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Verschwundener Airbus: Air France befürchtet Blitzeinschlag

Ein Airbus der Fluggesellschaft Air France mit 228 Menschen an Bord wird vermisst. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris, als es am Montagmorgen von den Bildschirmen der Radarstationen verschwand. Die Fluggesellschaft spricht von einem Blitz als möglicher Absturzursache.

Ein Airbus der Fluggesellschaft Air France mit 228 Menschen an Bord ist unmittelbar nach der Durchquerung einer Gewitterzone über dem Atlantik verschwunden. Es gebe kaum noch Hoffnung, sagte der französische Verkehrsminister Jean-Louis Borloo am Montag. Man müsse "das Schlimmste befürchten", sagte er dem Radiosender Europe-1.

Die Maschine war auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris, wie die französische Fluggesellschaft mitteilte. Wie geplant war sie um Mitternacht in Rio de Janeiro gestartet. Gegen vier Uhr Mitteleuropäischer Zeit durchquerte der Airbus eine "Gewitterzone mit schweren Turbulenzen", wie Air France erklärte. Knapp eine Viertelstunde später wurde von der Maschine eine automatische Fehlermeldung versandt, die eine Panne im elektrischen Kreislauf meldete. Danach gab es keinen Funkkontakt mehr, die Maschine verschwand ohne Vorwarnung von den Radarschirmen. An Bord waren 216 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder. Der Flug AF 447 sollte ursprünglich um 11.15 Uhr in Paris landen.

"Wir stehen vor einer Luftfahrtkatastrophe"

Der brasilianischen Luftwaffe zufolge verschwand der Airbus in der Nacht zum Montag (Ortszeit) rund 300 Kilometer nordöstlich der Küstenstadt Natal, also etwa 1.500 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro. Die Behörden hätten nahe der Inselgruppe Fernando de Noronha eine Suche gestartet, erklärte ein Luftwaffensprecher. Ein Vertreter der brasilianischen Luftfahrtvereinigung sagte, die Suche werde sicher sehr lange dauern. "Es könnte eine lange, traurige Geschichte werden. Die Black Box wird auf dem Meeresgrund liegen", sagte Douglas Ferreira Machado. "Das Flugzeug könnte von einem Blitz getroffen worden sein", erklärte der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon. Möglicherweise sei mitten in einem Unwetter die Stromversorgung ausgefallen. "Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe." Experten schlossen auch einen Terroranschlag nicht völlig aus. "Wir verstehen nicht, was passiert ist", sagte Verkehrs- Staatssekretär Dominique Bussereau. "Die Hypothese einer Entführung scheint ausgeschlossen, denn die Maschine hätte irgendwo landen müssen. Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen." Dagegen erklärte die Pilotengesellschaft SMPM: "Wir behalten ein Fünkchen Hoffnung."

Nach Angaben der Pariser Flughäfen (ADP) waren mindestens 60 Franzosen an Bord der Maschine. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte zunächst keine Angaben machen, ob unter den Passagieren eventuell auch Deutsche Staatsbürger waren. Air France richtete für die Familien der Insassen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle ein Informationszentrum ein. Minister Borloo kündigte für den Nachmittag eine Pressekonferenz auf dem Flughafen an. Luftfahrtexperten zufolge konnte das Flugzeug angesichts des mitgeführten Spritvorrats am Montagnachmittag nicht mehr in der Luft sein. Es sei seit mindestens drei Stunden überfällig, sagte der Analyst Chris Yates von Jane's Aviation. "Es wurde kein Notruf empfangen. Das führt zu dem Schluss, dass etwas Katastrophales passiert ist, das zum Absturz führte", sagte Yates. Da es keinen Notruf gegeben habe, müsse alles sehr schnell gegangen sein. Damit sei von mechanischem Versagen bis zu einem Terroranschlag alles möglich, meinte auch er. Airbus nahm zu dem Vorgang zunächst nicht Stellung. Laut Air France ist das Flugzeug seit 2005 im Einsatz und wurde zuletzt am 16. April gewartet.

Air France hat für Nachfragen über Passagiere aus dem Ausland ein Notfall-Telefon eingerichtet, die Nummer lautet 0033-1-57 02 10 55

DPA/AFP