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Blutbad in Las Vegas: Trump nennt Todesschützen "krank" und "wahnsinnig"

Ein Attentäter hat in Las Vegas auf einem Musikfestival ein Massaker angerichtet und sich dann selbst getötet. Mindestens 59 Menschen kamen ums Leben. Die Ermittlungen laufen. Die Entwicklungen im stern-Newsticker

Es war der blutigste Schusswaffenangriff in der jüngeren US-Geschichte: In Las Vegas hat ein 64-jähriger Rentner von einem Hotel-Casino aus das Feuer auf Besucher eines Open-Air-Konzerts eröffnet und dabei mindestens 59 Menschen getötet und mehr als 500 weitere verletzt. Danach habe er sich selbst erschossen, teilte die Polizei mit. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich, das FBI sah jedoch keine Verbindungen zu einer Terrororganisation.

Lesen Sie alle Entwicklungen im stern-Newsticker:

+++ Trump nennt Las-Vegas-Attentäter "krank" und "wahnsinnig" +++

US-Präsident Donald Trump hat den Heckenschützen von Las Vegas als "krank" und "wahnsinnig" beschrieben. Der Täter habe "viele Probleme" gehabt, sagte Trump in Washington kurz vor seinem Abflug zur Karibikinsel Puerto Rico, wo er sich ein Bild von den dortigen Sturmschäden machen wollte. Der Schütze sei ein "sehr, sehr krankes Individuum" gewesen. Die Ermittler äußerten sich hingegen bislang nicht öffentlich zum Geisteszustand des 64-jährigen Stephen Paddock, der mindestens 59 Konzertbesuche erschossen und sich anschließend selbst getötet hatte. Die Bundespolizei FBI und der Auslandsgeheimdienst CIA reagierten aber skeptisch auf eine Erklärung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat, wonach Paddock zum Islam konvertiert sein und die Tat als "Soldat des IS" begangen haben soll. Laut Polizei gibt es dafür keinerlei Belege. Ein CIA-Sprecher warnte vor "vorschnellen Schlüssen, bevor alle Informationen ausgewertet sind". Trump will am Mittwoch nach Las Vegas reisen.

+++ Erste Fotos aus dem Hotelzimmer des Schützen +++

Die US-Journalistin Jacqui Heinrich hat auf Twitter zwei Fotos veröffentlicht, die das Zimmer im Mandalay-Bay-Hotel zeigen sollen, aus dem der Amok-Schütze das Feuer eröffnete. Zu sehen sind zwei der Schnellfeuerwaffen des Täters sowie Munition und ein Hammer, der wahrscheinlich zum Einschlagen der Fensterscheiben benutzt wurde. 


+++ Täter baute Waffe um, um schneller schießen zu können +++

Laut einem Bericht der Los Angeles Times hat der Attentäter mindestens eine der im Hotelzimmer gefundenen Waffen umgebaut, um mehr Menschen erschießen zu können. Dafür habe der Täter einen sogenannten "bump stock"-Aufsatz benutzt. Dieser Aufsatz erlaubt es dem Schützen, mit einer halb-automatischen Waffe ebenso schnell zu schießen wie mit einer automatischen, obwohl das Gewehr technisch gesehen keine automatische Waffe ist. Das Device ist in den USA legal.

+++ Ermittler finden Sprengstoff und Waffen im Haus des Schützen +++

Ermittler und Verwandte haben neue Details zu dem Todesschützen von Las Vegas öffentlich gemacht. Bei einer Razzia in einem der Privathäuser des 64-jährigen Stephen Paddock in der Stadt Mesquite seien Sprengstoffe, Schusswaffen und Munition sichergestellt worden, sagte Sheriff Joseph Lombardo in Las Vegas. Das zweite Privathaus des Mannes in der Stadt Reno solle ebenfalls durchsucht werden.
Hinweise auf Verbindungen zur Dschihadistenmiliz IS, welche die Tat für sich reklamierte, seien nicht gefunden worden, sagte der Sheriff. In Paddocks Haus in Mesquite seien aber 18 Schusswaffen, tausende Schuss Munition sowie die Sprengstoffe Tannerit und Ammoniumnitrat sichergestellt worden. In dem Hotelzimmer in Las Vegas, von dem aus Paddock auf die Besucher eines Freiluftkonzerts schoss, hatten Ermittler bereits 16 Schusswaffen entdeckt. 

Stephen Paddock Haus

In diesem Haus in Mesquite, Nevada, soll der Attentäter von Las Vegas, Stephen Paddock, gelebt haben


Dienstag, 3. Oktober

+++ Putin nennt Massaker "entsetzlich in seiner Grausamkeit" +++

Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit Entsetzen auf den blutigsten Schusswaffenangriff in der jüngeren US-Geschichte reagiert. Das Verbrechen, dem Dutzende "friedlicher Zivilisten" zum Opfer fielen, sei "entsetzlich in seiner Grausamkeit", erklärte Putin in einem Beileidstelegramm an US-Präsident Donald Trump. Den Opfern des Angriffs und ihren Angehörigen sprach er dem Kreml zufolge sein Mitgefühl aus.

