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"Bräutigam-Entführung" in Indien: Er wollte nur zur Hochzeit seines Freundes reisen - und wurde dann gezwungen, selbst zu heiraten

Eine Reise zur Hochzeit eines Freundes endet für Vinod Kumar mit der eigenen Heirat - unter Zwang und Gewalt. Im indischen Bihar ist das kein Einzelfall. Immer wieder bringen dort Familien ihre Töchter durch "Bräutigam-Entführung" unter die Haube.

Vinod Kumar - Opfer einer "Bräutigam-Entführung"

Vinod Kumar - Opfer einer "Bräutigam-Entführung"

DPA

Es ist Hochzeitssaison in Indien. In Patna, der Hauptstadt des nordöstlichen Bundesstaates Bihar, ist das nicht zu überhören. Beinahe jeden Abend fahren seit Ende vergangenen Jahres Wagen mit aufeinander gestapelten Lautsprechern, aus denen Hindi-Pop-Musik dröhnt, die Straßen auf und ab. Trommler und Feuerwerkskörper machen den ohrenbetäubenden Lärm komplett.

Vinod Kumar bekommt bei alldem ein mulmiges Gefühl. Der 29 Jahre alte Ingenieur war am 3. Dezember aus dem benachbarten Bundesstaat Jharkhand hierhergekommen, um die Hochzeit eines Freundes zu besuchen. Noch am selben Abend heiratete er selbst - unverhofft und gegen seinen Willen, wie er sagt. Er war Opfer eines Phänomens geworden, das Zwangsehe oder auch "Bräutigam-Entführung" genannt wird.

Hochzeit: "Du musst meine Schwester heiraten"

Als sein Vater im Januar 2017 im Koma lag, habe sich ihm im Krankenhaus ein Mann namens Surender als Freund des Vaters vorgestellt, erzählt Kumar. Der Kontakt blieb ihm zufolge auch nach dem Tod seines Vaters bestehen, und Surender bot ihm immer wieder Hilfe durch angebliche Kontakte in der Politik an. Als Kumar dann zur Hochzeit seines Freundes nach Patna fuhr, lud ihn Surender auf einen Tee zu sich nach Hause ein.

Dort hätten Surender und mehrere von dessen Familienangehörigen ihn auf einmal gepackt, ihm das Handy abgenommen und ihn in ein Zimmer gesperrt. "Ich habe ihn gefragt: "Was willst du von mir?", und er hat gesagt: "Du musst meine Schwester heiraten"", gibt Kumar wider. Seine Entführer hätten ihn geschlagen und gedroht, ihn umzubringen, wenn er sich wehre. Sie hätten Waffen gehabt.

Ein Brautpaar sitzt nebeneinander auf Stühlen, sie hält einen Blumenstrauß auf dem Schoß

3400 entführte Bräutigame im Jahr 2017

Nach einem Bericht der indischen Nachrichtenagentur IANS war Kumar einer von rund 3400 entführten Bräutigamen im vergangenen Jahr in Bihar - ein armer Bundesstaat mit etwas mehr als 100 Millionen Einwohnern und dem Ruf, gesetzlos zu sein. Die Polizei sagt auf Nachfrage, über "Bräutigam-Entführungen" werde keine Statistik geführt. Dass Männer in Bihar immer wieder entführt und zur Heirat gezwungen werden, ist aber unbestritten.

Am schlimmsten sei es im Zuge einer Agrar-Krise in den 1980er Jahren gewesen, erklärt Rupesh, Chef der gemeinnützigen Organisation Koshish in Bihar. Damals begannen ihm zufolge Söhne von Bauern, zu studieren und gute Jobs zu bekommen. Dadurch stieg ihr Wert als Ehemänner, und viele Familien von jungen Frauen konnten sich die zwar seit 1961 in Indien verbotene, aber dennoch gängige Zahlung einer Mitgift nicht mehr leisten.

