VG-Wort Pixel

Tier-Verhalten richtig bewerten Ist mein Kater ein Psychopath? Ein Fragebogen gibt die Antwort

Eine grau getigerte Katze sitzt auf der Motorhaube eines Autos
Typisch Kater, typisch Katze: Die Tiere sitzen gern erhöht, wo sie alles gut im Blick haben. Zum Beispiel auf Motorhauben von Autos
© P. Mette / Picture Alliance
Katzen sind eigenwillig – auch deshalb sind sie als Haustiere beliebt. Aber wo ist die Grenze zum psychopathischen Verhalten? Forscher haben dazu einen Fragebogen entwickelt.

Können Katzen Psychopathen sein? Wer schlechte Erfahrungen mit diesen Tieren hat, sagt vermutlich ja. So wie eine ehemalige Kollegin, die Hunde bevorzugt. Katzen seien für sie als Haustiere tabu, erzählte sie mir einst, was an einer Begebenheit in ihrer Kindheit liege: Als sie klein war, hatte ihre Familie einen – von der ganzen Familie sehr geliebten – Kater.

Doch der sei eines Tages umgezogen in das Haus gegenüber. Gegen das leckere Futter des dort wohnenden Metzgers hatte die Familie meiner Kollegin nicht die Spur einer Chance. Als Kind habe sie oft traurig beobachtet, wie "ihr" süßer Kater satt und zufrieden vor dem Haus des Metzgers saß, seinem neuen Heim. Ja, Katzen können sehr gefühlskalt und psychopathisch sein – zumindest aus menschlicher Perspektive.

Katzen sind schwer erziehbar – und auch deshalb so beliebt

Doch mit ihrem eigensinnigen Verhalten punkten sie auch als Haustiere. Viele Menschen sind fasziniert von ihrem starken Willen. Da scheint es egal, dass man Katzen in vielen Fällen weder erziehen noch ihnen Vorschriften machen kann. Sie gelten hierzulande als die beliebtesten Haustiere – etwa 15,7 Millionen sollen in Deutschland leben.

Millionen von eigensinnigen Persönlichkeiten also, die da in unseren Haushalten wohnen. Und sicher hat sich der eine oder andere Mensch schonmal gefragt: Ist das Verhalten meiner Katze eigentlich normal – oder teile ich mein Heim mit einem pelzigen Psychopathen?

Wer es genau wissen will, kann jetzt einen Fragebogen ausfüllen, den britische Forscherinnen und Forscher ins Netz gestellt haben, und der unter dieser Adresse zu finden ist (in englischer Sprache). Tierbesitzer können dort insgesamt 46 Fragen zur Persönlichkeit ihrer Katze oder ihres Katers beantworten und den Grad des psychopathischen Verhaltens ihres tierischen Mitbewohners selbst errechnen.

Abgefragt werden bestimmte Situationen und Verhaltensweisen, wie beispielsweise "Meine Katze erkundet gefährliche Orte", "Meine Katze miaut oft sehr laut ohne erkennbaren Grund" oder "Meine Katze sucht immer große Nähe und folgt mir auf Schritt und Tritt". Auch das Verhalten gegenüber Artgenossen oder anderen Tieren wird abgefragt, ob die Katze aggressiv gegenüber Kindern ist oder ob ihre Stimmung schnell von entspannt auf angriffslustig umschlägt.

Fragebogen soll Konflikte lösen helfen und Katzen vor dem Tierheim retten

Was auf den ersten Blick lustig scheint, hat einen ernsten Hintergrund. Das Forschungsteam, das für sein Projekt einen Fragebogen für Menschen "katzengerecht" und nach wissenschaftlichen Kriterien umformuliert hat, will dazu beitragen, dass Menschen ihr Tier besser verstehen und Probleme im Zusammenleben lösen können – und es nicht etwa ins Tierheim abgeben. Leider geschehe es nicht selten, dass Katzen wegen unerwünschten Verhaltens weggegeben werden, begründen die Forscherinnen und Forscher ihr Projekt. Das wollen sie helfen, zu ändern.

Man kann anhand der Antworten auf dem Fragebogen einen Wert errechnen, der die psychopathische Tendenz der Katze auf dem sogenannten "CAT-Tri+"-Maß angibt, und so herausfinden, ob das Verhalten des Tiers noch normal ist oder nicht und welche Charaktereigenschaften besonders ausgeprägt sind – von "Enthemmung" über "Gemeinheit" und "Tierunfreundlichkeit" bis "Kühnheit".

Ist es beispielsweise die Kühnheit, die den Charakter dominiert, lässt sich nach Meinung der Forscherinnen und Forscher Abhilfe schaffen – beispielsweise mit Kletter- und Kratzmöglichkeiten, um die Katze besser zu beschäftigen und auszulasten. Auch bei manch anderen Schwierigkeiten können die Besitzer die Umgebung des Tiers so verändern, dass das Zusammenleben angenehmer wird.

Ein bisschen psychopathisch ist ok – zumindest für Katzen

Menschen gelten als Psychopathen, wenn ihnen Empathie fehlt oder sie die Tendenz haben, andere zu manipulieren. Bei Katzen liegt der Fall etwas anders. Nach Meinung des Forscherteams sind diese Tiere immer ein "bisschen psychopathisch" – was an ihrer Evolution liege. Ihre typischen Charaktereigenschaften seien wichtig, um als Katze zu überleben – zum Jagen, um das Revier zu verteidigen oder um sich zu paaren und für Nachwuchs zu sorgen.

Viele Katzenbesitzer können lange Geschichten erzählen, was ihre Tiere für Angewohnheiten haben. Sogar, dass eine Katze auszieht und sich ein neues Zuhause sucht, kommt gar nicht so selten vor. Vielleicht kann der neue Fragebogen helfen, auch solche Wohnsitz-Wechsel zu verhindern.

Quellen: Fragebogen bei OSF,  "Science Direct", "Science Alert, RND

Nahaufnahme einer Katze, die böse guckt

Sehen Sie im Video: Der zweijährige Kater "Slippers" schockiert sein Herrchen Marcus Elliot mit seiner grotesken Beute. Früh morgens bemerkt der zweifache Vater in seinem Londoner Haus Geräusche im Flur – was er dann sieht kann Elliot kaum glauben.


Mehr zum Thema



Newsticker