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Angeblicher Sensationsfund: Nazi-Zug löst Goldrausch in Polen aus

Die einen suchen, die andern freuen sich: Die neuen Hinweise auf den Goldzug der Nazis bescheren Walbrzych bei Breslau einen Ansturm von Schatzsuchern. Schon werden T-Shirts gedruckt. Man freut sich über den "Loch-Ness-Effekt".

Die Händ eines Mannes zeigen auf einer Karte den möglichen Standort eines Nazizuges

Hier könnte er sein: Auf einer Karte zeigt ein regionaler Forscher, wo der Nazi-Zug mit dem legendären Goldschatz womöglich sein könnte. 

An der hohen Böschung neben der Eisenbahnlinie von nach Walbrzych, dem früheren Waldenburg, ist eine Stelle etwas eingesunken. "Dort ist es, dort war der Eingang zum Tunnel und dort ist der Zug versteckt!" bemüht sich gar nicht, seine Aufregung zu verbergen. Der einstige Schatzsucher und heutige Touristenführer war schon vor 15 Jahren auf der Suche nach dem sagenumwobenen Nazi-Zug voller Gold, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in der Nähe von Walbrzych in Polen verschwunden sein soll. Jetzt soll der Zug tatsächlich gefunden worden sein.


Seit die polnischen Behörden den Fund eines gepanzerten Zuges aus der Nazi-Zeit als offiziell bestätigt gemeldet haben, pilgern zahllose und Neugierige zu Kilometer 65 an der Bahnstrecke Breslau-Walbrzych in Niederschlesien.

Die rund 70 Kilometer lange Strecke zwischen Breslau und dem früheren Waldenburg.

Die rund 70 Kilometer lange Strecke zwischen Breslau und dem früheren Waldenburg.


Es sei sich "zu 99 Prozent sicher", nachdem er den Zug auf Geo-Radarbildern gesehen habe, verkündete Polens Vize-Kulturminister Piotr Zuchowski. Allerdings ist der geheimnisvolle Zug, dessen Fracht bisher niemand kennt, in einem Tunnel unter der Erde verschüttet und noch nicht ausgegraben worden.

T-Shirts mit Goldzug-Schriftzug

Egal, was in dem Zug ist, die Gegend - und insbesondere das stattliche Schloss Fürstenstein - profitieren derzeit gewaltig von den internationalen Schlagzeilen. Es sei "wie ein Loch-Ness-Effekt", sagt der Vorsitzende der Schlossgesellschaft, Krzysztof Urbanski. "Niemand hat das Monster gesehen, aber es zieht die Leute an." Als guter Geschäftsführer vermarktet er den Goldrausch schon einmal: Ab nächster Woche können Touristen dort "Goldzug"-T-Shirts kaufen.

Ob in dem Zug tatsächlich Gold ist, weiß bisher kein Mensch. Es gibt aber ein paar Hinweise, die aufhorchen und die Herzen von Schatzsuchern höher schlagen lassen. Vize-Kulturminister Zuchowski, der zugleich oberster Denkmalkonservator Polens ist, geht wegen der Panzerung des Zuges davon aus, "dass es in seinem Inneren Objekte von Wert geben kann". Das könnten "Kostbarkeiten, Kunstwerke, Archive sein".

Experten schließen Sensationsfund nicht aus

Auch Geschichtsexpertin Joanna Lamparska, die mehrere Bücher über die historischen Geheimnisse Niederschlesiens geschrieben hat, schließt eine wertvolle Fracht nicht aus. Die beiden Entdecker des über hundert Meter langen Zuges - ein Deutscher und ein Pole - hätten den Behörden mitgeteilt, die Fracht umfasse "Edelmetalle, Wertgegenstände und Industriematerialien".

Weil die Behörden und die Entdecker den genauen Fundort geheim halten, machen sich manche nun auf eigene Faust auf die Suche. Nicht nur Schatzsucher strömen in die Gegend südwestlich von Breslau, auch Fernsehteams und Zeitungsjournalisten reisen an. "Hätte ich mir je träumen lassen, CNN bei uns zu empfangen? Sie kommen nächste Woche", freut sich Urbanski in Schloss Fürstenstein (polnisch Ksiaz).

Codename "Riese"

Unter dem Schloss liegt ein Netz unterirdischer Tunnel, die einst Hitler und seinen Helfern als Unterschlupf dienen sollten. In der ganzen Gegend hatten die Nazis unter dem Codenamen "Riese" zudem unterirdische Stollen bauen lassen, in denen Waffen hergestellt werden sollten.
Der langjährige Schatzsucher ist sich sicher, dass es eine geheime Weiche der Nazis an der Bahnstrecke Breslau-Walbrzych gab, durch die Züge in das Tunnelsystem geleitet werden konnten. Er zeigt auf die hohe Böschung neben dem Gleis: "Es gibt eine große in der Böschung versteckte Spalte im Fels. Sie ist voller verschiedener Steine - bestimmt von den Deutschen herangeschafft, um den Eingang zum Tunnel zu verbergen." Tatsächlich ist dort die Vegetation auf etwa 15 Metern Breite auffällig anders.
Die meisten Neugierigen an der Stelle machen Späße über die "Goldbarren", die dort liegen sollen. Ein in der Nähe lebendes junges Paar aber ist ernstlich besorgt: Sollte der Zug vermint sein, wie polnische Behörden gewarnt haben, dann fürchten sie im Falle einer Explosion um ihr Haus.

dho/Miche Viatteau/AFP