Überschwemmungen Das Wasser sinkt


Aufatmen am Rhein: Das Hochwasser in Baden-Württemberg ist zurück gegangen – und es sinkt weiter. In der Schweiz jedoch herrscht noch immer Ausnahmezustand. Und die Schäden betragen schon jetzt über 120 Millionen Euro.

Wie die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale (HVZ) in Karlsruhe mitteilte, fiel der Rheinpegel Maxau bei Karlsruhe am Samstagmorgen auf 8,20 Meter. Eine Sprecherin der Vorhersage-Zentrale sagte, die Wasserstände würden auch weiter sinken. Nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums entstanden durch das Hochwasser Schäden in Millionenhöhe. In der Schweiz hat das Hochwasser nach Meldungen der Nachrichtenagentur sda einen Schaden von umgerechnet mehr als 120 Millionen Euro angerichtet. In Ostholstein liefen am Freitag und in der Nacht zum Samstag nach starken Regenfällen Keller voll, Straßen wurden überschwemmt.

"Wir sind glimpflich davon gekommen"

"Die Situation war nicht dramatisch, aber dennoch äußerst angespannt", sagte Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) am Samstag in Stuttgart. Mit etwa 8,50 Metern Höchststand am Pegel Maxau sei das Wasser auf ein Niveau gestiegen, das statistisch nur etwa alle zehn Jahre erreicht werde und für August äußerst ungewöhnlich sei. Neben den vom Wasser verursachten Schäden entstünden durch die lahm gelegte Schifffahrt und die mehrere Tage dauernden Aufräumarbeiten enorme Kosten. "Wir sind dennoch glimpflich davon gekommen", sagte die Ministerin. In den vom Hochwasser betroffenen Gebieten verbrachten die Menschen den Samstag mit Aufräumarbeiten.

Am Freitagabend betrug der Pegelstand des Rheins bei Maxau noch bei 8,57 Meter. Am Sonntagmorgen dürfte er dort 7,50 Meter unterschreiten, sagte eine Sprecherin der HVZ. Die Schifffahrt zwischen dem badischen Iffezheim und dem südpfälzischen Germersheim könne dann wieder aufgenommen werden.

Nach Gönners Ansicht hat das neue Hochwasser-Frühwarnsystem die erste Bewährungsprobe bestanden. Das System müsse aber trotzdem kontinuierlich weiter verbessert und verfeinert werden. Durch eine gute Zusammenarbeit mit der Schweiz, Frankreich und den Wetterdiensten habe man sich rechtzeitig vorbereiten können, um im Ernstfall die Rückhalteräume (Polder) zu fluten.

Der Scheitelpunkt des Rheinhochwassers hat am Samstag den Süden von Rheinland-Pfalz erreicht. "Kritische Wasserstände werden jedoch nicht erwartet", sagte ein Sprecher des Hochwassermeldezentrums in Mainz. In Nordrhein-Westfalen ist das Hochwasser nicht so stark angestiegen wie von den Experten befürchtet. "Entwarnung, der Wasserstand bleibt deutlich unter sieben Metern", sagte am Mittag Reinhard Vogt von der Hochwasserschutzzentrale in Köln.

In den Schweizer Hochwassergebieten gingen am Samstag die Aufräumarbeiten weiter. Die Situation am Bielersee entspannt sich nach sda-Berichten nur zögerlich. Zahlreiche Häuser waren nach wie vor überflutet, und entlang des Sees waren immer noch Gemeinden ohne Strom. Die Stadt Laufen, wo die über die Ufer getretene Birs große Schäden angerichtet hatte, musste auch am Samstag teilweise ohne Strom, Gas und Trinkwasser auskommen. Abwässer laufen ungeklärt in den Fluss. In einigen Stadtteilen herrschte weiter Ausnahmezustand. Der Verkehr blieb gesperrt.

In Ostholstein hat sich die Lage nach den starken Regenfällen bis zum Samstagnachmittag entspannt. "Obwohl es nicht mehr regnet, laufen noch immer Keller voll Wasser", sagte ein Polizeisprecher am Morgen in Eutin. Nach Feuerwehrangaben waren seit Freitagnachmittag im Kreisgebiet etwa 1000 Helfer zu hunderten von Einsätzen ausgerückt. Besonders stark betroffen waren während des Unwetters mehrere Orte im Osten und Südosten der Insel Fehmarn. Dort fielen am Freitag zwischen Mitternacht und 19.00 Uhr an einigen Stellen 178 Liter Regen pro Quadratmeter. "Das ist mehr als das Dreifache an Regen, was hier in einem August normalerweise zusammenkommt", sagte Meteorologe Stefan Laps von Meteomedia.

DPA DPA

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