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Tragischer Unfall: Castor-Zug tötet Demonstranten

Trotz massiver Sicherheitsvorkehrungen ist es beim Atommülltransport aus dem französischen La Hague zu einem tödlichen Unfall gekommen. Einem auf den Gleisen sitzenden Umweltschützer trennte der Zug ein Bein ab. Der junge Mann starb daraufhin an seinen schweren Verletzungen.

In Frankreich ist nach Angaben der Eisenbahngesellschaft SNCF ein Atomkraft-Gegner von dem mit Atom-Müll beladenen Castor-Zug überrollt worden und anschließend gestorben.

Der Zug habe dem Mann, der gemeinsam mit anderen Demonstranten auf den Gleisen bei Igney-Avricourt gesessen habe, ein Bein abgetrennt, teilte eine SNCF-Sprecherin am Sonntag mit. Der Zuführer habe die Gruppe gesehen und die Notbremse gezogen. Die meisten der Demonstranten seien aufgestanden, einer blieb jedoch auf den Gleisen und wurde vom Zug überrrolt. Der getötete Mann stamme aus La Meuse.

Absolut friedliche Demonstration

Zuvor war der Zug bereits bei Laneuveville-devant-Nancy zwei Stunden lang aufgehalten worden, weil sich dort zwei Demonstranten an die Gleise gekettet hatten. Die beiden Umweltschützer wurden in Nancy der Polizei übergeben. Im Bahnverkehr kam es zu Verspätungen. Der Transport hatte am Samstagabend das Bahnterminal des Atomkonzerns Cogema in der Normandie verlassen. Er sollte am Dienstag das Zwischenlager im niedersächsischen Gorleben erreichen.

Der Zug mit den zwölf hochradioaktiven Abfallbehältern aus der Wiederaufarbeitung im französischen La Hague war am Samstagabend gestartet. Ohne Zwischenfälle sollte er am Nachmittag Deutschland erreichen.

Im Landkreis Lüchow-Dannenberg protestierten am Sonntagmorgen erneut mehrere hundert Atomkraftgegner mit verschiedenen kleineren Aktionen gegen die Atommülllieferung. Unter anderem beteiligten sie sich an einer Fahrradtour von der Castor-Umladestation in Dannenberg zum Gorlebener Endlagerbergwerk, an einer weiteren Fahrradrallye in der Nähe der Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg oder an einer Demonstration hoch zu Ross zwischen den beiden Straßenstrecken, auf denen Castor-Behälter von Dannenberg nach Gorleben gebracht werden können.

Auf der nördlichen Straßenstrecke demonstrierten am Samstagabend nach der Auftaktdemonstration zudem 60 Landwirte mit Traktoren. Nach Polizeiangaben waren die Proteste erneut völlig friedlich. Im Verlauf des Samstags hatten bereits rund 5.000 Atomkraftgegener ohne Zwischenfälle protestiert. Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg sprach von 6.000 Demonstranten, die Polizei von bis zu 4.500 "absolut friedlichen" Teilnehmern.

Reuters, DPA