VG-Wort Pixel

Holocaust-Gedenken in Israel Zwei Minuten Stillstand

Schweigeminuten in Israel am Holocaust-Gedenktag
Zwei Schweigeminuten in Israel am Holocaust-Gedenktag - dem Jom haShoa
© Jack Guez/AFP
Jedes Jahr am Holocaust-Gedenktag heulen in Israel für zwei Minuten die Sirenen. Dann halten die Lebenden inne, um der Toten und Geschundenen zu gedenken. Dieses Jahr wurde es aber auch laut.
Von Sophie Albers Ben Chamo

Egal, wo du bist: am Strand in Tel Aviv, im Büro in Naharija, auf der Straße, im Auto, auf dem Fahrrad, im Supermarkt. Wenn in Israel am Jom haShoa, dem Holocaust-Gedenktag, die Sirenen heulen, dann steht das Leben zwei Minuten lang still. Im ganzen Land. Die Menschen halten an, egal wo sie sind. Sie steigen aus dem Auto. Sie bleiben mitten auf der Straße stehen. Sie legen am Strand das Surfbrett neben sich und kehren in sich. Jedes Jahr an diesem Nationalfeiertag, dem "Tag des Gedenkens an Shoa und Heldentum", dessen Motto lautet "Nie wieder!".

Das offizielle Gedenken beginnt am Vorabend, wenn in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sechs Fackeln entzündet werden - in Gedenken an sechs Millionen tote Juden, die dem Naziterror zum Opfer gefallen sind. Sechs Holocaust-Überlebende entzünden jedes Jahr die Feuer.

Am Jom haShoa sind die meisten Geschäfte in Israel geschlossen, und die Fahnen sind landesweit auf halbmast. Das Datum ist der 27. Nissan des Jüdischen Kalenders, warum der Tag jedes Jahr auf ein anderes Datum unseres, des gregorianischen Kalenders, fällt.

Aufregung um Rede des Armeechefs

In diesem Jahr sorgte eine ungewöhnliche Rede während der Gedenkzeremonie in einem Kibbutz nahe Netanja für Aufsehen: Yair Golan, der stellvertretende Generalstabschef der israelischen Armee (IDF) fand klare Worte für die Situation im Heiligen Land. Er sehe heute in Israel ähnliche Vorgänge wie in Europa vor dem Holocaust, zitiert die israelische Tageszeitung "Haaretz" aus seiner Rede. Das Gedenken an die Shoa müsse uns "besonders zum Nachdenken bringen über die Verantwortung von Anführern, die Qualität der Gesellschaft", und es müsse zum fundamentalen Nachdenken darüber führen, "wie wir - hier und heute - den Fremden, das Waisenkind und die Witwe behandeln".

Nichts sei einfacher, als den Fremden zu hassen, so Golan, "nichts ist einfacher, als Angst zu verbreiten" und Menschen einzuschüchtern. "Nichts ist einfacher, als sich wie Tiere zu benehmen und scheinheilig zu tun." Am Holocaust-Gedenktag "sollten wir über unsere Fähigkeit diskutieren, die Saat der Intoleranz, der Gewalt, der Selbstzerstörung und des moralischen Verfalls zu entwurzeln."

Angriff von rechts

An diesem Tag ängstige ihn eine Sache besonders: dass "die abscheulichen Vorgänge in Europa im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen vor 70, 80 und 90 Jahren" stattgefunden haben - und dass es heute im Jahr 2016 - "Anzeichen dafür mitten unter uns" gebe.

Natürlich wurde Golan sofort von der Rechten, in Person von Bildungsminister Naftali Bennett, attackiert. Doch der IDF-Chef betonte, dass er natürlich keinesfalls Israels Staat und Armee mit Nazideutschland habe vergleichen wollen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker