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Verheerendes Tanklaster-Unglück Als eine Explosion die Campingplatz-Idylle in der spanischen Provinz Tarragona zerstörte

Blick über den verwüsteten Campingplatz an der Costa Daurada.
Blick über den verwüsteten Campingplatz Los Alfaques bei Tarragona an der Costa Daurada. 215 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben, mehr als 60 wurden schwer verletzt.
© AFP/ / Picture Alliance
Am 11. Juli 1978 explodiert auf einem bei deutschen Urlaubern sehr beliebten Campingplatz in der spanischen Provinz Tarragona ein mit Flüssiggas beladener Tanklaster. 215 Menschen sterben, 64 werden schwer verletzt.

Der 11. Juli 1978 ist ein heißer Tag. Auf dem Campingplatz Los Alfaques tummeln sich wie jeden Tag viele Urlauber. Besonders bei Deutschen ist der Campingplatz bei Tarragona an der spanischen Costa Daurada sehr beliebt. Der Platz ist nur 50 Meter breit und liegt nahe der Ortschaft Sant Carles de la Ràpita, eingebettet zwischen Strand und der vielbefahrenen Nationalstraße 340.

Hier fährt an diesem Dienstag auch ein mit Flüssiggas beladener Tanklaster entlang. Er hat 43.000 Liter Propylengas an Bord – 4000 Liter mehr als zulässig. Die soll er nach Puertollano bringen. Doch dort kommt er nie an.

Tanklaster explodiert auf Campingplatz

Um 14.35 Uhr gerät der Lkw auf Höhe des Campingplatzes außer Kontrolle, durchbricht eine Mauer und rast auf das Gelände. Dort kommt es dann zu einer verheerenden Explosion.

Auf dem Campingplatz "Los Alfaques" an der spanischen Mittelmeerküste ereignete sich ein schweres Explosionsunglück
Der zerstörte Campingplatz Los Alfaques
© AFP/ / Picture Alliance

Spätere Recherchen ergeben, dass beim Befüllen ein füllungsfreier Raum nicht eingehalten wird. Somit hat das Gas keine Möglichkeit, sich auszudehnen. Durch die Sommerhitze wird der aus einem sprödbruchempfindlichen Stahl hergestellte Tank auseinandergedrückt und das Gas freigesetzt, welches sich sofort über den Campingplatz verteilt und sich an den zahlreichen Gaskochern entzündet.

Bundesluftwaffe, ADAC und Rotes Kreuz schicken Ärzte und Medikamente

In einer RTL-Dokumentation berichten Augenzeugen, wie binnen Sekunden alles in Flammen stand. "Der ganze Himmel war eine Flammenhölle", erinnert sich eine Frau. Der Feuerregen, wie ihn Überlebende später nennen, ist 1500 Grad heiß. Viele ziehen sich schwerste Verbrennungen zu oder werden von der Druckwelle ins Meer geschleudert. Das Unglück lässt überdies die Butangasflaschen der Wohnwagen explodieren und löst damit weitere Verheerungen aus. "Es liefen Leute umher, die total verbrannt waren und unter Schock standen", berichtet ein Mann. "Es war wie in einem Horrorfilm".

Blick über den verwüsteten Campingplatz an der Costa Daurada
Die heftige Explosion zerstörte zwei Drittel des Campingplatzes
© AFP/ / Picture Alliance

Rettungskräfte sind nicht sofort zur Stelle. Viele Einheimische eilen mit Verbandszeug und Bettlaken zu Hilfe. Jeder der noch ein funktionierendes Auto hat bringt Verletzte in umliegende Krankenhäuser, die mit dem plötzlichen Ansturm überfordert sind. Aus Deutschland schicken die Bundesluftwaffe, der ADAC und das Rote Kreuz Ärzte und Medikamente nach Spanien. 

Zwei Drittel des Campingplatzes Los Alfaques werden zerstört

Zwei Drittel des Campingplatzes sind komplett zerstört. 215 Menschen sterben, 64 werden schwer verletzt. Unter den Todesopfern sind 80 Franzosen, 45 Spanier, 38 Belgier, 33 Deutsche, neun Niederländer und fünf Schweizer. Viele der Opfer sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Vier Tage dauert die Untersuchung durch die Rechtsmedizin. Am Ende können alle Opfer identifiziert werden.

Vier Jahre später werden in einem Prozess zwei Angeklagte wegen Fahrlässigkeit zu je einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt: Der Direktor und der Sicherheitschef eines staatlichen Chemiewerks, welches das Propangas hergestellt hatte und für die Überfüllung des Tanklastwagens verantwortlich gemacht wird. Die anderen vier Beschuldigten, darunter zwei leitende Angestellte der zuständigen Spedition, werden freigesprochen. Für die Verletzten und die Angehörigen der Todesopfer hat das Urteil kaum noch Auswirkungen. Sie wurden nach einer außergerichtlichen Einigung mit 1,1 Milliarden Pesetas (damals rund 25 Millionen Mark) abgefunden.

Risiko Zapfsäule: Autofahrer vergisst beim Tanken Zapfpistole im Wagen

Sehen Sie im Video: Ein unachtsamer Autofahrer hat beim Tanken in Paraná in Brasilien beinahe eine Katastrophe ausgelöst. Weil die Zapfpistole beim Losfahren noch in seinem Auto steckt, bricht ein Feuer an der Tankstelle aus.

Quellen:  RTL, DPA

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hatte sich ein Zahlendreher eingeschlichen und es war versehentlich das Jahr 1987 angegeben. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.


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