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Mont Blanc: Lawine reißt vier Deutsche in den Tod

Unter den acht toten Bergsteigern, die in den französischen Alpen ums Leben kamen, sind auch vier Deutsche. Die Kletterer waren 1000 Meter in die Tiefe gestürzt, nachdem sie eine Lawine unter sich begraben hatte. Ihre Leichen werden möglicherweise nie geborgen.

Das Drama vom Mont Blanc hat auch vier deutsche Bergsteiger das Leben gekostet, darunter eine Frau. Acht Menschen waren am frühen Sonntagmorgen bei der Besteigung des höchsten Berges in Westeuropa 1000 Meter in den Tod gestürzt. Erst am Montag konnten die Behörden die Nationalität der noch vermissten Opfer feststellen. "Es handelte sich um vier Deutsche, drei Schweizer und einen österreichischen Bergführer", sagte eine Polizeisprecherin der AP. Zunächst waren die Rettungskräfte von fünf österreichischen Verunglückten ausgegangen.

Die Deutschen waren mit einem österreichischen Bergführer unterwegs, der ebenfalls tödlich verunglückte. Bei welchem Veranstalter die Gruppe die Tour gebucht hatte und näheres über ihre Identität gaben die Behörden nicht bekannt. Aus einem Hubschrauber konnten die Bergungskräfte sieben der acht Opfer am Montag lokalisieren, teilte die Gendarmerie am Abend auf einer Pressekonferenz mit. Es wurden Signale aus den Lawinenwarnsystemen empfangen, die die Bergsteiger bei sich trugen.

Die Toten werden vielleicht nie gefunden

Allerdings liegen die Toten unter einer 20- bis 50 Meter dicken Eisschicht, teilte Gendarmerie-Sprecher Régis Lavergne mit. An eine Bergung sei derzeit nicht zu denken. "Die Opfer liegen in einer Zone, auf die permanent Eisplatten stürzen. Es kommt nicht in Frage, Bergungskräfte dort abzusetzen", sagte Lavergne. Die Schneeschmelze und Bewegungen des Gletschers könnten die Toten in einigen Wochen, möglicherweise auch erst in einigen Jahren oder gar nicht zu Tage fördern. "Wir haben für den Moment die Hoffnung aufgegeben."

Die schwerste Tragödie in den Alpen in diesem Jahr ereignete sich gegen drei Uhr am Sonntagmorgen, neben den Toten wurden acht Bergsteiger verletzt. Ein 200 Meter breites Eisbrett brach in 3600 Metern Höhe am Mont Blanc du Tacul ab und stürzte auf einen für den Gipfelaufstieg oft benutzten Steig. Zur Unglückszeit befanden sich auf dem Pfad 47 Bergsteiger. Es wurde sofort eine umfangreiche Suchaktion gestartet, an der mehrere Dutzend Einsatzkräfte, Ärzte, Spürhunde und vier Hubschrauber mitwirkten. Vergeblich: Die Einsatzkräfte fanden nur zwei Rucksäcke, einen Schuh und ein Lawinenalarmgerät.

Den Alpinisten ist nach Einschätzung des bekannten österreichischen Bergsteigers Peter Habeler kein Leichtsinn vorzuwerfen. Es habe sich um ein "schicksalhaftes" Ereignis gehandelt, sagte er. Die von den Männern gewählte Route sei zwar sehr lang, zähle auf jeden Fall zu den leichteren Aufstiegsmöglichkeiten.

1000 Meter in die Tiefe gerissen

"Pro Tag gehen diesen Weg 50 bis 60 Leute, im Winter sogar mit Ski", sagte Habeler. Dass sich genau in dem Moment, wo der Eisblock abbrach, so viele Menschen an dem Punkt befanden, sei ein "ganz blöder Zufall" gewesen. Solche Ereignisse ließen sich nicht vermeiden. "Wenn ich heute die Wahl hätte, würde ich auch genau die gleiche Route wählen." Polizeisprecher Regis Lavergne sagte dem Fernsehsender TF1, es werde vermutet, dass die vermissten Bergsteiger 1000 bis 1500 Meter in die Tiefe gerissen worden seien." "Der Führer rief: 'Lauft schnell! Lauft schnell!'", berichtete im Krankenhaus der 30-jährige Überlebende Nicolas Duquesne aus Nizza. "Wir hatten gerade noch Zeit, um nach rechts auszuweichen, bevor wir getroffen wurden. Wir hatten wirklich Glück." Duquesne sagte, das Gletschereis habe sich völlig lautlos gelöst.

Über den Mont Blanc du Tacul führt eine der Routen zum Mont Blanc, dem mit 4810 Meter höchsten Berg in Westeuropa. Erfahrene Bergsteiger können den Aufstieg zum Mont Blanc du Tacul in einem Tag bewältigen, bis zum Mont Blanc ist es dann noch mindestens ein weiterer Tag.

AP/AFP/DPA / AP / DPA
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