Schweres Erdbeben in China Helfer bergen immer mehr Tote


Die Lage im chinesischen Erdbebengebiet Qinghai ist dramatisch. Die Zahl der Toten und Verletzten steigt weiter an. Die Region am Rande des Riesenreiches liegt in Trümmern und wartet vergebens auf Hilfe.

Die vorläufige Bilanz des schweren Erdbebens, das am Mittwoch den Westen Chinas erschütterte, ist dramatisch: Fast 600 Menschen starben und mehr als 10.000 wurden verletzt. Und die Zahl der Opfer wird vermutlich steigen. Viele liegen noch unter den Trümmern ihrer eingestürzten Häuser begraben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das Beben ereignete sich in den frühen Morgenstunden in der abgelegenen Hochland-Provinz Qinghai an der Grenze zu Tibet und hatte laut US-Erdbebenwarte eine Stärke von 6,9.

Besonders betroffenen ist der Bezirk Yushu. Die Lage in der ländlichen Region, wo zumeist Hirten und Bauern in einfachen Hütten aus Lehm und Holz leben, wurde als chaotisch beschrieben. "Auf einen Schlag fielen die Häuser in sich zusammen. Es war ein furchtbares Beben", berichtete ein Augenzeuge. Allein in der Ortschaft Jiegu stürzten mehr als 80 Prozent der Häuser ein, wie Xinhua unter Berufung auf einen Regierungsbeamten vor Ort berichtete. "Auf den Straßen herrscht Panik, sie sind voller Verletzter, viele von ihnen bluten", ein Beamter zitiert. Beim Einsturz einer Berufsschule seien mehrere junge Leute verschüttet worden.

Retter graben mit Händen und Schaufeln

Im staatlichen Fernsehen war zu sehen, wie Militärpolizisten mit einfachen Schaufeln die Trümmer zu beseitigen versuchten. Bagger seien nicht verfügbar, sagte ein Militärsprecher dem staatlichen Fernsehsender CCTV. "Viele Menschen sind verschüttert, und unsere Soldaten versuchen, sie allein mit Muskelkraft zu befreien."

Allerdings würden die Rettungsarbeiten durch zerstörte und von Erdrutschen blockierte Straßen erschwert. Zudem ist das örtliche Telefonnetz zusammengebrochen, medizinisches Personal steht kaum zur Verfügung.

Inzwischen läuft die Erdbebenhilfe an, allerdings nur äußerst schleppend. Aus Nachbarprovinzen wurden Bergungsteams und Hilfsmaterial entsandt. Die Regierung in Peking kündigte an, 5000 Zelte sowie 50.000 Decken und Mäntel in das mehr als 4000 Meter hoch gelegene Erdbebengebiet auf dem tibetischen Hochplateau zu schicken.

"Gemeinde dem Erdboden gleichgemacht"

"Unsere Gemeinde ist fast dem Erdboden gleichgemacht worden, gegenwärtig sind wir bei den Rettungsarbeiten auf uns alleingestellt", sagte der Funktionär Zha Xi von der Katastrophenzentrale der Präfektur Yushu. "Unsere Hauptaufgabe ist, verschüttete Menschen aus den Trümmern zu graben." Die Straße zum nahe gelegenen Flughafen sei nach Erdrutschen blockiert. "Wir bemühen uns, den Weg von der Gemeinde zum Flughafen freizubekommen, weil es die einzige Möglichkeit ist, um Hilfsgüter hierher zu bekommen."

Ein Staudamm habe bedrohliche Risse gehabt, doch sei die Situation entschärft worden. "Das Wasser wurde komplett abgelassen, so dass jetzt keine Gefahr mehr herrscht."

Der US-Erdbebenwarte zufolge lag das Epizentrum des Bebens 380 Kilometer süd-südöstlich der Stadt Golmud in einer Tiefe von 46 Kilometern. Nach dem ersten Erdstoß, den die chinesischen Behörden mit 7,1 angaben, seien drei Nachbeben von Stärken bis zu 5,8 gemessen worden.

An die Provinz Qinghai grenzt die Provinz Sichuan, wo im Mai 2008 bei einem verheerenden Erdbeben knapp 87.000 Menschen getötet oder vermisst gemeldet wurden. Rund 375.000 Menschen wurden damals verletzt und Millionen obdachlos.

EU ist schockiert und bietet Hilfe an

Die Europäische Union bot China unterdessen Hilfe an. "Wir möchten unsere Solidarität mit der Regierung und den Bürgern Chinas bekunden", heißt es in einer Erklärung von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er sei "zutiefst schockiert und betrübt" über das Ausmaß der Katastrophe. EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek bekräftigte ebenfalls: "Wir bieten den chinesischen Stellen unsere Hilfe an und danken allen Hilfsmannschaften für deren Bemühungen." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach den Opfern ihr tiefes Mitgefühl aus.

joe/APN/AFP/DPA DPA

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