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US-Präsident in der Pandemie 310.000 Coronatote – doch Trump beschäftigen nur Wahlbetrug-Phantasien. Und seine Haare

US-Präsident Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses
"Du hast die Haare schön": US-Präsident Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses
© Mandel Ngan / AFP
Donald Trump hat seit der Wahl am 3. November 737 Tweets verschickt. Nicht ein einziges Mal erwähnte er darin die Zahl der Coronatoten in den USA. Dafür erließ er ein Gesetz, das ihm beim Frisieren helfen soll.

Wenn man wissen will, welchen Stellenwert die verheerende Coronalage in den USA für Donald Trump hat, braucht man sich nur anzuschauen, womit er so seine Tage verbringt: Mehr als 17.210.000 Amerikaner sind an Covid-19 erkrankt, mehr als 310.000 von ihnen gestorben – und im Terminkalender des scheidenden US-Präsidenten herrscht meist gähnende Leere. Hier mal ein Lunch mit seinem Vize Mike Pence, da mal eine Zeremonie im Oval Office oder eine virtuelle Konferenz und an den Wochenenden regelmäßige Ausflüge in seinen eigenen Golfclub im Nachbarstaat Virginia. Von Krisentreffen und Sondersitzungen zur Corona-Pandemie keine Spur.

Den gleichen Eindruck wie Trumps Terminkalender hinterlässt sein Twitterkonto. 737 eigene Tweets hat der Mann im Weißen Haus seit der Präsidentschaftswahl am 3. November bis zum 18. Dezember 12 Uhr MEZ verschickt. In keinem einzigen davon ging es um die hohe Zahl an Coronatoten in den USA, wie "Mother Jones" festgestellt hat. "Wenn man Trumps jüngste Tweets liest, würde man nie vermuten, dass sich die Vereinigten Staaten inmitten einer grassierenden Pandemie befinden, die täglich mehr als 2000 Menschen tötet", schreibt das US-Magazin.

Donald Trump verliert kein Wort über Coronatote

Mehr als zwei Drittel von Trumps Postings betrafen demnach seine Versuche, aus der Niederlage gegen Herausforderer Joe Biden mithilfe von Verschwörungstheorien, unbewiesenen Behauptungen über Wahlbetrug und haltlosen Klagen noch einen Sieg zu machen. Die Corona-Pandemie sei dagegen nur eine Randnotiz gewesen. Lediglich vier Prozent der Tweets des Noch-Amtsinhabers hätten von Impfstoffen gehandelt und nur zwei Prozent das Coronavirus überhaupt erwähnt. Der Preis, den die Betroffenen zahlen müssen, sei Trump dabei keine Silbe wert gewesen. Und Appelle an die Bürger, die bekannten Regeln einzuhalten, um sich selbst oder andere vor Sars-Cov-2 zu schützen, habe es auch keine gegeben.

Als typisches Beispiel für Trumps Prioritäten in dieser schwierigen Zeit führt "Mother Jones" den 16. November an: Nach fast einem Dutzend Tweets über das Wahlergebnis ("Ich habe die Wahl gewonnen!") prahlte der Präsident damit, dass die Nachricht von der Wirksamkeit des Impfstoffs des US-Konzerns Moderna den Aktienmarkt beflügelt habe. "Für die großen 'Historiker', bitte denken Sie daran, dass diese großen Entdeckungen, die die China-Pest beenden werden, alle unter meiner Aufsicht stattfanden!", schrieb er. Es folgte ein kurzer Seitenhieb Richtung Europa: "Die europäischen Länder bekommen von dem China-Virus traurig eins übergezogen." Dann widmete sich der 74-Jährige wieder seinem Lieblingsthema: wütende Kommentare über den vermeintlichen Wahlbetrug.

Auch vier Wochen und tausende Tote später beschäftigen Trump zuallererst die Aktienkurse: "Allzeithoch an der Börse. Der Impfstoff und die Einführung des Impfstoffes bekommen die besten Kritiken. Es geht wirklich gut voran. Lassen Sie sich alle impfen!", twitterte er am 17. Dezember, bevor er für den Rest des Tages wieder seine Wahlbetrug-Propaganda verbreitete.

US-Regierung erleichtert Trump das Haarewaschen

Doch eine Sache war dem Präsidenten in dieser von Höchstwerten bei Corona-Infektionen und -Toten geprägten Woche noch wichtig: die Vorschriften für den Wasserdurchlauf bei Geräten wie Wasserhähnen, Geschirrspülern und Duschköpfen.

Das Thema steht bei Trump schon lange auf der To-do-Liste. Seit 1992 gilt in den USA aus Umweltschutzgründen die Vorschrift, dass unter anderem Duschköpfe maximal 2,5 Gallonen (9,5 Liter) pro Minute durchlassen dürfen. Und der Präsident hat sich in den vergangenen vier Jahren wiederholt darüber beklagt, wie sehr ihn dieser begrenzte Wasserdurchfluss ärgert. Während einer Rede im Weißen Haus Mitte Juli erklärte er auch warum: Sein Haar benötige beim Duschen einfach mehr Wasser und "muss perfekt sein. Perfekt".

Damit Trumps Frisur ordentlich sitzt, hat seine Regierung am Dienstag das Gesetz zur Beschränkung des Wasserdurchlaufs gelockert. Die Vorgängeradministration von Barack Obama hatte, als neuere Duscharmaturen mit mehreren Düsen auf den Markt kamen, noch festgelegt, dass 2,5 Gallonen insgesamt die Höchstgrenze seien, unabhängig von der Anzahl der Auslässe. Die jetzt erlassene Neuregelung besagt dagegen, dass jeder Duschkopf 2,5 Gallonen pro Minute ausstoßen darf.

Umweltschützer reagierten nicht zuletzt angesichts der langfristigen Dürre, mit der große Teile des Landes konfrontiert sind, mit scharfer Kritik auf die Gesetzesänderung. Biden müsse die Lockerung nach seiner Amtsübernahme umgehend rückgängig machen, forderten sie. Bei dem President-elect dürften sie damit auf offene Ohren stoßen. Der neue Mann im Weißen Haus hat sich den Kampf gegen den Klimawandel auf die Fahne geschrieben. Donald Trump sollte deshalb vielleicht schon mal über einen Kurzhaarschnitt nachdenken.

Quellen: "Mother Jones", Trump Twitter Archive, "Huffington Post", Donald Trump auf Twitter


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