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Salt Lake City Weil er den Menschen helfen will – Mann richtet Obdachlosencamp im eigenen Vorgarten ein


"Lasst uns keine Angst vor Obdachlosen haben, lasst uns mitfühlend und tatkräftig sein, eine Lösung für sie zu finden", sagt Darin Mann aus Salt Lake City. Kurzerhand öffnet er seinen Garten für Wohnungslose – doch wie lange kann er ihnen noch helfen?

Darin Mann ist jemand, der die Ärmel hochkrempelt, ein "Problemlöser". Manch einer würde ihn vielleicht als rastlos bezeichnen. Unter anderem betreibt der 31-Jährige aus Salt Lake City, der Hauptstadt des US-Bundesstaats Utah, über seine gemeinnützige Organisation "The Village Cooperative" eine Art Nachbarschaftsfarm. Rund 20 Kisten mit Obst und Gemüse aus dem gemeinsamen Anbau verkauft sie wöchentlich an Bewohnerinnen und Bewohner seines Stadtteils Fairpark, nicht unbedingt der Wohnort der reichen Bevölkerung. Mit dem Erlös finanziert die Anbau-Kooperative wiederum Hilfe für Menschen in Not.

Ein Platz zum Leben für Obdachlose, nicht bloß zum Überleben

Menschen in Not zu helfen – darum geht es Mann auch bei seinem jüngsten Projekt. Als "Vorreiter" sieht er sich damit, wie er der Zeitung "The Salt Lake Tribune" erzählt. "Ich kenne keinen Fall, in dem Menschen ihr Zuhause für ein Obdachlosenlager geöffnet haben." Genau das tut er: Inzwischen stehen auf seinem Eckgrundstück nicht nur Manns Wohnhaus, ein paar Bäume und Sträucher, sondern auch rund ein Dutzend Zelte, dazu Grills und Campingstühle. Der 31-Jährige hat seinen Vorgarten kurzerhand für Obdachlose geöffnet, bis zu 15 Männer und Frauen finden dort einen Platz zum Leben, nicht nur zum Überleben. Die Menschen können das private Badezimmer Manns nutzen, sie bekommen Medikamente und Lebensmittel.

Ihn hätten das Elend in der 200.000-Einwohner-Stadt und die Untätigkeit der Verwaltung bei dessen Bekämpfung schon länger gestört, berichtet Mann. Schätzungen zufolge leben dort mindestens 400 Menschen auf der Straße, durch die Coronakrise könnten es sogar deutlich mehr geworden ein. Den Entschluss, zumindest einigen Wohnungslosen einen Platz auf seinem Grundstück anzubieten, habe er im Januar gefasst, als die Stadt wieder einmal ein unerwünschtes Obdachlosencamp räumen ließ. "Jedes Mal, wenn die Menschen verdrängt werden, müssen sie wieder bei Null anfangen", erzählt Mann der Zeitungsreporterin. Diesen Teufelskreis wolle er mit seinem Projekt durchbrechen. Es sei ein Vorurteil, dass die Menschen nur Almosen nehmen wollen, ist er überzeugt. "Sie sind sehr belastbar, helfen gerne im Garten und sind respektvoll."

Am 14. Januar eröffnete er den Rückzugsraum auf seinem Privatgrundstück. Er solle ein sicherer Ort sein. Einer, an dem die Wohnungslosen Ruhe finden und wieder auf die Beine kommen können. An dem sie keine Angst vor dem Diebstahl ihrer Habseligkeiten oder vor Verdrängung haben müssen.

Ein Konzept, das offenbar aufgeht. Frederick Hidalgo ist einer der Menschen, die auf Manns Grundstück ihr Zelt aufgestellt haben. Er sei seit sieben Jahren obdachlos und fühle sich bereits "wie in einem Zuhause", sagt er der "Salt Lake Tribune". "Hier ist Frieden. Ich liebe es." Andere Wohnungslose pflichten ihm bei. "Das ist ein Akt des Mitgefühls", sagt ein anderer Mann. Es sei ein sicherer und ruhiger Ort.

Neben der "Salt Lake Tribune" berichten inzwischen auch mehrere Radio- und Fernsehstationen über das Projekt, unter anderem der Sender KSL News Radio:

In der Nachbarschaft stoße die Aktion auf ein geteiltes Echo, sagt Grundstücksbesitzer Darin Mann. Einige Nachbarn seien gekommen, um sich den Bewohnern des Camps vorzustellen oder ihnen Hilfe anzubieten, andere sind dagegen weniger begeistert. "Wir wollen das hier nicht. Wir zahlen Steuern und wir machen uns Sorgen wegen Drogen", habe ein Nachbar gesagt. Anwohner David Osokow sagt der Zeitungsreporterin: "Es ist ziemlich respektlos für andere Nachbarn, dass auf einmal Leute ihr Lager aufbauen und Feuer machen."

Salt Lake City droht mit "rechtlichen Schritten"

Der Gastgeber selbst hofft, mit einigen einfachen Regeln Problemen vorbeugen zu können. Dazu gehören: keine Gewalt, keine Drogen und klare Konsequenzen. "Ein Verstoß und sie müssen raus!"

Ob das private Obdachlosen-Camp länger bestehen bleiben kann, ist unklar: Nachdem die Behörden das Lager lange Zeit toleriert haben, soll Mann sein Grundstück in Kürze räumen. Anderenfalls würden "angemessene rechtliche Schritte eingeleitet werden", zitiert er aus einem Brief vom Amt. Zuletzt wurde die Frist um zwei Wochen verlängert.

Mann will mit den zuständigen Ämtern im Gespräch bleiben und alles dafür tun, dass es hygienisch bleibt und die Nachbarschaft so wenig wie möglich belastet wird. Und doch wünscht sich auch der Gastgeber, dass er das Camp in seinem Vorgarten so schnell wie möglich schließen kann. Indem er seinen neuen Mitbewohnern hilft, eine Arbeit und ein festes Dach über dem Kopf zu finden. Das ist das eigentliche Ziel von "Problemlöser" Darin Mann. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er: "Lasst uns keine Angst vor Obdachlosen haben, lasst uns mitfühlend und tatkräftig sein, eine Lösung für sie zu finden."

Quellen: "Salt Lake City Tribune", NBC, Darin Mann, "The Village Cooperarative"Fox, KSL News Radio

wue

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