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Schwedens Ministerpräsident: Brisante Verbindungen – was Thrillerautor Stieg Larsson über den Mordfall Olof Palme herausfand

Im Archiv des verstorbenen Erfolgsautors Stieg Larsson wurde ein Sensationsfund gemacht: Jahrelang recherchierte er wie ein Besessener die Hintergründe des Mordes am schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme. Nun verfolgt ein Journalist Larssons Spuren weiter.

Mordfall Olof Palme: Stieg Larrson entdeckte hochbrisantes Netzwerk

Mehrere Kartons voller Material umfasste Stieg Larssons Recherche zum Mord an Olof Palme (Foto von 1985)

Eisig kalt war es am Abend des 28. Februar 1986 in Stockholm. Minus sieben Grad, windig. Um kurz nach 23 Uhr trat der schwedische Ministerpräsident Olof Palme mit seiner Frau Lisbeth, ihrem 24-jährigen Sohn Mårten und dessen Freundin aus dem "Grand"-Kino auf die vereiste Straße.

Die vier hatten zusammen den avantgardistischen Film "Die Mozart-Brüder" gesehen. Nun besprachen sie sich kurz, ob man noch eine Tasse Tee trinken gehen sollte, befanden aber, es sei schon zu spät. Die beiden Paare verabschiedeten sich. Olof und Lisbeth Palme beschlossen, die knapp zwei Kilometer zu ihrer Wohnung in der Västerlånggatan 31 in der Altstadt "Gamla Stan" zu Fuß zu gehen. Seine Leibwächter hatte Palme schon am frühen Nachmittag nach Hause geschickt. Er hasste die erzwungene Gesellschaft.

Die Nacht, in der Olof Palme starb

Palme und seine Frau gingen vorbei am Friedhof der Adolf-Friedrich-Kirche und überquerten die mehrspurige Hauptverkehrsader Sveavägen. Kaum waren sie auf der Höhe des Tapetengeschäfts Dekorima angekommen, löste sich aus dessen Eingangsbereich ein Schatten und eilte auf die beiden zu.

Zwei Schüsse hallten durch die eisige Nacht, und Olof Palme brach zusammen. Der Schatten hastete in die enge, dunkle Gasse Tunnelgatan, rannte in Richtung einer steilen Treppe und verschwand über die 89 Stufen, die hinauf auf den Brunkebergsåsen führten – einen Bergkamm inmitten der Stadt, ein Relikt aus der Eiszeit, ein Zeugnis unkontrollierbarer Kräfte aus dunkelster Urzeit.

Der Mord an dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten traumatisierte Schweden. Die Sozialutopie des "Volksheim", des humanen Wohlfahrtsstaats, war blutbefleckt. Der Traum von einer gerechten, friedlichen Gesellschaft zerplatzte. Der Verlauf der Ermittlungen offenbarte eine unfähige Polizei und legte korrupte Institutionen frei. Bis heute wurde der Täter nicht gefasst.

Auch ihn hat das Palme-Fieber erfasst: der schwedische Journalist Jan Stocklassa

Auch ihn hat das Palme-Fieber erfasst: der schwedische Journalist Jan Stocklassa

Im Laufe der Jahre sammelten sich im Keller des Stockholmer Polizeihauptquartiers 270 Meter Akten an, daneben 3600 Bände an Zusatzmaterial. Es wurden 10.000 Zeugen vernommen und 8000 Spuren untersucht. Insgesamt zirkuliert mindestens ein halbes Dutzend Theorien über den Mord. Die RAF wurde für die Tat verantwortlich gemacht, die PKK, von der CIA und dem KGB gar nicht zu reden. Der Fall entwickelte sich zu einem der Lieblingsexerzierplätze für Verschwörungstheoretiker aller Art. Der Mord bleibt eines der größten ungelösten Rätsel der Kriminalgeschichte.

