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Pakistan bangt um Thatta: Südpakistanische Stadt scheint von den Fluten verschont zu bleiben

Die Stadt Thatta im Süden Pakistans wird vermutlich doch von der Flutkatastrophe verschont bleiben. Die Fluten des über die Ufer getretenen Indus hätten die Richtung geändert. Zudem sinke der Pegel wieder.

Die von den Überschwemmungen in Pakistan massiv bedrohte 300.000-Einwohner-Stadt Thatta im Süden des Landes wird womöglich doch von den Wassermassen verschont. Die Fluten des über die Ufer getretenen Flusses Indus hätten ihre Richtung geändert, sagte am Montag ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP. "Das Wasser fließt weg von den bewohnten Gebieten und der Pegel ist auch gesunken." Wegen der herannahenden Wassermassen waren nahezu alle 300.000 Einwohner am Wochenende aus Thatta geflohen. In der Region sind mehr als zwei Millionen Menschen obdachlos.

Thatta, von der Einwohnerzahl vergleichbar mit Bonn, liegt in der Provinz Sindh, die derzeit am schlimmsten von den Wassermassen bedroht ist. Durch die Überschwemmungen wurden in Sindh seit Anfang August sieben Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben. In den zunächst am stärksten betroffenen Regionen im Norden und Zentrum Pakistans ging das Wasser am Wochenende allmählich zurück, doch die heftigen Regenfälle der vergangenen Wochen ließen den Indus nahe seiner Mündung ins Arabische Meer im Süden extrem anschwellen. "Das Wasser ist noch etwa zwei Kilometer von Thatta entfernt", sagte Distriktvertreter Hadi Bakhsh Kalhoro AFP. Dort befänden sich Soldaten und Helfer im "Kriegszustand", um einen gebrochenen Damm zu reparieren und so das Wasser abzuhalten. Mit Barrieren versuchten sie zudem, die Autobahn, die Thatta mit Karachi verbindet, zu schützen.

Die Fluten erreichten in der Nacht zum Sonntag die Stadt Sujawal rund 33 Kilometer von Thatta entfernt. Auch dort hatten sich fast alle der 120.000 Einwohner in Sicherheit gebracht. Nach Angaben eines AFP-Korrespondenten wirkten sämtliche Städte in der Region wie ausgestorben. Nach Angaben des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) stehen 19 der 23 Bezirke Sindhs unter Wasser. An einigen Stellen schwoll der Indus auf das 40-fache seiner Masse an.

Oxfam warnte davor, den Wiederaufbau in den Hochwassergebieten hinauszuzögern. Pakistan könne es sich nicht leisten, erst das Ende der Überschwemmungen abzuwarten, erklärte die Organisation am Sonntag in London. "Einen Monat nach Beginn einer Krise würden wir erwarten, dass sich die Situation stabilisiert hat und die langfristigen Planungen begonnen haben", sagte die Pakistan-Direktorin Neva Khan. "Aber wir sind noch immer in Phase eins einer wachsenden Katastrophe."

Um eine langfristige Katastrophe zu vermeiden, müsse der Wiederaufbau parallel zur Soforthilfe unverzüglich beginnen, forderte Oxfam. Für den Bau von Schulen, Straße und Krankenhäusern seien Milliardenhilfen der internationalen Gemeinschaft erforderlich. Die Organisation warnte, dass viele Bauern die Anbauzeit für die Winterernte verpassen würden.

Die UNO äußerte sich besorgt über das Schicksal der Kinder. "Wenn wir nichts unternehmen, droht 72.000 Kindern, die in den Flutgebieten unter akuter Unterernährung leiden, der Tod", sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Pakistan, Martin Mogwanja. Pakistan erlebt derzeit die größte humanitäre Katastrophe seiner Geschichte. UN-Schätzungen zufolge sind 17 Millionen Menschen betroffen, rund 1600 starben in den Fluten. Etwa ein Fünftel des Territoriums wurde überschwemmt.

AFP / AFP