HOME

Thailand: Warum Ausländer hässliche Hunde adoptieren sollen

Hunderttausende Hunde machen Thailands Straßen unsicher. Adoptieren wollen die Einheimischen sie nicht. Denn Thailänder bevorzugen Rassehunde. Nur Adoptionen ins Ausland helfen den Tieren.

Tierschützer in Thailand versuchen, auch wenig knuddelige Katzen und Hunde ans Herrchen oder Frauchen zu bringen ​

Würden Sie diesen Hund adoptieren? Tierschützer in Thailand versuchen, Tierfreunde auch für wenig ansehnliche Tiere zu erwärmen. 

Das Leben auf den Straßen ist hart - auch für Hunde: Viele sind krank oder verkrüppelt. Sie wühlen in Müllbergen, schlafen zu Dutzenden unter Brücken oder am Straßenrand. Eines sind die sogenannten "Soi Dogs" (Straßenhunde) selten: knuddelig. Ein Happy End gibt es für die wenigsten von ihnen. Denn in Thailand selbst adoptieren nur wenige Menschen Haustiere aus dem Tierheim. Rassehunde werden bevorzugt. Im Rahmen der Aktionswoche "Adoptieren Sie ein wenig annehmbares Haustier", die am Montag begonnen hat, versuchen Tierschützer daher Thailänder zu Adoption von Straßenhunden zu ermutigen. Bis jetzt geben nämlich nur Ausländer richtig viel Geld aus, um einen solchen Hund zu adoptieren.

Urlaubsliebe

​Rocket bellt und jault und kratzt an seinem Käfig. Er hat Angst. Zusammen mit drei anderen ehemaligen Streunern wartet er auf einem Flughafen in der Hauptstadt Bangkok in seinem Transportkäfig. Für die Hunde geht es nach Los Angeles, 20 Stunden dauert die Reise. Begleitet werden sie von Emilie Bernie, Gründerin der US-Tierhilfeorganisation Life Animal Rescue. "Diese Hunde haben im Ausland eine viel bessere Chance, neue Besitzer zu finden als in Thailand", sagt sie. Durchschnittshunde wie diese vier wolle hier niemand.

"Ich habe mich auf den ersten Blick in Noshi verliebt", sagt die deutsche Studentin Katharina Tesch über ihren adoptierten "Soi Dog". Tesch entdeckte Noshi vor einem Jahr in einem Tierheim auf der Urlaubsinsel Phuket. "Er war so klein und runzelig, aber auch sehr süß", sagt die 24-Jährige. Noshi wurde gerettet als er nur wenige Tage alt war. Seine Mutter war vergiftet worden. Das ist zwar verboten, aber für viele Einheimische trotzdem eine weit verbreitete Methode, der Hundeplage Herr zu werden.

720.000 Streuner und es werden immer mehr

Die Impfungen und der Papierkram für die Adoption dauern im Schnitt drei Monate, und für den Transport des neuen Lieblings in seine neue Heimat geben die Adoptivherrchen und -frauchen bis zu 900 Euro aus. Über solch teure Tierliebe können viele Thailänder nur den Kopf schütteln: Er liebe Hunde, sagt etwa der 24-jährige Mediendesigner Chaowat Sittisak. Aber: 900 Euro, das sei etwa das Doppelte seines Monatsgehalts. "So viel für einen auszugeben, macht keinen Sinn." Der Tierfreund in ihm findet es trotzdem gut, dass die Hunde ein neues Zuhause finden. "Sie brauchen diese Hilfe."

Sorawit Thaneto von der Behörde für Vieh und Tierzucht (DLD) schätzt, dass es etwa 720.000 Streuner in Thailand gibt. Und jedes Jahr werden es mehr. Die Tiere vermehren sich, werden ausgesetzt, und es gibt genügend Lebensmittelabfälle zum Fressen für sie.

In den Tierheimen landen nur Hunde, die behindert oder krank sind oder aus anderen Gründen nicht auf der Straße überleben können. Zudem Vierbeiner, die vor dem Kochtopf gerettet wurden - denn Hundefleisch ist in Teilen Chinas und Südostasiens beliebt. Im buddhistischen Thailand werden Hunde in der Regel nicht eingeschläfert - sie bleiben im Tierheim, bis sie sterben oder adoptiert werden. 

Knapp dem Kochtopf entkommen

Ausländer seien eher willig, Tiere aus dem Heim aufzunehmen, sagt Christy Baker von der "Soi Dog Foundation" in . Die Spenden, die Tierschützer für ihre Hilfe bei der Adoption erhalten, werden unter anderem für Sterilisationsprogramme verwendet. In Thailand ist es relativ einfach, einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren, auch ins Ausland. Tausende Hunde fanden bislang eine neue Heimat im Ausland, vor allem in Europa und Nordamerika. Etwa 700 im Jahr werden so adoptiert, schätzen Helfer.

"Die Leute dachten, ich sei verrückt", erzählt die Britin Lorraine Hepburn von den ersten Reaktionen, als sie vier Hunde aus Thailand aufnahm. Drei von ihnen waren nur knapp dem Kochtopf entgangen. "Aber ich wollte ihnen die Chance auf ein Leben geben."

Tausende Hunde warten in den privaten und staatlichen Tierheimen, die aus allen Nähten platzen, auf neue Besitzer. "Man kann nur so viele retten", sagt Bernie von Life Animal Rescue. Die vier Hunde, die nun ins Flugzeug verladen werden, hat sie zufällig ausgewählt. "Diese Hunde haben irrsinnig viel Glück - es ist, als ob sie im Lotto gewonnen hätten", sagt die Tierschützerin.

ivi/Siraphob Thanthong-Knight / DPA