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Unfall in Italien mit 38 Toten: Fahrer soll verzweifelt versucht haben, Bus zu stoppen

30 Meter stürzte er in die Tiefe, 38 Menschen starben: Nach dem Busunfall in Italien ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung - und hat dabei nicht nur Bus und Fahrer im Visier.

Das Busunglück im Süden Italiens hat laut Autobahnpolizei 38 Tote und zehn verletzten Businsassen gefordert. Zudem seien neun Insassen anderer Fahrzeuge leicht verletzt worden. Zuvor hatte Verkehrsminister Maurizio Lupi von 39 Todesopfern gesprochen. Am Unfallort waren Spuren des Unglücks wie Blutflecken, herumliegende Schuhe, ein Hut und ein Stofftier zu sehen.

Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein. Im Fokus stehe aber nicht nur der Fahrer, dessen Leiche laut Medienberichten auf Alkohol und Drogen untersucht werden soll, sondern auch der Zustand der Straße und die Beschilderung. Das Fahrzeug sei im März bei der Inspektion gewesen, sagte Verkehrsminister Lupi. Die Unterlagen zu dem Unfallfahrzeug habe die Polizei bereits beim Busunternehmen Mondotravel beschlagnahmt. Der Reisebus war am Sonntagabend mit 48 Menschen an Bord 30 Meter in die Tiefe gestürzt.

Eine Überlebende aus dem Bus berichtete, der linke Reifen sei geplatzt. Der Fahrer habe verzweifelt versucht, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten. Dies sei ihm aber nicht gelungen. Ein Arbeiter an der Autobahn sah den Bus vor dem Unglück mit überhöhter Geschwindigkeit und geöffneter Tür vorbeirasen. Der Fahrer soll zudem gegen die Leitplanke gefahren sein und so versucht haben, den Bus zu bremsen. Möglicherweise habe es ein Problem mit den Bremsen gegeben, berichtete Ansa unter Berufung auf Augenzeugen. Die Polizei teilte mit, am Unfallort habe es keine Bremsspuren des Busses gegeben.

Politiker zeigen sich bestürzt

Die Bergungsarbeiten an dem schwer zugänglichen Unfallort gestalteten sich schwierig. Die Einsatzkräfte suchten die ganze Nacht über das Wrack des Busses und die Umgebung mit Taschenlampen ab. Sie baten immer wieder um "etwas Ruhe", um keine Rufe möglicher Überlebender zu überhören. Die Leichen der Todesopfer wurden zunächst auf der Straße nebeneinander gelegt und mit weißen Tüchern bedeckt. Das entzwei gebrochene Buswrack wurde am Vormittag abtransportiert.

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta sagte seinen für Montag geplanten Besuch der Akropolis in Athen ab. "Das ist ein trauriger Tag", sagte er. "Es gibt keine Worte dafür." Vor seiner Beteiligung an einer Konferenz zur Finanzkrise in Europa legte der Regierungschef eine Schweigeminute für die Opfer des Busunglücks ein.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich schockiert über den Unfall. "Ich bin bestürzt über das schwere Busunglück in Italien, bei dem so viele Menschen ums Leben gekommen sind", erklärte Westerwelle in Berlin. "Den Angehörigen der Toten gilt unsere Anteilnahme, den Verletzten wünschen wir baldige Genesung."

Etwa zehn Überlebende

Dem Auswärtigen Amt zufolge bestehen bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass sich deutsche Staatsangehörige unter den Todesopfern und Verletzten befinden. Die Deutsche Botschaft in Rom stehe aber mit den italienischen Behörden in Kontakt, um dies genau zu prüfen.

In dem Bus war nach Medienberichten eine Reisegruppe aus der Provinz Neapel unterwegs. Die meisten Opfer seien befreundet gewesen, manche auch verwandt. Sie sollen auf dem Rückweg von einem Wochenendausflug gewesen sein, bei dem sie eine Therme und dann den Pilgerort Pietrelcina, den Geburtsort des Nationalheiligen Pater Pio, besucht hatten. Der Bus war ersten Ermittlungen zufolge am Sonntagabend in der Nähe von Neapel sehr schnell in ein Stauende gerast, hatte mehrere Autos gerammt, eine Leitplanke durchbrochen und war schließlich in eine Schlucht gestürzt, wo er in unwegsamem Gelände liegen blieb.

Der Unfall ereignete sich auf der Autobahn Neapel-Bari zwischen Monteforte Irpino und Baiano in der Region Kampanien. Viele Kinder und Jugendliche sollen in der Reisegruppe gewesen sein. Nach offiziellen Angaben stammten alle Businsassen aus der Region Neapel. Die Überlebenden wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser in Neapel gebracht.

tkr/DPA/AFP / DPA