HOME

Nach Messerattacke in Dresden: Debatte um Sicherheit an Gerichten entbrannt

Nach der tödlichen Messerattacke im Dresdner Landgericht ist eine Debatte über die Sicherheit an Gerichten in Gang gesetzt worden. Während der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Christoph Frank, stärkere Kontrollen fordert, spricht sich Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb dagegen aus. Über das Motiv der Tat gibt es neue Erkenntnisse.

Einen Tag nach der Bluttat im Dresdner Landgericht ist eine Debatte über die Sicherheit in Gerichten entbrannt. "Wir müssen konkret die Gerichtsgebäude und damit auch die Bürger, die diese Gerichtsgebäude betreten, schützen", sagte der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Christoph Frank, am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Auch Sachsens Strafverteidiger forderten Kontrollen in Gerichten. Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD) und der Chef des Bundesverbandes ehrenamtlicher Richter sprachen sich gegen schärfere Kontrollen aus. In dem Dresdner Gerichtsgebäude gab es am Tag danach aus Angst vor Trittbrettfahrern eine Einlasskontrolle am Eingang.

Nach Angaben von Sachsens Polizeipräsident Bernd Merbitz wird unter anderem ein ausländerfeindlicher Hintergrund der Tat geprüft. "Es gibt Anzeichen dafür", sagte er bei einer Veranstaltung in Dresden. Ein aus Russland stammender Angeklagte hatte bei einer Berufungsverhandlung plötzlich eine 32 Jahre alte Zeugin mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt. Der 28 Jahre alte Täter konnte von Bundespolizisten überwältigt und festgenommen werden. Nach bisher unbestätigten Medienberichten soll die junge Mutter aus Ägypten stammen und den Mann angezeigt haben.

Inzwischen ist gegen den Täter Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden. Die Staatsanwaltschaft Dresden teilte am Donnerstag mit, der Mann habe mindestens 18 Mal auf sein Opfer eingestochen. Der bislang nicht vorbestrafte Deutschrusse habe sich zu der Tat bislang nicht geäußert. Der 32-jährige Ehemann der Getöteten sei durch Messerstiche ebenfalls lebensgefährlich verletzt worden. Sein Zustand sei kritisch.

Einem Bericht der "Welt" zufolge spielte sich die grausige Tat auch vor den Augen ihres Kleinkindes ab, das sie zur Verhandlung mitgenommen hatte. Der Angeklagte war Ende 2008 vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 780 Euro verurteilt worden, weil er im Streit auf einem Spielplatz eine Frau mit Kopftuch beschimpft hatte. Nach Angaben eines Sprechers im sächsischen Innenministerium stammt die Frau aus einem arabischen Land. Polizeipräsident Merbitz hatte gesagt, die Frau sei "islamistischer Abstammung".

DPA / DPA