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Wirbelsturm in Myanmar: Regierung rechnet mit 15.000 Toten

Drei Tage nach dem verheerenden Wirbelsturm Nargis lässt sich die Lage in Myanmar immer noch nicht genau abschätzen. Inzwischen gehen offizielle Stellen aber von über 15.000 Toten aus. Nun akzeptiert die Militärregierung des sonst abgeschotteten Landes internationale Hilfsangebote.

Das ganze Ausmaß des verheerenden Zyklons in Myanmar wird immer deutlicher. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete unter Berufung auf Regierungsquellen in Myanmar von mindestens 15.000 Toten. China ist der engste Verbündete der Militärjunta und hat in der Regel einen guten Draht zu den Generälen. Nach offiziellen Angaben allein in einem Ort 10.000 Menschen getötet worden. "In Bogalay liegt die Zahl der Toten bei etwa 10.000", berichtete das staatliche Fernsehen. Diplomaten zufolge war die Militärregierung zuvor insgesamt von 10.000 Toten und 3000 Vermissten ausgegangen.

Zyklon "Nargis" raste am vergangenen Samstag mit einer mehr als drei Meter hoher Flutwelle an Land. Im Delta des Irrawaddy-Flusses wurden zahllose Dörfer überschwemmt. Uralte Bäume wurden von der Wucht der Orkanböen aus dem Boden gerissen und versperrten Straßen. Hunderttausende Menschen wurden obdachlos.

Reisernte dürfte zerstört sein

Einwohner von Rangun, denen es gelang, Kontakt zu Verwandten im Irrawaddy-Delta herzustellen, berichteten von verheerenden Zuständen. Manche Dörfer seien dem Erdboden gleichgemacht. In anderen hätten kaum zehn Prozent der Bevölkerung überlebt. Die Reisernte, die in den nächsten Wochen eingefahren werden sollte, dürfte zerstört sein - eine Hiobsbotschaft für die Bevölkerung in dem bitterarmen Land.

Birmanische Dissidenten haben der Militärjunta vorgeworfen, die Bevölkerung nicht ausreichend vor dem herannahenden Zyklon gewarnt zu haben. "Sie waren zu sehr damit beschäftigt, ihr Referendum vorzubereiten", sagte Soe Aung am Dienstag in Bangkok. Er ist Sprecher der Oppositionspartei "Nationalliga für Demokratie" von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi im Exil. Er rief die Junta auf, das für Samstag geplante Referendum zu verschieben, damit die Behörden sich um die Opfer der Naturkatastrophe kümmern können. "Das Referendum ist ihnen so wichtig, weil sie damit ihre Macht für immer zementieren wollen - sie haben dem Zyklon einfach keine Beachtung geschenkt", sagte er.

Die Regierung, die ihr Land seit Jahrzehnten abschottet und abgesehen von Touristen nur wenigen Ausländern Zugang erteilt, hat inzwischen UN-Hilfe akzeptiert. "Wir werden umgehend die am dringendsten benötigte humanitäre Unterstützung liefern", sagte der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki Moon. "Wegen fehlender Kommunikation und Informationen sind wir noch nicht ganz sicher über das Ausmaß der Schäden und die Zahl der Toten."

"Sehr traurig und alarmiert"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ist nach eigenen Worten "sehr traurig und alarmiert" angesichts der Wirbelsturmkatastrophe in Myanmar und der steigenden Opferzahlen. Wegen der schlechten Kommunikation und Informationslage sei das ganze Ausmaß der Schäden noch nicht abzuschätzen, sagte Ban vor Journalisten in New York. Er habe bereits ein UN-Team zur Einschätzung der Lage mobilisiert, erklärte Ban. Außerdem werde sein Stabschef mit dem UN-Botschafter Myanmars zusammentreffen, um sich ein Bild über die Lage zu verschaffen.

In den USA appellierte First Lady Laura Bush an das Militärregime, einem Team von Katastrophenschutzexperten der USA die Einreise zu erlauben. Die US-Botschaft in Rangun sagte 250.000 Dollar (162.000 Euro) als eine erste Nothilfe für im Land arbeitende Hilfsorganisationen zu. Die USA seien bereit, Myanmar wesentlich umfangreicher zu helfen, betonte Bush. Dazu müssten sich aber die US-Experten erst einmal ein Bild von der Lage machen. "Die Regierung in Myanmar sollte dieses Team schnell empfangen, wie auch andere internationale Hilfsangebote", sagte Bush. Sie hat sich in der Vergangenheit immer wieder für die Beachtung der Menschenrechte in dem von einer Militärregierung beherrschten Land eingesetzt. Sie warf dem Regime auch jetzt wieder vor, die Menschen nicht rechtzeitig vor der heranziehenden Gefahr des Wirbelsturms gewarnt und ihnen dann nicht schnell genug geholfen zu haben.

Bundesregierung sagt 500.000 Euro zu

Das Auswärtige Amt in Berlin hat deutschen Hilfsorganisationen 500.000 Euro für humanitäre Hilfe in Myanmar zugesagt. Die Aktion "Deutschland Hilft", der zehn deutsche Hilfsorganisation angehören, will nach eigenen Angaben 200.000 Euro als Soforthilfe zur Verfügung stellen. Die EU-Kommission hat zwei Millionen Euro bereitgestellt. Frankreich hat 200.000 Euro zugesagt.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters
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