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Indonesien: Schweres Erdbeben auf Sumatra - mindestens 90 Tote

Das Epizentrum lag dicht unter der Oberfläche: Ein Erdbeben der Stärke 6,4 tötete Dutzende Menschen und richtete schwere Verwüstungen an. Bislang wurden mehr als 90 Leichen geborgen.

Trauernde Frauen stehen an den verhüllten Leichen ihrer Angehörigen, die beim Erdbeben in Indonesien gestorben sind

Nach einem Erdbeben in Indonesien wurden schon Dutzende Tote geborgen

Die Zahl der Todesopfer bei dem heftigen Erdbeben in Indonesien steigt rasant: Es seien mindestens 92 Menschen umgekommen, berichtete das Militär am Mittwoch. Der Erdstoß der Stärke 6,4 erschütterte den nördlichen Zipfel der Insel Sumatra am Mittwochmorgen. Das Beben war zwar für die Region vergleichsweise schwach, aber der Bebenherd lag nur wenige Kilometer unter der Erdoberfläche, was meist schwere Schäden verursacht.

Der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Purwo Nugroho, sagte vor Journalisten, es gebe bisher außerdem 73 Schwerverletzte und 200 Leichtverletzte. Es handele sich dabei aber weiterhin um eine vorläufige Bilanz, sagte der Sprecher. Die Opferzahl werde angesichts der "massiven Zerstörung" vermutlich noch steigen.

Mindestens sieben tote Kinder

Das einzige Krankenhaus im besonders betroffenen Bezirk in Pidie Jaya war wegen der hohen Zahl der eingelieferten Verletzten überlastet, wie der Leiter der örtlichen Katastrophenschutzbehörde, Puteh Manaf, sagte. Laut dem stellvertretenden Bezirkschef Said Mulyadi wurden einige Verletzte zur Behandlung in einen benachbarten Bezirk gebracht. Seinen Angaben zufolge waren unter den Toten mindestens sieben Kinder. Viele weitere Kinder hätten Knochenbrüche und andere Verletzungen erlitten.

Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke des Bebens mit 6,5 an. Laut der indonesischen Behörde für Meteorologie, Klimakunde und Geophysik folgten mindestens fünf Nachbeben. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben.

Eingeschlossene Menschen nach Erdbeben

Rettungskräfte suchten in eingestürzten Häusern nach Verschütteten. Mit schwerem Gerät hoben die Helfer Trümmerteile, um zu den eingeschlossenen Menschen zu gelangen. Andere Menschen hielten sich auf der Straße auf, weil sie aus Angst vor weiteren Beben nicht in ihre Häuser zurückkehren wollten.

Das Beben erschütterte die muslimisch geprägte Region, als viele Bewohner bei den Vorbereitungen zum Morgengebet waren. Wohnhäuser, Geschäfte und Moscheen stürzten ein. Der 37-jährige Hasbi Jaya aus der Stadt Meureudu wurde mit seiner Familie im Schlaf von dem Beben überrascht. "Wir rannten sofort aus dem Haus, es brach zusammen. Es ist von oben bis unten zerstört", sagte Jaya der Nachrichtenagentur AFP. "Als ich mich umsah, sah ich, dass auch die Häuser meiner Nachbarn komplett zerstört waren."

Keine Tsunami-Warnung

Aus Angst vor einer hohen Flutwelle flohen viele Küstenbewohner in Panik aus ihren Häusern. Eine Tsunami-Warnung wurde jedoch nicht ausgegeben. Nach Angaben von Seismologen war das Beben fast in der gesamten Provinz Aceh zu spüren, die bei der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 schwer zerstört worden war.

Vor zwölf Jahren hatte der durch ein heftiges Seebeben ausgelöste Tsunami an den Küsten des Indischen Ozeans allein in Indonesien mehr als 170.000 Menschen in den Tod gerissen. Zehntausende weitere Menschen starben in anderen betroffenen Staaten, darunter Thailand, Sri Lanka und Indien.

Aceh liegt am nördlichen Ende der Insel Sumatra. Die auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring liegende Region ist besonders erdbebengefährdet. Im Juni hatte ein Beben der Stärke 6,5 den Westen von Sumatra getroffen, es gab acht Verletzte sowie Sachschäden.

tkr / AFP / DPA