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Unglück vor schottischer Nordseeküste: Gas strömt unkontrolliert aus Förderplattform

Die Gefahr einer Umweltkatastrophe vor der schottischen Nordseeküste wächst: Nachdem am Sonntag ein Leck auf einer Bohrstation des Energiekonzerns Shell entdeckt worden war, strömt jetzt unkontrolliert Gas aus.

Vor der schottischen Küste droht nach der Evakuierung einer Förderplattform des Ölmultis Total eine Umweltkatastrophe. An der Plattform "Elgin" in der Nordsee strömte am Dienstag unkontrolliert Gas aus. An der Oberfläche bildete sich nach Angaben von Arbeitern eine riesige Gaswolke, auf dem Wasser breitete sich ein Ölfilm aus. Für Schiffe und Flugzeuge wurde nach Angaben des Betreibers Total eine Sperrzone eingerichtet. Schiffe müssen mindestens zwei Seemeilen (3,7 Kilometer) Abstand zur Plattform Elgin PUQ vor der schottischen Ostküste halten, Flugzeuge mindestens drei Seemeilen.

Das Gasleck war am Sonntag entdeckt worden. Nach Angaben von Total handelt es sich um den schwersten Zwischenfall in der Nordsee für den französischen Energiekonzern seit einem Jahrzehnt.

Manager des Konzerns und britische Behörden erklärten, für die Öffentlichkeit bestehe nur eine geringe unmittelbare Gefahr. Das ausströmende Gas enthalte aber giftigen Schwefelwasserstoff, weshalb Personen am Leck gefährdet seien. Das Gas werde sich in die Atmosphäre verflüchtigen.

10 bis 20 Spezialisten eingeflogen

Nach Angaben eines Total-Sprechers handelt es sich bei dem austretenden Stoff um ein Gas-Kondensat, das in flüssiger Form gefördert wird. Es sei entzündlich und potenziell auch explosiv. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien jedoch deutlich geringer als etwa bei Erdöl. Das Gas-Kondensat sei sehr leicht und verflüchtige sich. Allerdings könne es Wochen oder Monate dauern, bis das Leck gestopft sei. "Wir versuchen alles, um es unter Kontrolle zu bekommen", sagte der Unternehmenssprecher.

Die norwegische Umweltgruppe Bellona sprach dagegen von einem "Bohrloch der Hölle" und erklärte: "Das Problem ist außer Kontrolle geraten." Bevor die Arbeiter auf der Plattform in Sicherheit gebracht worden seien, hätten sie sich 14 Stunden um eine Eindämmung des Problems bemüht, sagte Bellona-Chef Frederic Hauge.

Total erklärte, der Konzern halte sich alle Optionen offen, darunter auch eine Entlastungsbohrung. Dies würde jedoch rund sechs Monate dauern. Total flog nach eigenen Angaben 10 bis 20 Spezialisten ein und heuerte den Dienstleister Wild Well Control an, der auch bei der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko 2010 zum Einsatz kam. Die Total-Aktie notierte 4,5 Prozent im Minus.

fro/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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