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Loveparade-Unglück: Sauerlands zweitklassige Entschuldigung

Schwere Vorwürfe der Duisburger Staatsanwaltschaft: Demnach hätte die Loveparade nicht genehmigt werden dürfen. Oberbürgermeister Sauerland hat sich zwar entschuldigt, räumt jedoch keine Fehler ein.

Die Loveparade in Duisburg, bei der vor einem Jahr 21 Menschen ums Leben kamen, hätte so nicht genehmigt werden dürfen. "Die Erteilung der Genehmigung erfolgte rechtswidrig", heißt es in einem Bericht der Staatsanwaltschaft an die vorgesetzten Behörden vom Januar. Der zuständige Duisburger Staatsanwalt Rolf Haferkamp bestätigte einen entsprechenden Artikel der "Rheinischen Post" vom Montag.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Als Beschuldigte gelten derzeit 16 Menschen, darunter 11 städtische Mitarbeiter. Ihnen wird laut Bericht vorgeworfen, das Konzept des Veranstalters trotz Mängeln ohne die nötigen kritischen Prüfungen übernommen zu haben. Haferkamp sagte, zu den Beschuldigten zähle auch ein leitender Polizeibeamter wegen seines Verhaltens bei der Loveparade am 24. Juli 2010.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden wegen der enormen Menge an Daten und mehr als 3000 Zeugen noch einige Monate in Anspruch nehmen, erklärte Haferkamp. Bis zum Abschluss der Ermittlungen und der Entscheidung über eine mögliche Anklageerhebung werde es daher voraussichtlich ebenfalls noch Monate dauern.

OB Sauerland entschuldigt sich

Oberbürgermeister Sauerland übernahm derweil in einer öffentlichen Erklärung vor dem Rat der Stadt Duisburg die "moralische Verantwortung" für die Katastrophe. Es sei ihm ein Bedürfnis, "mich bei allen Hinterbliebenen und Geschädigten zu entschuldigen", sagte Sauerland. "Duisburg verneigt sich in Trauer vor den 21 jungen Menschen, die vor einem Jahr ihr Leben verloren haben." In der letzten Ratssitzung vor dem Jahrestag der Katastrophe gedachten die Ratsmitglieder mit einer Schweigeminute der Opfer. Sauerland war nach dem Unglück unter anderem in die Kritik geraten, weil er sich nicht entschuldigt hatte. In Duisburg sammeln Bürger derzeit Unterschriften für seine Abwahl.

Der Oberbürgermeister stellte sich trotz des Zwischenberichts der Staatsanwaltschaft hinter die Stadtverwaltung. "Ich habe keinerlei Hinweise, dass das Verwaltungshandeln in Duisburg falsch war", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe). Darüber würden am Ende die Gerichte entscheiden. "Solange das nicht gerichtlich geklärt ist, haben meine Mitarbeiter für mich nichts falsch gemacht", sagte Sauerland. Es gelte die Unschuldsvermutung. Er verwies zudem auf ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten, das die Kommune entlastete.

mad/mai/DPA/AFP / DPA