Der schwedische Autor Jan Stocklassa steht am Tatort. Der Eingang, aus dem der Mörder hervorsprang, führt heute in ein "Urban Deli". Hipster mit Kaffeebechern in der Hand strömen aus der Tür. Stocklassa hat den Kragen hochgeschlagen. Wieder kalt in Stockholm. Er achtet darauf, dass er nicht auf die bronzene Gedenkplatte für Olof Palme tritt, die hier in den Bürgersteig eingelassen ist. Um ihn herum hasten Passanten mit Einkaufstüten. Kaum einer beachtet die Gedenkplatte. Aber auch kaum einer tritt auf sie. Der Respekt muss ins schwedische Unterbewusstsein gesickert sein.

Anatomie der rechtsradikalen Szene

Stocklassa zeigt auf die Treppenstufen am Ende der Tunnelgatan, über die der Täter geflohen ist: "Eigentlich ein ungünstiger Fluchtweg. Jeder, der von oben kommt, kann einen leicht aufhalten. Man müsste ihn erschießen. Andererseits: Ist man erst einmal oben, ist man in Sicherheit. Kein Polizeiauto kommt hinterher."

Stocklassa grübelt. Ist das hier jetzt ein guter oder ein schlechter Ort für einen Mord? War es eine improvisierte oder eine geplante Tat? Hat einen das Palme-Fieber erst einmal erfasst, wird man es nie wieder los. Wer den Fall löst, geht in die Kriminalgeschichte ein. Irgendwo muss doch der Schlüssel zu dem Jahrhunderträtsel liegen!

Stocklassa kam über Umwege zu dem Fall. Eigentlich wollte er ein Buch darüber schreiben, was Orte zu Tatorten macht. Bei seinen Recherchen stieß er auf den verschrobenen schwedischen Arzt Alf Enerström. Der hatte lange in einem großbürgerlichen Appartement in Stockholm gelebt, in dem in den 1930er Jahren ein legendärer Dreifachmord begangen worden war. Und auch Enerström sollte später auf eine Polizistin schießen. Gab es so etwas wie einen Fluch der Tatorte?

Bestsellerautor Stieg Larsson (1954–2004)

Bestsellerautor Stieg Larsson (1954–2004)

Stocklassa war fasziniert von Enerström. Der kuriose Arzt war einer der größten Palme-Hasser Schwedens. Und davon gab es nicht wenige. Der Ministerpräsident polarisierte mit seinen kämpferischen, sozialdemokratischen Positionen. Es gab den Verdacht, dass der rechtsradikale Enerström in den Mord am Ministerpräsidenten verwickelt war.

Stocklassa wurde vom Palme-Fieber gepackt. Um Enerströms Verbindungen ins rechtsradikale Milieu zu untersuchen, kontaktierte er die Extremismus-Expertin Anna-Lena Lodenius. Sie gewährte ihm Zugang zu ihrem Archiv. Dort fand Stocklassa einen detaillierten Steckbrief von Enerström. Die Studie war wie eine Anatomie der rechtsradikalen Szene. Stocklassa fragte, wer das Profil verfasst habe. Lodenius antwortete: "Stieg Larsson."

Sachbuch über Rechtsextremismus

Ebenjener Stieg Larsson? Einer der berühmtesten Thrillerautoren der Welt, dessen Werke sich mehr als 80 Millionen Mal verkauft hatten? Der Verfasser der "Millennium"-Trilogie um das Ermittler-Paar Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander, der noch vor der Veröffentlichung seiner Romane 2004 an einem Herzinfarkt verstorben war und den Erfolg seiner Bücher nicht mehr erleben durfte? Dessen Familie im erbitterten Erbstreit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Eva Gabrielsson lag, die nichts von den Erlösen der Bücher erhalten sollte, weil sie nicht mit dem Autor verheiratet gewesen war?

Ebenjener.

Lange bevor Stieg Larsson zum Bestsellerautor wurde, hatte er zusammen mit Anna-Lena Lodenius ein Sachbuch über Rechtsextremismus verfasst. Sein Leben lang hatte sich Larsson dem Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus verschrieben. Schon in den 90er Jahren hatte er vor den rechtspopulistischen "Schwedendemokraten" gewarnt, die inzwischen die drittstärkste Partei im Parlament sind. Hellsichtig hatte er die Wandlung von tumben Neonazis hin zu Salonfaschisten analysiert.

