Treffen Pauli - Stoiber "Es war ein gutes Gespräch"


Gabriele Pauli hat ihr Ziel erreicht. Edmund Stoiber hat seinen Rücktritt angekündigt, ganz wie es die Fürther Landrätin wünschte - und das nur rund eine Stunde, bevor das lange erwartete Treffen zwischen Stoiber und Pauli in der Münchner Partei-zentrale stattfand.
Von Rupp Doinet, München

Die Frau, die Edmund Stoiber als bayerischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der CSU "stürzte" trägt heute einen schwarzen Hosenanzug und Perlenohrringe. Gabriele Pauli, die unerschrockene Landrätin des kleinsten bayerischen Landkreises Fürth, sitzt nun im Münchner Löwenbräukeller, direkt unter einem hölzernen Dreschflegel und einer Mistgabel, genau den landwirtschaftlichen Utensilien, die ihr vor ein paar Tagen die Granden der CSU sozusagen an den Hals gewünscht hatten.

Soeben hatte sie eine Privataudienz bei Stoiber, der noch vor kurzem der Ansicht war, für ein Gespräch mit ihm sei sie zu "unwichtig". Nun sitzt sie da, versucht gleichzeitig zu lächeln und zu erzählen, wie es war, beim Ministerpräsidenten auf der Couch. Über eine Stunde lang haben die beiden unter vier Augen miteinander gesprochen. "Es war ein gutes Gespräch", sagt Gabriele Pauli, gut, obwohl sich der Ministerpräsident auch diesmal nicht für seinen Büroleiter Michael Höhenberger entschuldigte, der im Privatleben von Gabriele Pauli herumgeschnüffelt hatte. Aber das, so versichert die Landrätin jetzt, "war kein Thema mehr" und "ist jetzt auch nicht mehr wichtig".

Immerhin habe Stoiber ihr zugesagt, dass er die Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Bürochef untersuchen werde, dass er "disziplinarische Konsequenzen" für seinen einst engsten Weggefährten und Berater nicht ausschließe und dass auch er peinlich berührt gewesen sei, den aus seinem Amt als Bürochef entlassenen Ministerialbeamten bei der letzten Sitzung des bayerischen Kabinetts inmitten in der illustren Runde zu sehen, so als sei nie etwas geschehen.

Eigentlich, so bekennt die Landrätin inmitten einer Phalanx aus Mikrofonen und Kamerastativen, war sie sich ein paar Stunden zuvor nicht so sicher, dass ihr Gespräch mit Stoiber überhaupt noch stattfinden würde. "Ich hätte Verständnis dafür gehabt, wenn er es abgesagt hätte". Zu viel ist an diesem Tag passiert. Am Mittag hatte Stoiber erklärt, am Parteitag der CSU im September 2007 von seinem Amt als Ministerpräsident Bayerns zurückzutreten und auch als Parteivorsitzender nicht mehr zu kandidieren. Aber das war zu diesem Zeitpunkt schon en Gros et en Detail durchgesickert. Günther Beckstein, so hieß es, werde Edmund Stoiber als Ministerpräsident beerben, Erwin Huber als Parteivorsitzender.

Ein weiterer Pannentag der CSU

So jedenfalls stand es am Morgen in den Zeitungen und auch dies war eine Panne im stotternden Räderwerk der CSU. Denn eigentlich war vereinbart gewesen, dass Stoiber als Erster die überraschende und befreiende Nachricht verkünden solle. In Zukunft, da waren sich der Landesvater und die Landrätin einig, werde man "sachlich an die kommenden Tage herangehen" und sie, so appellierte Stoiber an Gabriele Pauli, möge doch bitte immer "an die Einheit der Union denken". Aber die ist auch ohne sie schon wieder in Gefahr, denn auch der Bundesminister und stellvertretende CSU-Parteivorsitzende Horst Seehofer erhebt Ansprüche auf den Parteivorsitz.

Der Pippi Langstrumpf der CSU

Was Gabriele Pauli betrifft, will sie nun wieder in ihr kleines, aprikotfarbenes Büro und arbeiten. Nein, beteuert die Pippi Langstrumpf der CSU, "Genugtuung" sei das falsche Wort für das, was sie empfindet. Zwar habe sie eine Lawine losgetreten, als sie sich in einer Vor-standssitzung vor all den Mandatsträgern verbat, aus der Staatskanzlei heraus bespitzelt zu werden. Zwar habe sie wirklich schon seit langem gefordert, Edmund Stoiber möge nicht noch einmal als Ministerpräsident kandidieren, aber: "Eine Lawine kann nur rollen, wenn etwas locker ist".

Im Jahre 2008 will Gabriele Pauli wieder als Landrätin kandidieren. Und wenn zuvor oder kurz danach ein Ruf aus München kommt? Da windet sie sich ein bisschen unter der Mistgabel und dem Dreschflegel, will erst mal abwarten, aber ausschließen will sie nichts. Eine Umfrage hat ergeben, dass drei Prozent der Bayern sie sich als Ministerpräsidentin vorstellen können.


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