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Regenfälle vorhergesagt: Höhlen-Drama in Thailand: Das undurchsichtige Wasser und die möglichen Rettungs-Szenarien

Die Bergung des lange vermissten Fußballteams aus einer überfluteten Höhle in Thailand dauert weiter an - ein Ende ist noch nicht in Sicht. Neue Regenfälle könnten die Wassermassen ansteigen lassen. Warum dauert es so lange, die Jungen zu befreien? 

Höhle in Thailand

Suchmannschaften und Einsatzkräfte arbeiten an der Höhle in Thailand, in der eine Jugendfußballmannschaft gefangen ist. 

DPA

Seit fast zwei Wochen sind zwölf Kinder und ihr Betreuer in einer Höhle in Thailand eingeschlossen. Vor drei Tagen wurden sie lebend entdeckt, doch die Rettung kann sich noch lange hinziehen.

Für Freitag sind neue Regenfälle vorhergesagt, die die Wassermassen in der Höhle erneut ansteigen lassen könnten. Der Gouverneur der Provinz Chiang Rai, Narongsak Osotthanakorn, sagte, die "größte Sorge" der Retter sei das Wetter. "Wir rechnen aus, wie viel Zeit wir noch haben, wenn es regnet, wie viele Stunden und Tage."

Die Lage der Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non in der Provinz Chaing Rai im Norden Thailands

Die Lage der Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non in der Provinz Chaing Rai im Norden Thailands

Wassermassen gehen erst im November zurück

Britische Taucher hatten die elf bis 16 Jahre alten Jungen und ihren 25-jährigen Trainer am Montag nach neuntägiger Suche in der kilometerlangen, verwinkelten Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands entdeckt. Sie wurden mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut. Die endgültige Rettung des Fußballteams ist aber kompliziert: Viele Kammern der Höhle sind überflutet, zurückgehen werden die Wassermassen erst am Ende der Regenzeit im November.

Schon seit Tagen wird rund um die Uhr Wasser aus der Höhle gepumpt, der Wasserpegel sinkt um einen Zentimeter pro Stunde. Der wiederkehrende Monsunregen dürfte das Abpumpen aber erschweren. Wie Höhlenretter Martin Groß erklärt, ist der "Zufluss stärker als alle Pumpen, die man dort reinstellen könnte".

Höhle in Thailand

Tham Luang-Khun Nam Nang Non: Das Höhlensystem mit einigen markanten Wegpunkten 

Welche Möglichkeiten gibt es, die Fußballmannschaft aus der Höhle in Thailand zu holen?

Tauchen: Rettungstaucher haben die Fußballmannschaft gefunden, indem sie in der Höhle mehrere Kilometer weit getaucht sind. Denkbar wäre es, sie auf die gleiche Weise nach draußen zu befördern. Doch dieser Weg ist äußerst riskant, da keiner der Jungen tauchen und einige nicht einmal schwimmen können. Marinetaucher haben den Jungen bereits Grundkenntnisse im Tauchen beigebracht und für jeden eine Tauchausrüstung bereitgestellt. Doch selbst wenn die Jungen das Tauchen erlernen, müssten sie in schlammigem Wasser ohne Sicht durch extrem enge Stellen tauchen. Selbst erfahrene Profitaucher brauchen rund sechs Stunden, um zu den Jungen zu gelangen – diese Zahl macht deutlich, wie riskant das Unterfangen wäre. 

Martin Grass, Vorsitzender der Gruppe der Rettungstaucher, sagte der "BBC": "Jeder Junge wird ein oder zwei Taucher zugeteilt bekommen, die aufpassen würden, dass sie nicht in Panik geraten." Weiter erklärte er: "Es könnte ein Vorteil sein, dass es noch Kinder sind. Wenn man jung ist, fühlt man sich unbesiegbar und sieht die Situation ein bisschen wie ein Abenteuer." Grass glaubt, dass der Taucheinsatz die beste Möglichkeit ist, da die Auswirkungen des kommenden Monsuns nicht abzusehen sind.  

Bohren: Alternativ könnten die Jungen die Höhle durch einen Gang verlassen, der noch gefunden oder in die Felsen gebohrt werden müsste. Behörden haben bereits versucht, Löcher in die Höhlenwände zu bohren, um etwas von dem Flutwasser abzulassen, doch die dicken Felswände sind nur schwer zu durchdringen. Außerdem müssten zunächst neue Straßen oberhalb der Höhlen gebaut werden, um die Bohrgeräte unterzubringen. Und auch eine Vermessung der Höhlen müsste durchgeführt werden, da es sonst nicht möglich sei, ein Loch an der für die Jungen richtigen Stelle zu bohren, erklärte Höhlenretter Anmar Mirza gegenüber "Associated Press": "Es klingt einfach, aber es ist wirklich sehr schwierig. Es ist wie eine Nadel im Heuhaufen."

Warten auf das Ende der Regenzeit: Schließlich könnte das Fußballteam das Ende der Monsun-Zeit abwarten, um dann durch trockene Höhlengänge endlich ins Freie zu gelangen. Die Fußballmannschaft wurde inzwischen mit ausreichend Nahrung versorgt. Aber Experten warnen, dass dies Monate dauern könnte und der Raum, in dem sie ausharren, in der Zwischenzeit vollständig überschwemmt werden könnte. 

Auch sind die Bedingungen in der Höhle über einen längeren Zeitraum kaum auszuhalten. Die Jungen und ihr Betreuer befinden sich zusammengekauert auf einem Felsvorsprung. Die Umgebung ist feucht, also müssen sie sich warm und trocken halten, um eine Unterkühlung zu vermeiden. Auch Steinschläge innerhalb der Höhle stellen eine Bedrohung dar. "Im Dunkeln herumzukriechen ist das größte Problem", sagte Andy Eavis, ehemaliger Leiter des britischen Höhlenvereins, der "BBC". Sie könnten leicht einen Felsen herunterfallen oder vom Wasser mitgerissen werden. 

Psychische Belastung spielt große Rolle

Die Gruppe ist größtenteils unverletzt, manche Jugendliche seien noch geschwächt. Doch besonders die psychische Belastung spielt eine große Rolle. "Die Situation ist sehr belastend - vor allem die ersten Tage, in denen noch keine Retter bei ihnen waren. Das liegt an der Kälte und der Dunkelheit, wenn die Taschenlampenbatterien leer sind. Hinzu kommen der Hunger und die Angst, vielleicht nie gefunden zu werden. Das löst Todesangst aus", beschreibt Prof. Dr. Borwin Bandelow, Psychiater und Neurologe an der Universität Göttingen, die Situation gegenüber dem stern. Die Rettungstaucher haben Beleuchtung mitgebracht, außerdem wurde eine Telefonverbindung hergestellt, damit die Kinder mit ihren Eltern sprechen können. "Glücklicherweise war der Betreuer so vernünftig, alle zusammenzuhalten, zusammengekauert, um ihre Kräfte zu schonen, was sie im Grunde gerettet hat", sagte Ben Reymenants, ein belgischer Taucher, der bei der Rettung dabei ist, gegenüber der "AFP". Die Jungen sind fürs Erste versorgt, doch der drohende Monsun könnte die gefährliche Lage weiter verschärfen. Derzeit will niemand eine Prognose abgeben, wie lange sich die Rettung noch hinziehen wird. Der Wettlauf gegen die Zeit hat begonnen.

vit