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Ludwigshafen: Ermittler schließen Brandstiftung aus

Die Brandkatastrophe von Ludwigshafen, bei der neun Menschen ums Leben kamen, wurde nicht durch Brandstiftung ausgelöst. Die Ermittler bezeichneten ein vorsätzlich gelegtes Feuer als "äußerst unwahrscheinlich". Ein technischer Defekt wird ausgeschlossen. Am wahrscheinlichsten sei, dass das Feuer durch fahrlässiges Verhalten entstanden sei.

Die Feuerkatastrophe von Ludwigshafen mit neun Toten ist nach Angaben der Ermittler mit hoher Sicherheit nicht auf einen Brandanschlag zurückzuführen. "Wir haben keinerlei Ansatzpunkt für eine fremdenfeindliche Attacke oder eine vorsätzliche Brandlegung", sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig in Ludwigshafen. So seien keine Spuren eines Brandbeschleunigers gefunden worden.

Der Brand sei sehr langsam ausgebrochen. Auch das spreche gegen einen Brandanschlag, bei dem die Täter gewöhnlich anders vorgingen. Auch die Ermittlungen in der rechtsextremen Szene hätten keine Hinweise gebracht. Nach Angaben der Polizei wurden bislang mehr als 200 Spuren ausgewertet.

Ein technischer Defekt an einer Leitung oder einem Endgerät scheide aus, weil es an der Entstehungsstelle des Brandes keine Leitungen gebe. Wahrscheinlich sei der Brand durch ein "wie auch immer geartetes fahrlässiges Verhalten entstanden".

Keine Anzeichen für Funkenflug

Die Ermittler hätten allerdings nicht herausfinden können, was am Ausbruchsort des Feuers im Keller gelagert worden sei. Anzeichen für Funkenflug seien nicht gefunden worden. "Wir haben ein offenes Feld an Möglichkeiten, wie sich ein Feuer entwickelt haben könnte, wir wissen es aber nicht." Durch die Flammen seien eventuell vorhandene Spuren verwischt worden. Liebig betonte, man sei noch nicht am Ende der Ermittlungen.

Auch der Leiter der türkischen Ermittlergruppe, die von der Regierung in Ankara nach Ludwigshafen geschickt worden war, Mehmet Tüzel, sagte, es gebe keinen Hinweis auf einen Anschlag. Allerdings schränkte er ein, ein Anschlag könne nach wie vor "nicht gänzlich" ausgeschlossen werden. Die türkischen Ermittler sollen in den nächsten Tagen in ihr Heimatland zurückkehren.

Die Ermittlungen gehen weiter

Zu der Aussage von zwei acht und neun Jahre alten Mädchen, die zunächst behauptet hatten, einen Mann beim Zündeln beobachtet zu haben, dies aber später widerrufen hatten, sagte Liebig: "Die zweite Aussage der Mädchen ist glaubhaft und gut nachzuvollziehen." Die Mädchen, die ja selbst Teil der Katastrophe gewesen seien, hätten für sich eine Erklärung gebraucht und deshalb von einem vermeintlichen Täter berichtet.

Der Oberstaatsanwalt appellierte an die Ludwigshafener Bevölkerung, den Ermittlern unter die Arme zu greifen: "Wenn es noch irgendwo Informationen gibt, die zur Brandaufklärung geeignet sein könnten, ist meine dringende Bitte, diese zur Verfügung zu stellen. Wir appellieren an alle, die vielleicht doch etwas wissen, aber ihr Wissen bisher für sich behalten haben."

Bei dem Feuer waren am 3. Februar neun Menschen ums Leben gekommen, 60 weitere wurden verletzt. Die Katastrophe hatte großen politischen Wirbel ausgelöst. Führende türkische Politiker brachten das Feuer mit dem Brandanschlag von Solingen in Verbindung. Türkische Zeitungen empörten sich darüber, dass die Feuerwehr zu spät zur Stelle gewesen sei. Dies konnten die Behörden in Ludwigshafen widerlegen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machte bei seinem Deutschlandbesuch in Ludwigshafen Station und rief seine Landsleute zur Mäßigung auf.

AP/DPA / AP / DPA