Heimliche Videoaufnahme von dem Mann, den Stocklassa Jakob Thedelin nennt und den er verdächtigt, an dem Komplott beteiligt gewesen zu sein

Heimliche Videoaufnahme von dem Mann, den Stocklassa Jakob Thedelin nennt und den er verdächtigt, an dem Komplott beteiligt gewesen zu sein

Und nun stellte sich heraus, dass Larsson auch jahrelang über den spektakulärsten Kriminalfall Schwedens recherchiert hatte. Stocklassa erfuhr, dass die von Larsson 1995 gegründete, antifaschistische Zeitschrift "Expo" noch Material des Thrillerautors besaß. In einer geheimen Mietlagerhalle im Stockholmer Speckgürtel durfte er 15 Umzugskartons sichten und entdeckte eine Sammlung von altmodischen Hängemappen voller Aufzeichnungen, Skizzen und Rechercheprotokollen zum Palme-Mord. Stocklassa trat aus dem Geheimarchiv und war schon mittendrin im Larsson-Thriller.

Als Stieg Larsson am Morgen des 1. März 1986 von dem Mord erfuhr, brach er in Tränen aus. Obwohl er selbst noch radikaler als der Sozialdemokrat Palme war, bewunderte er den Ministerpräsidenten. Noch am Tag nach der Tat begab er sich mit seiner Lebensgefährtin Eva Gabrielsson an den Tatort.

Der Arzt und Rechtsextremist Alf Enerström soll Teil einer südafrikanischen Agentenverschwörung gewesen sein

Der Arzt und Rechtsextremist Alf Enerström soll Teil einer südafrikanischen Agentenverschwörung gewesen sein

Damals arbeitete Larsson als Infografiker in der Nachrichtenagentur TT. Es sollte noch lange dauern, bis er erste Versuche als Schriftsteller unternehmen würde. Aber schon damals übte er sich in komplexen Kriminaletüden: Gleich nach dem Mord an dem Ministerpräsidenten erhielt er den Auftrag, eine Infografik vom Tatort zu erstellen. Und schon bald ging er selbst auf Mörderjagd. Das Palme-Fieber hatte ihn erfasst.

Südafrikanische Geheimagenten

Neben seiner Arbeit trieb er seine eigenen Recherchen voran. Stundenlang saß er bei Kaffee und Zigaretten bis tief in die Nacht in seinem Büro in der Nachrichtenagentur, kritzelte Schaubilder und Diagramme. Diskret knüpfte er Kontakte in den schwedischen Inlandsgeheimdienst Säpo. So brachte er in Erfahrung, dass wichtige Spuren ins rechtsextreme Milieu führten. Hier kannte er sich aus.

Larsson arbeitete damals als freier Autor für das antifaschistische Magazin "Searchlight" aus Großbritannien, nach dessen Vorbild er später seine eigene Zeitschrift "Expo" gründen würde. Von "Searchlight" bekam er den Hinweis, dass südafrikanische Geheimagenten ein Mordkomplott gegen den schwedischen Ministerpräsidenten geplant haben könnten.

Olof Palme hatte das Apartheidregime immer kritisiert. Außerdem wollte er den schwedischen Waffenhandel mit Südafrika eindämmen. Den Profiteuren der Apartheid drohten Millionenverluste. "Searchlight" hatte von einem ehemaligen Agenten des britischen Geheimdienstes MI6 die Information erhalten, dass der schwedische Ex-Offizier Bertil Wedin hinter dem Mord stecken könnte. Wedin arbeitete inzwischen für den südafrikanischen Geheimdienst. Larsson fand heraus, dass er auch beste Verbindungen ins schwedische Rechtsradikalen-Milieu hatte. Larsson vermutete: Die südafrikanischen Agenten hatten den Mord geplant und die schwedischen Rechtsradikalen die Ausführung übernommen.

