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Raubtier-Angriff in Namibia: "Petra, ich glaub', jetzt muss ich sterben": Deutscher Urlauber spricht über Leoparden-Attacke

Aus einer Safari durch Südafrika wird für Hardy S. und seine Frau ein Kampf um Leben und Tod, als der 61-Jährige von einem Leoparden angegriffen und lebensbedrohlich verletzt wird. In einem Interview berichtet das Paar aus Konstanz nun von den schrecklichen Szenen der Raubtier-Attacke.

"Petra, ich glaub', jetzt muss ich sterben": Deutscher Urlauber spricht über Leoparden-Attacke

In Namibia wurde Hardy S. aus Konstanz von einem Leopard angegriffen und lebensbedrohlich verletzt

Neun Monate wollten Hardy S. und seine Frau Petra aus Konstanz Südafrika mit dem Wohnmobil bereisen. Bereits nach zwei Wochen nahm die Safari in Namibia ein dramatisches Ende: Der 61-Jährige wird nach dem Öffnen eines Fensters von einem Leoparden angegriffen und lebensbedrohlich verletzt. Seit etwa fünf Wochen befinden sich die Namibia-Urlauber nun wieder in Deutschland. In einem Interview mit RTL-"Extra" erzählt das Paar von den schrecklichen Szenen.

"Einer der schlimmsten Momente war eigentlich, wo die Luft immer weniger wurde und ich gerufen habe: 'Petra, ich glaub', jetzt muss ich sterben, ich kann nicht mehr, mir fehlt die Luft'", erinnert sich der 61-Jährige. "Zum Glück hat meine Frau das nicht gehört. Meine Stimme war einfach schon zu schwach." Seine Frau habe "Todesangst um ihn" gehabt. "Ich hab gedacht, das überlebt er nicht", resümiert seine Frau die Raubtier-Attacke.  

Leopard versuchte Hardy S. aus Fenster zu zerren

Im eigenen Wohnmobil wollten Hardy S. und seine Frau ab April dieses Jahres durch Südafrika reisen. Neun Monate wollte das Paar aus Konstanz unterwegs sein, nach zwei Wochen kommt es in Namibia zu der Attacke: Als Hardy S. gegen ein Uhr Nachts ein Kratzen am Wohnwagen hört, geht er zunächst von einem Überfall aus. Der 61-Jährige öffnet das große Küchenfenster des Wohnwagens, um nachzusehen - und wird von einem Leoparden attackiert. Das Raubtier sei Hardy S. "frontal ins Gesicht" gesprungen, berichtet er im "Extra"-Interview, und habe minutenlang nicht von ihm abgelassen.

"Petra, ich glaub', jetzt muss ich sterben": Namibia-Urlauber spricht über Leoparden-Attacke

Der Leopard versuchte Hardy S., 61, durch das Küchenfenster im Wohnmobil herauszuzerren

Seine Frau hörte zunächst ein "komisches Röcheln" ihres Mannes, der seltsam am Fenster verharrte - und später ein Schreien: "Petra, Petra, der will mich rausziehen!", habe Hardy S. gerufen. Das Raubtier biss sich im Kopf des 61-Jährigen fest, riss ihm mit seinen scharfen Krallen die Kopfhaut ab. Drei bis vier Minuten lang habe das Tier versucht, ihn aus dem Küchenfenster zu zerren. "Mein Glück im Nachhinein war, dass er keinen Halt gefunden hat, um den finalen Halsbiss anzusetzen", sagt Hardy S.. 

"Ich habe gesehen, dass hinten praktisch ganze Lappen vom Kopf runterhingen, das Ohr hing weg"

Frau Petra ließ ebenfalls nicht locker und versuchte, ihren Mann an den Beinen zurück in das Wohnmobil zu ziehen. Vergeblich: Das Raubtier ließ von dem 61-Jährigen nicht ab. Erst, als Hardy S. dem Tier "instinktiv ganz fest in seine Augen reingedrückt" habe, gab der Leopard auf. 

Zunächst. "Bestimmt zwei, drei Stunden war der Leopard auf dem Dach. Hat geschabt und immer so gepoltert", erinnert sich Frau Petra, "der hat wahrscheinlich das Blut gerochen und wollte halt mehr." Währenddessen versuchte die Arzthelferin die enormen Wunden ihres Mannes zu versorgen. "Ich habe gesehen, dass hinten praktisch ganze Lappen vom Kopf runterhingen, das Ohr hing weg", erzählt sie.

"Petra, ich glaub', jetzt muss ich sterben": Namibia-Urlauber spricht über Leoparden-Attacke

Hardy S., 61, und seine Frau Petra vor ihrem Wohnmobil in Namibia

"Und er war ganz zerkratzt und zerbissen an den Armen. Und an der Kehle hat er ziemlich stark beblutet." Da sie in einer Notfallpraxis gearbeitet habe, "konnte ich mir sowas anschauen", sagt sie. "Aber es war schon gruselig. Ich habe Todesangst gehabt wegen ihm. Ich habe gedacht, das überlebt er nicht." In der Tat: Die Zeit lief eher gegen Hardy S., der stark blutend im Wohnmobil saß - bei rund 40 Grad. Das Fenster zu öffnen, um frische Luft hereinzulassen, war keine Option. Der Leopard lauerte noch immer vor dem Wohnwagen. Mit dem Wohnmobil in die nächstgelegene Stadt zu fahren, war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls undenkbar, musste Petra doch die Wunden ihres Mannes versorgen. Die einzige Hoffnung: Dass Hardy und Petra gefunden werden.

Glück im Unglück

Das Paar hat (erneut) Glück im Unglück: Am nächsten Morgen, gegen sechs Uhr, wird ein Mann auf das Wohnmobil aufmerksam. Der Tour-Guide kommt in der Regel nur zwei Mal im Monat an dem Ort vorbei. Und er spricht deutsch. Der Mann setzt sich ans Steuer des Wagens, rast in Richtung der nächstgelegenen Stadt. Parallel ist schon ein Rettungswagen auf dem Weg, die Fahrzeuge treffen sich später auf halbem Weg - die Zeit rennt. Hardy S. wird schließlich in das Welwitschia Hospital in Walfischbucht eingewiesen, wo die Ärzte in einer siebenstündigen Operation um das Leben des 61-Jährigen kämpfen. Eine Woche lang liegt Hardy S. in dem Hospital, weitere Operationen folgen. Doch er ist über den Berg.

Rund fünf Wochen später konnte das Paar wieder nach Deutschland zurückkehren, wo Hardy S. unter anderem wegen akuter Infektionsgefahr weiter behandelt werden muss. "Eine solche Situation ist absolut lebensgefährlich", so der behandelnde Arzt, Prof. Dr. Dr. Frank Palm, zu "Extra". "Er hat ganz viel Glück gehabt, dass er mit dem Leben davon gekommen ist und dass auch seine Frau so gut geholfen hat."

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fs