausgeübt zu haben.

swd/AFP/DPA DPA

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