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Waldbrände und Mottenplage Sibirien ächzt unter Temperaturen von bis zu 38 Grad

Temperaturkarte für den Monat Mai: Unterdurchschnittliche Werte sind blau gekennzeichnet, überdurchschnittliche rot
Temperaturkarte für den Monat Mai: Unterdurchschnittliche Werte sind blau gekennzeichnet, überdurchschnittliche rot
© Modis/NEO/Nasa
Seit Tagen herrschen in Teilen Sibiriens Temperaturen von über 30 Grad Celsius. In der Stadt Werchojansk, wo es im Winter minus 60 Grad kalt wird, wurden nun 38 Grad gemessen. Die Hitzewelle hat verheerende Folgen. 

In der sibirischen Stadt Werchojansk, die in einer der kältesten Regionen Russlands liegt, herrscht seit einigen Tagen eine ungewöhnliche Hitze. Am vergangenen Samstag seien nach Angaben von Meteorologen 38 Grad Celsius gemessen worden, berichtet die Nachrichtenagentur Ria. Die hohen Temperaturen seien vor allem auf ein Hochdruckgebiet aus dem Osten zurückzuführen, erklärte die Leiterin der regionalen Einrichtung für Hydrometeorologie und Umweltüberwachung Tatjana Marschalik. 

Werchojansk befindet sich am 67. Breitengrad und damit nördlicher als Island. Im Winter herrschen hier Temperaturen von minus 60 Grad. Die Durchschnittstemperatur liegt in der Region im Juni normalerweise bei 20 Grad Celsius.

Dennoch seien Hitzewellen im Sommer im Norden Jakutiens häufig, so Marschalik. In den meisten Fällen würde diesen aber erst im Juli auftreten. Das absolute Temperaturmaximum in Werchojansk wurde 2010 gemessen, als sich die Luft auf 38,3 Grad Celsius erwärmte.

Heißester Winter seit 130 Jahren 

In diesem Jahr herrschen jedoch bereits seit Wochen ungewöhnlich hohe Temperaturen. Nach Angaben des EU-Copernicus-Klimawandeldienstes lagen die Oberflächentemperaturen bereits im Mai bis zu 10 Grad über dem Durchschnitt. Im Ort Chatanga, für den zu dieser Jahreszeit Tagestemperaturen um null Grad normal sind, wurden am 22. Mai 25 Grad Celsius gemessen. Der bisherige Rekord waren 12 Grad. 

Die Werte alarmieren Klimawissenschaftler. "Es ist zweifellos ein besorgniserregendes Zeichen", sagte Freja Vamborg, eine leitende Wissenschaftlerin des EU-Copernicus-Klimawandeldienstes der britischen Zeitung "The Guardian". Nicht nur der Mai sei in Sibirien ungewöhnlich warm ausgefallen. Den gesamten Winter und Frühling hinweg habe es Perioden mit überdurchschnittlichen Oberflächenlufttemperaturen gegeben. 

Solche Temperaturen wie in diesem Mai seien nur einmal in 100.000 Jahren normal, erklärte Martin Stendel vom Dänischen Meteorologischen Institut der Zeitung. Doch die vom Menschen herbeigeführte globale Erwärmung erhöhe die Wahrscheinlichkeit für solche extremen Wetterereignisse deutlich. Der vergangene Winter soll in Sibirien der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren gewesen sein.

Mottenplage verschärft Waldbrand-Gefahr 

Die hohen Temperaturen verursachen zahlreiche Feuer. In den vergangenen Wochen habe es bereits mehr als 6.000 Waldbrände gegeben, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Samstag in Moskau mit. Dabei seien schon mehr als 9.900 Quadratkilometer abgebrannt – eine Fläche, die mehr als zehnmal so groß ist wie die Ostsee-Insel Rügen. Betroffen sind demnach vor allem der Süden Sibiriens, Gebiete am Baikalsee, der äußerste Osten und Westen des Landes.

Hinzu kommt eine regelrechte Mottenplage. Die Larven des sibirischen Seidenspinners ernähren sich von Nadelbäumen. Bei den steigenden Temperaturen wächst ihre Zahl rasant. Sie fressen die Bäume kahl. Ohne Nadeln seien die Bäume jedoch anfälliger für Brände, warnen Mottenforscher.

Quellen: Ria, "The Guardian"

ivi

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