+++ Weißes Haus hält Diskussion über Waffengesetze für verfrüht +++

Ein Diskussion über schärfere Waffengesetze nach den Todesschüssen von Las Vegas ist nach Darstellung des Weißen Haues verfrüht. "Es wäre voreilig, politische Maßnahmen zu diskutieren, solange wir nicht vollständig wissen, was gestern Abend passiert ist", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders. Präsident Donald Trump habe aber mehrmals deutlich gemacht, dass er ein Befürworter des zweiten Verfassungszusatzes sei. Dort ist das grundsätzliche Recht auf den Besitz von Schusswaffen für US-Bürger.

+++ Senatoren für schärfere Waffengesetze +++ 

Nach dem Massaker von Las Vegas mehren sich die Forderungen nach schärferen Waffengesetzen in den USA. "Wir dürfen nicht taub sein bei solchen Massakern, die so viele Leben in so kurzer Zeit auslöschen können", teilte die demokratische Senatorin des Bundesstaats Kalifornien, Dianne Feinstein mit. "Es sollte jeden Amerikaner schocken, dass jedes Individuum mit leichtem Zugang zu Waffen und Munition, solche Verwüstungen auslösen kann." Auch weitere Demokraten forderten härtere Waffengesetze. Elizabeth Warren, Senatorin des Bundesstaats Massachusetts, sagte: "Gedanken und Gebete sind nicht genug." Tragödien wie in Las Vegas seien viel zu oft passiert. "Wir brauchen eine Debatte, wie die Waffengewalt zu stoppen ist." Die Gewalttat ließ die Aktien von Waffenherstellern steigen. Die Papiere von Sturm, Ruger & Co und American Outdoor Brands - dem Mutterkonzern von Smith & Wesson - legten zwischenzeitlich um fast vier Prozent zu. Dass Waffenaktien mit Kursgewinnen auf Amokläufe und Attentate reagieren, ist nicht ungewöhnlich.

+++ Der Name des Schützen ist bekannt +++


Nach Angaben des Sheriffs von Las Vegas, Joseph Lombardo, handelte es sich bei dem mutmaßlichen Schützen um einen früheren Buchhalter namens Stephen Paddock. Dieser lebte demnach in Mesquite rund 130 Kilometer nordöstlich von Las Vegas und hatte sich ein Zimmer im 32. Stock des "Mandalay Bay" gemietet, von dem aus er auf die Besucher des Country-Festivals "Route 91 Harvest" feuerte. Bevor ein Sondereinsatzkommando sein Zimmer stürmte, tötete sich der 64-Jährige, sagte Lombardo. In seinem Zimmer befanden sich demnach mindestens acht Waffen, darunter mehrere Gewehre.

+++ Todesschütze war wohl Einzeltäter +++

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter, einen sogenannten "einsamen Wolf", handelte. Zu den Motiven des 64-Jährigen war zunächst nichts bekannt, doch reklamierte die IS-Miliz die Tat für sich. Der Schütze sei vor einigen Monaten zum Islam konvertiert, erklärte das IS-Propagandaorgan Amaq.

Der jüngere Bruder des Schützen, Eric Paddock, sagte dagegen dem Sender CBS, ihm sei die Tat völlig schleierhaft. Sein Bruder sei weder religiös noch politisch engagiert gewesen, er habe zwar eine Jagdlizenz besessen, sei aber kein Waffennarr gewesen und habe auch keine psychische Erkrankungen gehabt. Ein Sprecher der US-Bundespolizei FBI erklärte, es gebe bisher keine Hinweise auf Verbindungen des Schützen zu internationalen Terrororganisationen.

+++ Donald Trump spricht Opfern Mitgefühl aus +++

Das Blutbad löste allgemeines Entsetzen aus. US-Präsident Donald Trump sprach von einer "Tat des reinen Bösen" und kündigte für Mittwoch seinen Besuch in Las Vegas an. Gleichzeitig rief Trump sein Land zur Geschlossenheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die britische Premierministerin Theresa May sowie Papst Franziskus zeigten sich erschüttert. Country-Star Aldean erklärte, es schmerze ihn sehr, dass so etwas Menschen passieren könne, die nur einen "Abend voller Spaß" genießen wollten.

+++ Gibt es Deutsche unter den Opfern? +++

Unklar war zunächst, ob auch Deutsche unter den Opfern waren. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, die Botschaft in Washington stehe in engem Kontakt mit den US-Behörden, zu möglichen deutschen Opfern könne zur Zeit noch keine Auskunft gegeben werden.

bak/tis / AFP / DPA