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Interview mit Ozeanforscher: Wrackteile von Flug MH370 treiben "wie auf einer Autobahn"

Dort, wo Flug MH370 vermutlich abstürzte, wird es Winter. Der Indische Ozean ist voller Strudel und Strömungen. Ein australischer Forscher erklärt, wie die Wrackteile auseinander gewirbelt werden.

Großes Suchgebiet. Die Australische Behörde für Seesicherheit (Amsa) veröffentlicht laufend aktuelle Grafiken von der Region im Indischen Ozean, wo sich Wrackteile befinden könnten.

Großes Suchgebiet. Die Australische Behörde für Seesicherheit (Amsa) veröffentlicht laufend aktuelle Grafiken von der Region im Indischen Ozean, wo sich Wrackteile befinden könnten.

Je länger die Suche im Indischen Ozean nach Wrackteilen des Malaysia-Airlines-Flugzeugs dauert, desto schwieriger wird die Lokalisierung der Absturzstelle von Flug MH370. "Der einzige Wert eines Funds heute ist eigentlich nur noch, dass wir dann einen Beweis haben, dass die Maschine abgestürzt ist", sagt David Griffin, Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts CSIRO in Hobart, Tasmanien, in einem Interview.

Frage: Läuft die Zeit für das Auffinden von Wrackteilen davon?

Ja, weil in dem Suchgebiet der Winter im Anmarsch ist und das Meer immer rauer wird und weil vermeintliche Wrackteile zu weit gedriftet sind, um Rückschlüsse auf die Absturzstelle zu ziehen. Es ist schon jetzt zu viel Zeit vergangen,

Gibt es nicht inzwischen gute Computermodelle zu den Strömungen?

Im Prinzip ja, aber der Ozean ist in der Region sehr turbulent, es gibt Wirbel bis zu 100, 200 Kilometer breit, dort können Teile rotieren. Nachzuvollziehen, wo die Teile herkamen, ist, als wenn man versucht, einer bestimmten Person in einer Menge zu folgen, in der jeder in eine andere Richtung läuft. Anders gesagt: Wenn die Strömung gradlinig ist, bewegt sich das Treibgut wie auf einer Autobahn. Aber es gibt dort viele mehrspurige "Autobahnkreuze", und je nachdem, in welcher Spur das Stück ist, kann es in eine ganz andere Richtung getrieben werden. Ein kleiner Fehler in unseren Annahmen kann später zu einem kolossal falschen Ergebnis führen.

Welche Chance besteht noch, die Absturzstelle und damit womöglich den Hauptteil des Wracks möglichst bald zu finden?

Das Beste wäre, wenn wir große Wrackteile finden und feststellen können, dass es die Teile sind, die auf den frühen Satellitenaufnahmen zu sehen waren. Als die Aufnahmen gemacht wurden, waren die Teile ja noch relativ nah an der Absturzstelle. Deshalb lässt sich von da der wahrscheinliche Weg der Teile relativ präzise zurückverfolgen.

Das Interview führte Christiane Oelrich von der DPA.

David Griffin, Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts SCIRO

David Griffin, Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts SCIRO

David Griffin, 54, arbeitet seit 1994 beim australischen Forschungsinstitut CSIRO. Er ist Meeresforscher und spezialisiert auf Strömungen und Wirbel im Ozean.

anb/DPA / DPA