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Erdbeben in Italien: Zahl der Toten steigt auf 120 - Renzi spricht von "grenzenlosem Schmerz"

Trümmerhaufen, zerstörte Häuser, 120 Tote und mehr als 350 Verletzte. Sieben Jahre nach dem Erdbeben von L'Aquila hat ein neues schweres Beben die Region in Mittelitalien getroffen. Unter den Opfern sind viele Kinder. Die Ereignisse des Tages.

Schutt- und Trümmerberg in Amatrice nach dem schweren Erdbeben in Italien

Schuttberg in Amatrice nach dem schweren Erdbeben in Italien: "Der Ort ist zur Hälfte zerstört"

Ein Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 6 hat Zentralitalien erschüttert und mehr als 100 Todesopfer gefordert. Der Erdstoß mit Zentrum in der Provinz Rieti war in der Nacht zu Mittwoch in den Regionen Latium, Umbrien, den Marken und bis in die Hauptstadt Rom zu spüren. Besonders betroffen war die Gebirgsregion Appennin.

Lesen Sie hier die Ereignisse des Tages in der Chronik nach.

+++ 19.25 Uhr: Renzi spricht von mindestens 120 Toten +++

Die Zahl der Toten steigt weiter: Nach den Worten von Regierungschef Matteo Renzi sind mindestens 120 Menschen umgekommen. "Und diese Bilanz ist nicht endgültig", sagte Renzi bei einem Besuch in der Katastrophen-Region. Es gehe um Lebensgeschichten, Menschen und Familien. "Es ist ein grenzenloser Schmerz." 368 Verletzte und Kranke seien seit dem Morgen aus der Gegend der stark betroffnen Orte Amatrice und Accumoli weggebracht worden. Italien stehe nun solidarisch zusammen, um die großen Herausforderungen nach dem Erdbeben zu meistern. Dutzende Menschen werden noch vermisst. Die Chancen, sie lebend zu finden, sinken.

Erdbeben in Italien: Amatrice: Bilder der Verwüstung nach dem Beben
Ein Mitarbeiter des italienischen Roten Kreuzes schiebt eine Bahre durch die Straßen von Pescara del Tronto

Ein Mitarbeiter des italienischen Roten Kreuzes schiebt eine Bahre durch die Straßen von Pescara del Tronto

+++ 14.26 Uhr: Zahl der Toten steigt auf 63 +++

Die Opferzahl ist der Nachrichtenagentur Ansa zufolge auf mindestens 63 gestiegen. Allein in dem Ort Amatrice gebe es 35 Opfer, weitere 11 in Accumoli. Dafür gab es zunächst keine offizielle Bestätigung.

+++ 14.26 Uhr: Zeltstädte für Opfer +++

Für die Obdachlosen des Erdbebens in Mittelitalien sollen zwei Zeltstädte in den Orten Pescara und Arquata del Tronto aufgebaut werden. Zunächst sollten dort insgesamt an die 50 Zelte aufgestellt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf den Chef des Zivilschutzes der Region Marken, Cesare Spuri. Weitere Menschen sollten unter anderem in Sporthallen untergebracht werden.

Nach ersten Schätzungen sind wahrscheinlich mehrere tausend Menschen ohne Unterkunft. Unter ihnen sind auch zahlreiche Touristen; die betroffenen Orte gehören teils zum Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga in den Abruzzen.

Allein der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Unter ihnen seien allerdings wohl etwa 2000 Menschen, die in dem Ort Urlaub machten. Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar, sagte Petrucci. Zelte seien dringend nötig. "Obwohl August ist, herrschen hier nachts zehn Grad."

+++ 14.14 Uhr: Mutter aus L'Aquila verliert Kind in neuem Beben +++

Eine Mutter, die wegen des schweren Bebens in L'Aquila vor sieben Jahren aus der Stadt gezogen ist, hat bei dem jetzigen Beben nach Medienberichten ihr kleines Kind verloren. Martina Turco sei zusammen mit ihrem Partner und ihrer eineinhalbjährigen Tochter in dem Ort Arquata del Tronto in ihrem Ferienhaus gewesen, als das Beben das Gebäude einstürzen ließ, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Die Frau kam genauso wie der Vater in ein Krankenhaus.

Die Mutter hatte sich nach dem verheerenden Erdbeben in L'Aquila im Jahr 2009 dazu entschieden, aus der Stadt in den Abruzzen nach Ascoli zu ziehen. Die Gegend wurde in der Nacht zu Mittwoch von einem schweren Beben erschüttert. Der Großvater des kleinen Mädchens war auch am Unglücksort. "Sie wollten mich nicht vorbeilassen, weil alles einsturzgefährdet war", erzählte Massimo Piermarini. "Aber ich habe gesagt, das ist mir egal, ich musste sie suchen. Aber leider konnte man für das Mädchen nichts mehr tun."

