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Neiße-Hochwasser auf Rekordhöhe: Noch keine Entspannung im Dreiländereck

Die Situation im Hochwassergebiet in Ostsachsen ist weiter kritisch. Die Lage im Dreiländereck zu Polen und Tschechien sei nach wie vor angespannt, sagte Polizeisprecher Uwe Horbaschk am Sonntagfrüh der Nachrichtenagentur DAPD. "Eine Entwarnung ist noch nicht in Sicht."

Hochwasserrekord in Görlitz: Der Wasserstand der Neiße in Görlitz soll am Sonntag noch bis auf etwa 7,20 Meter steigen und dann zurückgehen. Nach Angaben des sächsischen Hochwasserzentrums lag der Pegelstand am Morgen bei 7,07 Meter - das ist der höchste Wert seit Beginn der Messungen im Jahr 1912. Normal ist in Görlitz ein Mittelwert von 1,70 Metern. "Von einer Entspannung würde ich momentan noch nicht sprechen, aber am Nachmittag wird der Wasserstand langsam sinken", sagte der Hydrologe Uwe Büttner. Letztmals war die Neiße im Jahr 1981 so stark angestiegen. Damals war am Pegel ein Wert von 6,78 Meter erreicht worden.

Mindestens vier Menschen kamen bislang durch Hochwasser ums Leben. Im Erzgebirge ertranken drei Menschen im Keller ihres Hauses, in Polen wurde ein Mensch von den Fluten mitgerissen. In Teilen des Landkreises Görlitz und der Sächsischen Schweiz war bereits am Samstag Katastrophenalarm ausgerufen worden.

Entlang der Neiße, aber auch im Gebirge mussten Hunderte ihre Häuser verlassen. Allein in Zittau waren etwa 800 Menschen teilweise mit Schlauchbooten in Sicherheit gebracht worden. Die genaue Zahl der Betroffenen war am Morgen noch unklar, zumal die Evakuierungen flussaufwärts Richtung Brandenburg weitergingen. So musste in Rothenburg im Landkreis Görlitz eine Einrichtung geräumt werden, in der etwa 280 behinderte Menschen leben. Sie kamen in einer Polizeischule unter.

In Sachsen wurden Erinnerungen an das Jahrhunderthochwasser im August 2002 wach: Auch damals waren nach heftigen Regengüssen zunächst Bergflüsse über die Ufer getreten, dann große Wasserläufe bis hin zur Elbe. 21 Menschen starben damals, die Schäden gingen in die Milliarden.

Am Samstag hatte das Tief "Viola" auf dem Weg gen Osten unter anderem im Erzgebirgsort Neukirchen gewütet. Dort ertranken eine 72- Jährige, ihr 74-jähriger Ehemann und ein 63-jähriger Nachbar, als sie versuchten, Waschmaschinen vor den Fluten aus dem Keller ihres Hauses zu retten.

Wegen Hochwassers an der Elbe wurde der Zugverkehr zwischen Sachsen und Tschechien unterbrochen. In Polen wurde die Stadt Bogatynia an der Grenze zu Sachsen fast vollständig überflutet. Ein Mensch sei dabei ums Leben gekommen, sagte der Sprecher der polnischen Feuerwehr, Pawel Fratczak, der Nachrichtenagentur PAP.

Auf Wunsch der Regierung in Prag schickte das Deutsche Rote Kreuz vier seiner Luftretter mit Hubschraubern der Bundespolizei nach Tschechien. Viele Menschen warteten auch dort auf den Dächern ihrer Häuser auf Rettung, teilte die Hilfsorganisation mit.

APN/DPA / DPA
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