Unwetter im Killertal Schaulustige behindern die Aufräumarbeiten

Nach den Verwüstungen durch das schwere Gewitter sind die betroffenen Kommunen in Baden-Württemberg zu beliebten Zielen für Schaulustige geworden. Die Polizei musste rund 20 Beamte abstellen, um Gaffer zurückzudrängen und die Einsatzorte abzusperren.

Die vom Unwetter gezeichneten Orte im baden-württembergischen Killertal ziehen nicht nur Helfer, sondern auch zahlreiche Schaulustige an. Die Aufräumarbeiten in den Orten Jungingen und Hechingen werden nach Polizeiangaben immer wieder durch Neugierige behindert. Am Dienstag mussten rund 20 Polizisten abgestellt werden, um Zuschauer zurückzudrängen und die Arbeiten durch Absperrungen zu sichern.

"Diese Beamten hätten wir natürlich gut an anderer Stelle gebrauchen können", sagte ein Polizeisprecher. Alle Menschen, die nicht zum Aufräumen gebraucht werden, sollten die Unglücksorte möglichst meiden.

Ein Sprecher des Krisenstabes im Landratsamt in Balingen erklärte indes, dass die meisten Straßen nach der Unwetter-Katastrophe wieder frei seien. Auch der größte Teil der überfluteten Keller sei leer gepumpt. Der Schaden erreiche vermutlich eine zweistellige Millionen-Summe. Vor allem das 1500-Einwohner-Dorf Jungingen im Killertal wurde verwüstet. Das Wasser stand dort bis zu zwei Meter hoch. Autos wurden weggespült, Häuser drohten einzustürzen. "Das ist eine unheimliche Katastrophe", sagte Bürgermeister Harry Frick.

Gewitter mit heftigem Regen überzogen auch am Dienstagabend weite Gebiete der Bundesrepublik. In Thüringen wurde eine 55-jährige Frau nur knapp vor dem Ertrinken gerettet. Die 55-Jährige sei bei einem schweren Gewitter zu Fuß an einem offenen Kanalisationsgraben unterwegs gewesen, teilte die Polizei mit. Als plötzlich Wasser- und Schlamm- Massen durch den Graben rauschten, habe sie sich nicht mehr halten können. Auch ein Mann, der ihr sofort zur Hilfe eilte, wurde mitgerissen. Mehreren Helfern gelang es schließlich, die Beiden zu retten. Die Frau wurde schwer verletzt, der Mann leicht.

Blitzeinschläge, volle Keller und verspätete Züge

Darüber hinaus legten die Wassermassen in Thüringen Strom und Gasleitungen frei, 700 Haushalte mussten stundenlang ohne Strom auskommen. Blitzschläge führten zu Verspätungen im niedersächsischen Bahnverkehr.

In Bayern musste die Feuerwehr in der Region Hof zahlreiche Keller leer pumpen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt blieb die Nacht hingegen ruhig, obwohl Meteorologen erneut vor Unwettern gewarnt hatten.

Straßen standen unter Wasser

Ein schweres Gewitter ist über Teile Norddeutschlands hinweggezogen und hat Straßen und Keller unter Wasser gesetzt. In Hamburg musste die Feuerwehr nach eigenen Angaben zu 58 Einsätzen ausrücken. Ein Blitz schlug demnach in den Dachstuhl eines Hauses ein und löste ein Feuer aus. Zudem habe der starke Wind Äste abgebrochen. Wegen des teilweise kräftigen Regens kam es zu Verkehrsbehinderungen, verletzt wurde aber niemand.

Auch im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein war die Feuerwehr ständig im Einsatz, um Keller auszupumpen. Insgesamt musste die Feuerwehr dort zu 56 Einsätzen ausrücken. Zeitweise standen Straßen so unter Wasser, dass sie kurzzeitig für den Verkehr gesperrt werden mussten. Zwei Bahnunterführungen waren zeitweise nicht passierbar.

Blitz traf Stromleitung

Drei Blitzeinschläge haben im nördlichen Niedersachsen zudem zu Verspätungen im Bahnverkehr geführt. Kurz vor 18 Uhr fiel an der Hauptstrecke Hamburg - Bremen das Stellwerk Hittfeld aus, weil ein Blitz eine Stromleitung getroffen hatte. Dadurch sei die Strecke bis 21.30 Uhr blockiert worden, sagte eine Bahnsprecherin am Mittwoch in Hannover. Die Züge habe man über Maschen im Süden Hamburgs umgeleitet.

Bereits gegen 16 Uhr war zwischen Celle und Uelzen ein Baum vom Blitz getroffen worden und in die Oberleitung der Bahn gestürzt. Die Hauptstrecke von Hannover nach Hamburg musste zeitweilig gesperrt werden. Gegen 21.30 Uhr legte ein dritter Blitzschlag das Stellwerk Garßen bei Celle für eine Viertelstunde lahm. Dies führte zu weiteren Verspätungen.

DPA/AP AP DPA

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