"Wenn man mich gezwungen hätte, einen Büffel zu heiraten, wäre es dasselbe gewesen"

Die Verheiratung der Kinder, meist durch arrangierte Ehen, ist von enormer Bedeutung für indische Familien. Deshalb ergriffen nun einige Eltern in Bihar drastische Maßnahmen, um ihren Töchtern gutsituierte Ehemänner zu verschaffen: Sie entführten die auserwählten Männer, oder heuerten dafür Gangster an, und zwangen sie zur Heirat. Nicht selten setzten sie ihnen wortwörtlich die Pistole auf die Brust. Rupesh zufolge, der nur den einen Namen verwendet, kam das in den Achtzigern alle zwei oder drei Tage vor.

Im Internet kursiert ein Video, das zeigt, wie Vinod Kumar weinend die Riten einer Hindu-Hochzeit über sich ergehen lässt, während Menschen um ihn herum an ihm zerren. Auch die Braut sieht unglücklich aus. Er habe kein Wort mit ihr gewechselt, sagt Kumar. "Wenn man mich gezwungen hätte, einen Büffel zu heiraten, wäre es dasselbe gewesen."


Die Nacht verbrachte er eingesperrt, wie er weiter erzählt. Am nächsten Morgen wurde er gezwungen, seinen Bruder anzurufen und ihm zu sagen, er habe geheiratet - und zwar freiwillig. Der Bruder roch, dass etwas faul war, und ging zur Polizei. Die steckte allerdings laut Kumar mit den Entführern unter einer Decke. Polizisten seien in Surenders Haus gekommen und hätten auf ihn eingeredet, er müsse die Ehe akzeptieren. Sonst könne ihm Böses widerfahren.

Dass ihn die Polizei an dem Abend dann doch noch befreite, hat Kumar nach seiner Darstellung seinen Angehörigen und Freunden zu verdanken, die in sozialen Medien auf den Fall aufmerksam machten und dafür sorgten, dass das Lokalfernsehen berichtete.

Üblicherweise wird der entführte Bräutigam Rupesh zufolge gezwungen, die Ehe durch Geschlechtsverkehr zu vollziehen. In vielen Fälle blieben die Paare zusammen - vor allem wegen des sozialen Drucks, den als heilig geltenden Bund der Ehe nicht zu brechen. Weil die Praxis aber auch zu Konflikten in den Familien geführt habe, erklärt Rupesh, habe die Zahl der Fälle von "Bräutigam-Entführung" in den vergangenen Jahren abgenommen.

"Ich will, dass die Ehe für ungültig erklärt wird"

Dennoch ist es Vinod Kumar passiert - weil er mit seinem Job als Juniorchef eines staatlichen Stahlwerks ein guter Fang ist und Surenders Schwester mit Mitte 40 nicht mehr an einen freiwilligen Ehemann zu vermitteln war, wie er meint. Er konnte entkommen, und es gibt keine Heiratsurkunde, die ihn an die Frau binden würde. Die Entführer sind allerdings bislang nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Surender rufe ihn immer wieder an und drohe ihm, sagt Kumar.

Der mutmaßliche Täter werde gesucht, habe sich aber aus dem Staub gemacht, erklärt der Chef der zuständigen Polizeiwache, D.K. Vishwakarma. Er streitet Korruption an seiner Wache ab, bestätigt aber Ermittlungen gegen sich selbst und zwei weitere Beamte wegen einer Beschwerde Kumars beim Polizeichef des Bezirks.

Nun ist Kumar wieder in Patna, um bei der staatlichen Menschenrechtskommission von Bihar vorzusprechen. "Ich will, dass die Ehe für ungültig erklärt wird und die Leute, die das gemacht haben, bestraft werden", sagt er. Die Erfahrung habe ihm psychisch zugesetzt, und er habe Angst, allein unterwegs zu sein. Von seinem Heiratswunsch habe ihn das Ganze aber nicht abgebracht. "Ich will eine natürliche, normale Ehe - von meiner Familie arrangiert."

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Nick Kaiser / DPA
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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