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Prozess-Auftakt : Der dreiste Münzraub von Berlin: "Big Maple Leaf" bleibt verschollen und die Angeklagten schweigen

Der Prozess hat begonnen. Vier Männer sollen vor zwei Jahren eine 100-Kilo-Münze aus dem Bode Museum gestohlen haben. Drei von ihnen sind Angehörige eines Berliner Verbrecher-Clans.

Ahmed R.

Der Angeklagte Ahmed R. soll mit zwei Verwandten im März 2017 die "Big Maple Leaf" gestohlen haben

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Die wagenradgroße Goldmünze "Big Maple Leaf" wird wohl nicht wieder auftauchen. Diebe hatten sie in der Nacht zum 27. März 2017 aus Berliner Bode Museum gestohlen. Die Täter waren mit Hilfe einer von einer Hochbahntrasse gelegten Leiter in das Gebäude gelangt und durch ein Fenster eingedrungen. Seitdem ist die 100-Kilogramm-Münze mit dem Bildnis von Königin Elizabeth II. verschwunden. Die Ermittler vermuten, dass die kanadische Sonderprägung zertrümmert, eingeschmolzen und das Gold veräußert wurde. Der Marktwert soll bei fast 3,75 Millionen Euro liegen.

Am Landgericht  Berlin müssen sich dafür nun vier Männer im Alter von 20 bis 24 Jahren verantworten. Die von der Staatsanwaltschaft verfasste Anklage wirft Wissam R., Ahmed R. und Wayci R. sowie ihrem angeblichen Tippgeber Denis W. gemeinschaftlichen Diebstahl vor. Alle Angeklagten schwiegen zum Prozess-Auftakt.  

Ein Wachmann soll Komplize gewesen sein

Die beiden Brüder (20 und 24 Jahre) sowie ihr Cousin (20) sollen in der März-Nacht über ein Fenster unbemerkt in das Museum eingestiegen sein. Das Trio soll dann eine Vitrine zertrümmert und das Goldstück mit Rollbrett und Schubkarre zu einem Fluchtauto geschafft haben. Der 20-jährige Wachmann soll die Örtlichkeiten ausgekundschaftet haben.

Ein Thema bei den Verhandlungen könnten auch mögliche Sicherheitsmängel im Bode Museum werden. Wie die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete, soll die Alarmanlage nicht funktioniert haben. Zudem soll die Museumsleitung nicht über Spuren eines vorangegangenen Einbruchsversuchs informiert haben.

Die Großfamilie soll auch Geld gewaschen haben

Das polizeibekannte Trio gehört einem Familienverband an, dessen Mitglieder immer wieder durch schwere Straftaten auffallen. Auf das Konto der Großfamilie R. soll auch ein Bankraub aus dem Jahr 2014 gehen. Damals erbeuteten die Täter 9,3 Millionen Euro, als sie sich den Weg zu den Schließfächern sprengten.

Die Beute blieb verschwunden. Behörden sehen aber Hinweise dafür, dass die Familie R. das Geld durch Haus- und Wohnungskäufe gewaschen haben könnte. Im vergangenen Sommer beschlagnahmten die Ermittler 77 Immobilien.

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte im Vorfeld des Prozess ein stärkeres Vorgehen gegen Clan-Kriminalität. "Zweifelsfrei ist die Clan-Kriminalität in all ihren Facetten ein Paradebeispiel für völlig misslungene Integration", sagte BDK-Chef Sebastian Fiedler der Zeitung "Die Welt". "Es wird Jahre dauern und eines riesigen gesellschaftlichen Kraftaktes bedürfen, um diese Kriminalität ansatzweise in den Griff zu bekommen."

sos / AFP / DPA