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Ölpest: Obama will Verantwortlichen "in den Arsch treten"

Die Ölpest im Golf von Mexiko setzt auch Barack Obama mehr und mehr zu. Ein Großteil der Amerikaner kritisiert sein Krisenmanagement. Nun geht der US-Präsident rhetorisch in die Offensive und greift besonders BP-Chef Tony Hayward scharf an.

US-Präsident Barack Obama hat seiner Verärgerung über das Öldebakel im Golf von Mexiko mit drastischen Worten Luft gemacht. Er wolle wissen, wem er wegen des Desasters "in den Arsch treten" müsse, sagte Obama in einem Interview des Fernsehsenders NBC, das am Dienstag ausgestrahlt werden soll. Die Experten hätten darauf wohl die beste Antwort. "Aus diesem Grund reden wir mit diesen Leuten."

Obama steht in der Kritik, weil die Regierung nicht entschlossen genug auf die Umweltkatastrophe reagiert haben soll. Einer Umfrage der "Washington Post" und des Senders ABC zufolge sind 69 Prozent der Amerikaner der Meinung, dass die Regierung sich im Umgang mit der Ölpest "nicht so gut" oder gar "schlecht" geschlagen hat. Obama hat das Gebiet inzwischen drei Mal besucht.

Harsche Kritik an BP-Chef

Mit scharfen Worten kritisierte Obama den Chef des Ölkonzerns BP, Tony Hayward. In dem NBC-Interview, von dem Auszüge bereits am Montagabend gesendet wurden, wird er mit Aussagen Haywards konfrontiert. Dieser hatte gesagt, dass der Golf von Mexiko ein großer Ozean sei und dass "die Folgen des Unglücks für die Umwelt wahrscheinlich sehr, sehr mäßig sein werden". Obamas Antwort: "Für mich würde er nach solch einem Kommentar nicht mehr arbeiten."

Das Weiße Haus versucht, sich mehr und mehr von BP abzusetzen, denn der Konzern wird nicht nur für die Ölpest an sich, sondern auch die lange Zeit untertriebene Darstellung ihres Ausmaßes verantwortlich gemacht. Allein in dieser Woche muss der Konzern vor drei Ausschüssen des US-Kongresses seinen Umgang mit der Ölpest erläutern. BP gelingt es mittlerweile zwar, einen Teil des austretenden Öls abzusaugen. Ein kompletter Stopp dürfte jedoch frühestens im August gelingen, wenn zwei Entlastungsbohrungen abgeschlossen sind.

BP doktert weiter an Ölleck herum

Bis dahin doktert BP weiter an dem Ölleck in 1500 Meter Tiefe herum: Im Juli soll eine neue Abdeckung über der leckgeschlagenen Bohrleitung angebracht werden. Der geplante Trichter wird nach BP-Angaben etwas größer und passgenauer sein als der bisherige. Während der Arbeiten könnte allerdings bereits aufgefangenes Rohöl ins Meer gelangen. Der aktuell angebrachte Trichter nimmt nach Angaben der US-Küstenwache bis zu 1,7 Millionen Liter Öl täglich auf. Allerdings treten unterschiedlichen Schätzungen zufolge aus der beschädigten Bohrleitung jeden Tag zwischen 2,2 und 4,7 Millionen Liter ins Meer aus.

Am Montag hatten vor einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses Angehörige von Arbeitern ausgesagt, die bei der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April umgekommen waren. Sie forderten eine harte Bestrafung der Unternehmen, die die Sicherheitsstandards ignoriert hätten.

Reuters/APN / Reuters