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1987 übergab Larsson die Ergebnisse seiner Ermittlungen der Polizei. Die südafrikanische Spur war nicht ganz neu. Aber noch niemand hatte die Verflechtungen des Geheimdienstes mit dem rechtsextremistischen Milieu so deutlich herausgearbeitet. Doch der südafrikanische Geheimagent Bertil Wedin wurde nie befragt. Denn zu der Zeit waren die Ermittler noch davon überzeugt, dass die kurdische Widerstandsorganisation PKK den Mord in Auftrag gegeben hatte.

Nachdem Larsson viele Monate mit dem Palme-Mord verbracht hatte, ahnte er, dass dieser Fall kaum unter Kontrolle zu bringen war. Aber es gab eine Möglichkeit, hochkomplexe Kriminalfälle so zu präsentieren, dass sie die düsteren Seiten einer Gesellschaft offenbarten: Man musste sie nur selbst erfinden.

"Stieg Larssons Erbe"

So begann Stieg Larssons Karriere als Autor. In seinen Thrillern konnte er all das anwenden, was er im Laufe seiner Palme-Recherchen gelernt hatte. Nun beherrschte er das Handwerk, nun hatte er sein Thema: die dunkle Seite der schwedischen Sozialutopie, die blutigen Keller des Volksheims.

Seine Nachforschungen im größten Mordfall Schwedens waren das Trainingslager für seine Romane gewesen. Die Stunden in den staubigen Archiven und draußen im zugigen Wind an den Infoständen der Rechtsradikalen waren der Katalysator gewesen, der den eigenbrötlerischen Infografiker in einen Meister der vertrackten Krimi-Plots verwandelt hatte. Bis zur letzten Thrillerseite wird Larsson den Fall im Kopf haben. Im letzten Band der "Millennium"-Trilogie wird der Palme-Mord explizit in Zusammenhang mit der rechtsextremistischen Unterwanderung der schwedischen Geheimpolizei Säpo gebracht.

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Obwohl Larsson die Recherchen zum Palme-Mord beiseitegelegt hatte, kam er nie wirklich von ihm los. In Gesprächen mit Larssons Lebensgefährtin Eva Gabrielsson erfuhr Stocklassa, dass Larsson bis zu seinem Tode mit dem Gedanken spielte, weiter über diesen Fall zu recherchieren. Und da nun auch Stocklassa vom Palme-Virus ergriffen war, beschloss er, Larssons Spuren weiter zu verfolgen. Seine Rechercheergebnisse hat er in seinem Buch "Stieg Larssons Erbe" zusammengeführt, das nun im Europa Verlag erscheint.

Früh stößt Stocklassa auf einen rechtsradikalen Sonderling, der zum Zeitpunkt des Mordes ein jugendlicher Bewunderer des verschrobenen Arztes Alf Enerström gewesen war. Er nennt ihn Jakob Thedelin. Für Stocklassa ist er das entscheidende Bindeglied zwischen dem südafrikanischen Mordkomplott und der schwedischen Extremistenszene.

Stocklassa durchleuchtet den Sonderling, der inzwischen für die rechtspopulistischen "Schwedendemokraten" tätig ist. Bald arbeitet Stocklassa wie Mikael Blomkvist, der unaufhaltsame Journalist aus Larssons Romanen. Er studiert Jakob Thedelins Facebook-Profil und stößt in der Freundesliste auf eine Tschechin. Er nimmt Kontakt zu ihr auf, besucht sie in Prag, erzählt ihr von seinen Recherchen. Die Frau erweist sich als abenteuerlustig und ist bereit, ihm zu helfen. Stocklassa nennt sie Lída Komárková, um sie zu schützen.

Keine Tatwaffe gefunden

Lída reist nach Schweden. Stocklassa stattet sie mit einem GPS-Tracker und einer versteckten Kamera aus. Derart ausgerüstet, verabredet sie sich mit Thedelin und sammelt Material über den verschrobenen Mann. Die Honigfalle schnappt zu. Thedelin ist besessen von dem Mord an Palme, er geht mit Lída zum Grab des Ministerpräsidenten und spuckt auf den Gedenkstein.

