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Indien: Hunderte Tote durch Regenfluten

Land unter in Indien: In Bombay ist allein an einem Tag so viel Regen herunter gekommen, wie zur Monsunzeit sonst in Monaten. Ein Ende der Regenfluten ist noch nicht abzusehen.

Die Zahl der Hochwassertoten im westindischen Unionsland Maharashtra ist am Freitag auf 696 gestiegen. Wie die Behörden in Bombay mitteilten, fanden Rettungsmannschaften in entlegenen Dörfern noch Dutzende weitere Leichen.

In Bombay, dem indischen Finanzzentrum und Sitz der Filmindustrie, hatte sich die Lage nach den sintflutartigen Regengüssen vom Dienstag noch nicht normalisiert, es herrscht Ausnahmezustand. In einem Armenviertel führte ein Gerücht über einen bevorstehenden Dammbruch zu einer Massenpanik, in der mindestens 15 Menschen ums Leben kamen und mehr als 25 verletzt wurden. Die Polizei bemühe sich, die Menschen zu informieren.

Fischer und Benedikt XVI. drücken Anteilnahme aus

Im Norden der 15-Millionen-Metropole war allein am Dienstag eine Regenmenge gefallen, die der Hälfte dessen entspricht, was normalerweise während der gesamten viermonatigen Monsunsaison niedergeht. Für die kommenden Tage sagten Meteorologen weiteren Regen voraus. Bundesaußenminister Joschka Fischer sprach seinem indischen Kollegen die Anteilnahme Deutschlands aus. Papst Benedikt XVI. ließ erklären, er bete für die Betroffenen.

Rettungskräfte suchten im Dorf Juigaon südlich von Bombay weiter nach bis zu 150 Vermissten, die vermutlich unter einer Schlammlawine begraben wurden. Bei einem Erdrutsch in Andheri, einer Vorstadt von Bombay, wurden 36 Menschen getötet und Dutzende weitere noch vermisst. Viele Menschen waren zudem von schnell ansteigenden Wassermassen davongerissen worden. "Ich kann schwimmen, aber das hat nicht geholfen. Die Strömung war zu stark", sagte ein 22 Jahre alter Bankangestellter. Er war zusammen mit mehreren anderen Männern davongespült worden, wurde aber von Helfern noch rechtzeitig aus dem Wasser gezogen.

Das öffentliche Leben steht still

In Bombay verbrachten zehntausende Pendler die Nacht zum Donnerstag erneut in Büros oder Hotels, weil der Verkehr mit Bus, Bahn, Auto und Flugzeug zu Erliegen gekommen war. Straßen waren weiter unpassierbar und Geldautomaten leergeräumt. Schulen blieben geschlossen und Telefonverbindungen unterbrochen. Auch der Handel an den Finanzmärkten kam zum Erliegen. Das Fernsehen sendete unentwegt Laufbänder, in denen Angehörige nach ihren Liebsten fragten. Die Behörden forderten die Bürger erneut auf, daheim zu bleiben. Zudem trafen in Bombay hunderte Öl-Arbeiter ein, die von einer Ölplattform vor der indischen Westküste gerettet worden waren. Ein Versorgungsschiff war in schwerer See gegen die Anlage geprallt. Daraufhin ein Feuer ausgebrochen, das die Plattform zerstörte. Zwölf Menschen kamen dabei ums Leben.

DPA/Reuters / DPA / Reuters