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Verbrechensbekämpfung Kurioses Projekt in Großbritannien: Einbrecher müssen GPS-Tracker tragen

Ein junger Mann mit Sturmhaube versucht, ein Türschloss aufzuschrauben
Im wahren Leben ist dieser junge Mann ein Fotomodell. Für dieses Symbolfoto mimt er einen Einbrecher, wie man sich ihn vorstellt: mit Werkzeug und Sturmhaube.
© Elnur Amikishiyev/ / Picture Alliance
In der Coronakrise gibt es weniger Einbrüche. Steigt die Zahl der Verbrechen, wenn sich die Menschen wieder freier bewegen dürfen? Ja, meint die britische Regierung – und startet ein kurioses Projekt.

In Großbritannien startet demnächst ein ungewöhnliches Pilotprojekt zur Verbrechensbekämpfung. Verurteilte Straftäter, die aus dem Gefängnis entlassen werden, müssen einen GPS-Tracker tragen. Die Regel gilt nach Informationen der britischen Regierung für Diebe, Räuber oder Einbrecher, die mindestens ein Jahr im Gefängnis waren und auf Bewährung freikommen. Als Teil ihrer Bewährungsauflagen müssen sie für einen Zeitraum von bis zu zwölf Monaten einen Sender am Fuß tragen, der den Justizbehörden rund um die Uhr ihren Aufenthaltsort mitteilt.

Der Tracker sieht aus wie eine Smartwatch, nur eben für den Unterschenkel, und erinnert an eine elektronische Fußfessel. Die britische Presse berichtet an diesem Mittwoch ausführlich über dieses "weltweit erste Projekt, das die Kriminalität in Wohnvierteln senken soll", wie es etwa "Sky News" beschreibt.

Hohe Rückfallquote bei Einbrechern und Dieben

Begründet wird das Projekt mit einer hohen Rückfallquote: Mehr als die Hälfte derjenigen, die man wegen Diebstahls oder Einbruchs verurteilt hat, würden binnen eines Jahres erneut straffällig – aber in knapp 80 Prozent solcher Verbrechensfälle könnte kein Täter ermittelt werden, zitiert "Sky News" Daten der britischen Regierung.

Vor allem bei der Aufklärung von Einbrüchen habe die Polizei ein großes Problem. Denn oftmals könnten die Täter nur dann geschnappt werden, wenn man sie auf frischer Tat ertappt hat.

Die GPS-Tracker sollen den Ermittlern daher helfen, Informationen über bereits bekannte Straftäter zu sammeln. "Wir wissen jederzeit, wo sie sich aufhalten", wird Kit Malthouse, Staatsminister für Kriminalität und Polizei im Innen- und Justizministerium, in der britischen Presse zitiert. Denn die Überwachung laufe 24 Stunden am Tag.

Dabei habe der GPS-Tracker zwei Ziele, so Malthouse. Erstens solle er demotivieren, wieder einen Bruch zu machen. "Wir wollen sicherstellen, dass diese Straftäter auf einen geraden Lebensweg zurückkehren", sagte der Politiker von der konservativen Tory-Partei der BBC.

Und zweitens könne die Polizei einen Einbrecher viel schneller fassen, wenn er trotz des Geräts rückfällig werde. Denn man wisse ja, ob er sich in der Nähe eines Tatorts aufgehalten habe.

Pilotprojekt mit GPS-Trackern startet im April in sechs Polizeibehörden

Teilnehmen an der ersten Phase des Programms werden ab dem 12. April zunächst sechs Polizeibehörden: Avon und Somerset, Cheshire, Gloucestershire, Gwent, Humberside und West Midlands. Voraussichtlich 250 Straftäter würden bei ihrer Entlassung aus dem Gefängnis einen solchen GPS-Tracker an den Unterschenkeln befestigt bekommen. Ab September solle das Programm auf weitere 13 Polizeidistrikte ausgeweitet werden.

Während die konservative Regierung von Premierminister Boris Johnson sich von der neuen Idee einen Rückgang der Kriminalität erhofft, gibt es aber auch kritische Stimmen. "Sky News" beispielsweise zitiert einen Rechtsanwalt mit der Einschätzung, das Ganze könnte eine Verschwendung von Steuergeld sein. Einerseits sei die Technik alles andere als idiotensicher, eine reibungslose Funktion sei also nicht gewährleistet. Andererseits seien Einbrecher und Diebe sehr geübt darin, Systeme zu überlisten.

Auch könne der Tracker selbst zum Problem werden für die, die ihn tragen. Die Menschen könnten sich dafür schämen, von aller Welt als Kriminelle erkannt zu werden. Das Gerät sei schließlich auch für andere Menschen sichtbar – wie ein Sigma.

Staatsminister Malthouse ist indes sicher, dass die positiven Ergebnisse überwiegen werden. "Es ist eine rigorose Überwachung, wie wir sie noch nie hatten, und wir glauben, sie wird eine große Wirkung entfalten" zitiert ihn die BBC. Er hofft, dass Einbrüche und Diebstähle deutlich reduziert werden, die den britischen Steuerzahler Jahr für Jahr geschätzte 4,8 Milliarden Pfund kosten.

Nach dem Ende des Corona-Lockdowns könnte Kriminalität steigen

Während der Corona-Pandemie ist die Zahl solcher Verbrechen in Großbritannien gesunken – die Menschen verbachten mehr Zeit zu Hause, Einbrecher hatten es schwerer, unbeobachtet ihrem kriminellen Handwerk nachzugehen. Nun da die Impfkampagne auf den britischen Inseln voranschreitet und Lockerungen des Corona-Lockdowns in Aussicht sind, könnte auch die Zahl dieser Straftaten wieder steigen.

Erfahrungen mit der GPS-Überwachung von verurteilten Verbrechern gibt es in Großbritannien schon länger – mit den sogenannten "Nüchternheit-Trackern". Diese müssen Straftäter tragen, die auf Bewährung frei sind und die ihre Tat unter Alkoholeinfluss begangen hatten. Alle 30 Minuten messen die Geräte den Schweiß ihrer Träger und können so feststellen, ob sie Alkohol getrunken haben. Wenn ja, wird der Bewährungshelfer alarmiert.

Quellen: Britische Regierung, "Sky News", BBC


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