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Im Einsatz gegen Ebola: "Die Welt hat zu lange gewartet"

Anja Wolz kämpft für "Ärzte ohne Grenzen" in Westfafrika gegen die Ebola-Epidemie. Gefühlt auf verlorenem Posten. Die Krankenschwester vermisst professionelle Strukturen, die die Epidemie aufhalten.

Die Ebola-Epidemie ist seit Monaten außer Kontrolle, aber die weltweite Gesundheitsgemeinschaft hat eine lange Zeit gebraucht, um darauf zu reagieren", sagt Anja Wolz. Sie ist Krankenschwester, 44 Jahre alt, kommt aus Würzburg und arbeitet zurzeit in Liberia. Für "Ärzte ohne Grenzen" ist sie seit 2003 im Einsatz. Sie ist eine engagierte Frau, wirkt am Telefon gut gelaunt. Dabei ist sie, wie sie selbst schreibt, "frustriert und enttäuscht".

Sie weiß von ihren vorherigen Einsätzen, was zu tun ist, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Bei dieser Epidemie werde viel zu wenig getan, kritisiert sie. "Eine einzige Organisation kann das nicht in den Griff bekommen. Wir brauchen mehrere. Und vor allem müssen sie den Ausbruch in all seinen Facetten angreifen." Nicht nur medizinisches Personal fehle, sondern Manager, Logistiker und Verwaltungsleute.

Komplette Krankenhäuser nach Westafrika?

Auch andere Experten sind mit den bisherigen Maßnahme nicht zufrieden. So fordert der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts und Epidemie-Experte René Gottschalk, komplette Krankenhäuser nach Westafrika zu liefern. "Man muss ganze Hospitäler dort hinschaffen oder ein Hospitalschiff vor der Küste vor Anker gehen lassen", sagte der Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochkontagiöse und lebensbedrohliche Erkrankungen beim Robert-Koch-Institut der "Frankfurter Rundschau".

Jedes mobile Krankenhaus, das Europa habe, sei "1000 Mal besser als die afrikanischen Hospitäler. Wir müssten natürlich Personal mit runter schicken und Labore", sagte Gottschalk. "Mit unserer Schutzausrüstung hätte dieses Personal auch nichts zu fürchten. Dann könnte man das hinkriegen."

Eine "unglaubliche Anstrengung" sei erforderlich, sagte der Experte. "Diesen Ländern ist nur noch von außen zu helfen. Von selbst können sie das nicht." Die Weltgesundheitsorganisation habe zuletzt 20.000 Fälle prognostiziert, was bei einer Mortalitätsrate von 50 Prozent zu 10.000 Toten führen könne. "Ich glaube, dass es viel mehr sein werden", sagte Gottschalk der Zeitung.

DRK verlangt Absicherung der Einsatzkräfte

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) verlangt seinerseits eine umfassende Absicherung der Einsatzkräfte in den Ebola-Krisengebieten. "Als Hilfsorganisation benötigen wir die Garantie, dass unsere Helfer im Falle einer Infektion mit dem hochansteckenden Virus die beste medizinische Versorgung bekommen", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Hier müsse die Politik ihren Beitrag leisten. Den Helfern müsse ein Rücktransport nach Deutschland garantiert werden. Die Bundesregierung werde in jedem Fall alle Möglichkeiten für eine fachgerechte Behandlung prüfen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

llf mit DPA und AFP