+++ 13.08 Uhr: Renzi: "Lassen niemanden allein" +++

Italiens Regierungschef Matteo Renzi hat der vom Erdbeben betroffenen Region jegliche Unterstützung zugesagt. "Wir lassen niemanden alleine", sagte Renzi in einer kurzen Erklärung in Rom. Es gehe nun vor allem darum, weitere Opfer aus den Trümmern zu retten. Er dankte den Helfern, die teils vom ersten Moment mit bloßen Händen nach Verschütteten gegraben hatten. Er werde selbst am Nachmittag in das Erdbebengebiet reisen. 

+++ 12.44 Uhr: Rotes Kreuz: Absturzgefahr macht Bergung schwierig +++

Das Deutsche Rote Kreuz rechnet mit schwierigen Bergungsarbeiten. Häuser stünden an Hängen und Bergflanken, sagte der Leiter der bayerischen Bergwacht, Klemens Reindl. "Das heißt, die Rettungskräfte bewegen sich in einem Umfeld, das nicht nur durch Trümmer schwierig ist, sondern auch durch das Gelände, das teilweise eben abrutsch- oder absturzgefährdet ist."

Für die Hilfskräfte vor Ort gehe es derzeit darum, die Verletzten zu versorgen und Verschüttete zu bergen. In Amatrice sei das Krankenhaus zerstört oder zumindest schwer beschädigt worden. Ersatz müsse schnell geschaffen werden.

+++ 12.31 Uhr: Opferzahl steigt auf 38 +++

Nach Angaben des italienischen Zivilschutzes sind bei dem Beben mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Menschen werden weiterhin vermisst.

+++ 12.25 Uhr: Gauck spricht Angehörigen der Erdbeben-Opfer in Italien Beileid aus+++

Nach dem Erdbeben in Mittelitalien mit vielen Toten hat Bundespräsident Joachim Gauck den Hinterbliebenen seine Anteilnahme ausgesprochen. "Mit großer Bestürzung habe ich die Bilder der Zerstörung gesehen, die das Erdbeben in Umbrien hinterlassen hat", schrieb Gauck nach Angaben des Bundespräsidialamtes am Mittwoch in einem Kondolenzbrief an das italienische Staatsoberhaupt Sergio Mattarella. "Ich spreche Ihnen und den Angehörigen der Opfer auch im Namen meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger mein herzliches Beileid aus. Den vielen Verletzten sende ich meine besten Genesungswünsche."

+++ 12.15 Uhr: Tausende nach Erdbeben obdachlos +++

Das Erdbeben in Mittelitalien hat nach ersten Schätzungen mehrere Tausend Menschen obdachlos gemacht. Allein der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, sprach von 2500 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Es sei kein einziges Haus mehr bewohnbar. "Wir müssen eine Zeltstadt für die gesamte Bevölkerung organisieren", sagte Petrucci der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. "Obwohl August ist, herrschen hier nachts zehn Grad."

Italiens Regierungschef Matteo Renzi und Präsident Sergio Mattarella haben den Opfern des Erdbebens bereits Hilfe zugesagt. Aus vielen Ländern, unter anderem aus Deutschland, gingen Zusagen für Unterstützung ein. Italiens Infrastrukturminister Graziano Delrio war auf dem Weg in die Katastrophenregion.

+++ 11.52 Uhr: Zahl der Todesopfer steigt auf 37 +++

Mindestens 37 Todesopfer hat das Erdbeben gefordert. Das berichten italienische Medien am Mittwoch unter Berufung auf den Zivilschutz.

+++ 11.30 Uhr: Papst spricht Menschen Mitgefühl aus +++

Papst Franziskus hat den vom Erdbeben in Mittelitalien betroffenen Menschen sein tiefes Mitgefühl ausgesprochen. Er finde kaum Worte, seinen großen Schmerz auszudrücken, sagt der Papst zu Beginn der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom. "Den Bürgermeister von Amatrice sagen zu hören, dass der ganze Ort nicht mehr existiert, und zu wissen, dass unter den Opfern Kinder sind, hat mich sehr berührt."

+++ 10.51 Uhr: Steinmeier bietet Hilfe an +++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Italien nach dem schweren Erdbeben Unterstützung aus Deutschland angeboten. "Die Nachrichten aus Italien über das nächtliche Erdbeben habe ich mit Erschrecken aufgenommen", wird der Minister in einer Mitteilung zitiert. "Wir stehen in dieser Stunde in Trauer und Solidarität vereint an der Seite unserer italienischen Freunde und Partner." Außerdem bot Steinmeier Hilfe an: "Wenn gewünscht, stehen wir natürlich bereit, Unterstützung zu leisten."

+++ 10.30 Uhr: THW sieht Chance auf Überlebende in Trümmern +++

Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) gibt es Chancen auf Überlebende in den Erdbebentrümmern der italienischen Stadt Amatrice. "In Altbauten gibt es immer die Chance, in irgendwelchen Hohlräumen zu überleben", sagt THW-Präsident Albrecht Broemme beim Nachrichtensender N24. "Es ist allerdings schwierig, denn diese Gebäude sind nicht nach modernen Aspekten erdbebensicher gebaut." Im Zentrum des besonders stark von dem Erdbeben in der Nacht zu Mittwoch betroffenen Ortes gebe es dreigeschossige Altbaugebäude, die recht stark zerstört seien.

Die Hilfe für die Opfer gestalte sich im Gebirge schwieriger als im flachen Land. Die Straßen seien eng und oft durch Erdrutsche beschädigt. Es werde erfahrungsgemäß einige Tage dauern, bis die Trinkwasserversorgung wieder hergestellt sei, sagt Broemme. "Erfahrungsgemäß funktioniert das Internet am ehesten wieder." 

+++ 10.27 Uhr: Mindestens 21 Todesopfer +++

Die Zahl der Todesopfer ist auf mindestens 21 gestiegen. Sechs Opfer stammen aus dem Ort Accumuli, fünf aus Amatrice und zehn aus dem Ort Pescara del Tronto, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa ohne genaue Quellen zu nennen. Es seien jedoch noch viele Opfer unter den Trümmern.

+++ 10.23 Uhr: Bürgermeister befürchtet Dutzende Tote +++

Der Bürgermeister des stark beschädigten Ortes Amatrice befürchtet Dutzende Opfer. "Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor", sagt Sergio Pirozzi nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa.

Der Bürgermeister des ebenfalls massiv betroffenen Ortes Accumoli erzählt mit zitternder Stimme: "Das, was wir in L'Aquila vor Jahren gesehen haben, ist nun hier geschehen." In einem Telefongespräch mit dem Sender RaiNews24er ergänzt er: "Wir brauchen Hilfen."

+++ 9.01 Uhr: Kinder lebend aus Trümmern gerettet - andere noch verschüttet +++

Ein Junge konnte am Mittwoch lebend im Ort Pescara del Tronto gerettet werden. Um andere Verschüttete kämpften die Helfer verzweifelt. Im Ort Amatrice, der mit am stärksten betroffen war, halfen Ärzte einem verletzten sechsjährigen Zwilling aus den Trümmern. Der Bruder des Jungen sei noch verschüttet, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

+++ 8.05 Uhr: "Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr" +++

Der Bürgermeister der naheliegenden Gemeinde Amatrice sagt dem Nachrichtensender RaiNews24: "Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern." Straßen seien blockiert, der Strom sei ausgefallen. Er fordert Hilfe per Hubschrauber. Ein Einwohner sagte dem Sender: "Alles ist kaputt."

+++ 7.45 Uhr: Älteres Ehepaar stirbt in seinem Zimmer +++

Ein älteres Paar starb in dem Örtchen Pescara del Tronto in seinem Zimmer, berichtete Ansa unter Berufung auf die Polizei.

Der Chef des Zivilschutzes habe ein Notfall-Komitee einberufen, teilte die italienische Regierung mit. Bei den Feuerwehren gingen zahlreiche Anrufe ein. In Norcia liefen Menschen auf die Straße. In mehreren Orten wurden Schäden an Gebäuden gemeldet.

Erdbeben Italien

10 Kilometer südöstlich des Dorfes Norcia bebte die Erde mit einer Stärke von 6,2

+++ 6.20 Uhr: Beben ist vergleichbar mit L'Aquila 2009 +++

Der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, spricht von einem "schweren" Beben, es sei vergleichbar mit dem in der Stadt L'Aquila im Jahr 2009. Damals kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, vor allem weil das Beben direkt die Stadt mit Zehntausenden Einwohnern traf. Das jetzige Beben sei vermutlich weniger fatal, weil die Gegend nicht so stark bevölkert ist. L'Aquila liegt nicht allzuweit von der nun betroffenen Region entfernt.

+++ 6 Uhr: Mehrere Nachbeben in der Region +++

Der Erdstoß mit Zentrum in der Provinz Rieti war in der Nacht in den Regionen Latium, Umbrien, den Marken und bis in die Hauptstadt Rom zu spüren. Besonders betroffen war die Gebirgsregion Appennin. Nach ersten Auskünften des Zivilschutzes gab es auch Verletzte und schwerwiegende Einstürze. Mehrere Nachbeben hielten die Region in der Nacht in Atem.


Erdbeben in Italien - Zerstörungen im Ort Amatrice

Schweres Erdbeben in Italien: Die Ortschaft Amatrice wurde besonders schwer getroffen

tim / DPA