Neben seinen Recherchen im rechtsextremen Milieu Schwedens verfolgt Stocklassa weiterhin die Südafrika-Spur. Kauft einen Kamera-Stift, reist nach Zypern und spürt dort den südafrikanischen Agenten Bertil Wedin auf. Agent und Autor treffen sich, trinken Bier zusammen, diskutieren stundenlang. Stocklassa filmt heimlich, doch der Geheimagent streitet jede Verwicklung in den Mordfall ab.

Immer mehr verwandeln sich Stocklassas Recherchen in einen wahrhaftigen Larsson-Thriller. Doch er versichert, sein Buch sei sauber dokumentiert. Nur manche Szenen und Dialoge habe er ein wenig dramatisiert. Zur Bekräftigung spielt er heimlich gefilmtes Videomaterial aus Lídas Spionagekamera vor. Die Tschechin operiert an der Grenze zur Legalität. Sie vermittelt den Kontakt zu einem Hacker. Sie ähnelt Lisbeth Salander, jener furchtlosen Hackerin aus Stieg Larssons Thrillern. Bald spielt sie Stocklassa E-Mails zu: Jakob Thedelin steht in Kontakt mit dem südafrikanischen Ex-Agenten Bertil Wedin. Für Stocklassa ist dies der Beweis, dass die Spur des Palme-Mörders über schwedische Rechtsextreme direkt nach Südafrika führt.

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Nun ist er sich sicher, dass Jakob Thedelin der tumbe Sündenbock in einer südafrikanischen Agentenverschwörung ist. Ein ferngesteuerter Tölpel, der nicht weiß, für wen er handelt. Ähnelt er nicht auch frappant dem Phantombild des Täters?

Stocklassa hat immer gehofft, die Tatwaffe zu finden. Er vermutete sie in einem Schließfach, das Thedelin angemietet hat. Kurz vor Veröffentlichung seines Buches bestellte die Polizei Stocklassa zur Befragung ein. Die Ermittler zeigten sich höchst interessiert an seinen Recherchen. Gleich im Anschluss wurden sie bei Thedelin mit einem Durchsuchungsbefehl vorstellig und ließen sich auch das Schließfach zeigen. Die Tatwaffe fanden sie nicht. "Natürlich war das eine Enttäuschung", sagt Stocklassa. "Aber ich habe sie daran erinnert, dass ich schon seit sechs Jahren ahnte, dass Thedelin in Besitz einer Waffe von gleichem Kaliber wie die Mordwaffe sein könnte. Und seit zwei Jahren wusste Thedelin, was ich über ihn herausgefunden hatte." Zeit genug, alle Spuren zu beseitigen. Jetzt versucht die Polizei, Wedin zu verhören. Bislang vergebens.

Viele Mutmaßungen

Acht Jahre hat Stocklassa mit dem Fall verbracht. Seine Dokumentation von Larssons Recherchen ist überaus faszinierend. Sie zeigt die Geburtsstunde eines der erfolgreichsten Thrillerautoren der Welt, gibt aufschlussreichen Einblick in seine Arbeitsweise. Stocklassas Weiterführungen von Larssons Ermittlungen sind zwar in sich schlüssig, fundieren allerdings auf vielen Mutmaßungen.

Stocklassa sagt, er habe über die Jahre anonyme Drohanrufe erhalten. In dem abgefangenen Mailwechsel zwischen Wedin und Thedelin musste er immer wieder auch Drohungen gegen sich selbst lesen. Er sagt, er könne nur Teile eines Puzzles liefern. Niemand könne sich anmaßen, diesen hochkomplexen Fall zu lösen. "Die Recherchen haben mich bescheidener gemacht", sagt er.

Er sagt, er sei kein besonders mutiger Mensch. Es habe ihn viel Überwindung gekostet, unter Geheimagenten und Rechtsradikalen zu recherchieren. Aber es habe ihm auch neues Selbstbewusstsein gegeben. Und er habe eine neue Liebe gefunden: Lída Komárková, seine Lisbeth Salander. Er lächelt verschämt. Als wäre ihm diese Wendung des Plots nun doch etwas zu dick aufgetragen.

Der Artikel über den Mordfall Olof Palme ist dem aktuellen stern entnommen: