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Tsunami in Indonesien: Welle trifft gleichzeitig mit Frühwarnung ein

Retter in Indonesien befürchten nach dem Tsunami über 500 Tote. Das deutsche Frühwarnsystem habe funktioniert. Innerhalb von fünf Minuten waren öffentliche Stellen informiert. Die Welle wurde aber so nah an der Küste ausgelöst, dass sie gleichzeitig mit der Warnung eintraf.

Mehr als zwei Tage nach dem Tsunami haben die indonesischen Behörden kaum noch Hoffnung, Vermisste lebend zu retten. Bis Donnerstag stieg die Zahl der Toten auf mindestens 370, die Rettungskräfte rechneten angesichts der hohen Zahl an Vermissten aber mit mehr als 500 Opfern. Das Geoforschungszentrum in Potsdam wies Vermutungen zurück, dass das von ihm mitaufgebaute Tsunami-Warnsystem nicht funktioniert habe.

Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörden wurden noch 338 Menschen vermisst. Mehr als 48 Stunden nach der Katastrophe gebe es aber kaum mehr Hoffnung, Überlebende zu finden, sagte ein Behördenvertreter der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben die Inseln überflogen und nur Leichen gesehen." Nach seinen Schätzungen überlebten mindestens zwei Drittel der Vermissten die Katastrophe nicht.

Die abgelegenen Inseln vor der Küste Sumatras waren am Montagabend von einem Erdbeben der Stärke 7,7 erschüttert worden, wenig später traf sie eine drei Meter hohe Flutwelle. Nach ersten Hilfslieferungen per Hubschrauber trafen nach und nach auch Schiffe mit Rettungskräften, Ärzten und Nothilfen auf den rund eine halbe Tagesreise von Sumatra entfernten Inseln ein. Die Regierung entsandte fünf Kriegsschiffe. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono traf am Nachmittag auf den Inseln ein, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Trotz eines modernen mit deutscher Hilfe finanzierten Frühwarnsystems konnten viele Bewohner nicht rechtzeitig gewarnt werden. Das an dem Projekt beteiligte Geoforschungszentrum in Potsdam erklärte, "sämtliche Komponenten des Tsunami-Frühwarnsystems" hätten funktioniert. Bereits knapp fünf Minuten nach dem Erdbeben sei von dem Warnsystem in Jakarta aus der Tsunami-Alarm ausgelöst und an rund 400 Einrichtungen wie die Polizei und Katastrophenschutzbehörden geleitet worden. Jörn Lauterjung vom Forschungszentrum sagte der Zeitung "Die Welt" (Freitagsausgabe), so lange brauche das System, um das Erdbeben zu lokalisieren, zu charakterisieren und ein Lagebild zu erstellen.

Aufgrund der direkten Nähe des Ausgangspunkts des Erdbebens zur Küste sei die Warnung zeitgleich mit dem Eintreffen der Welle erfolgt. "Da hätte kein Frühwarnsystem der Welt helfen können", sagte Lauterjung der "Welt". Das Zentrum erklärte, die aktuelle Situation zeige, dass es "einen umfassenden Schutz vor Erdbeben und Tsunamis nicht geben kann".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Kondolenzschreiben ihre "große Trauer" und ihr "tief empfundenes Mitgefühl" aus. Den Verletzten wünschte sei eine "schnelle Genesung".

Der hunderte Kilometer entfernte Vulkan Merapi brach am Donnerstag erneut aus. Beim Ausbruch des aktivsten Vulkans des Landes am Dienstag waren bereits 32 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch der traditionelle "Wächter" des Merapi.

AFP / AFP