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Zugunglück: Entgleister ICE entgeht knapp der Katastrophe

Ein mit rund 100 Passagieren besetzter ICE ist am Donnerstagmorgen auf der Strecke Basel - Freiburg entgleist. Dabei wurde ein Mann schwer verletzt, es soll jedoch keine Toten gegeben haben.

In den Weinbergen des südbadischen Dorfes Efringen-Kirchen sind mehr als 100 Zugpassagiere am Donnerstag einer Katastrophe entgangen. Gegen 9.30 Uhr stürzte ein Winzer mit seinem Traktor einen steilen Weinberg herab, direkt auf die Gleise der stark befahrenen ICE-Strecke. Der herannahende ICE 600 auf dem Weg von Basel nach Dortmund prallte gegen den Traktor und sprang aus den Schienen. Ein zweiter ICE streifte den verunglückten Zug. Doch das Unglück verlief glimpflich.

Fünf Stunden ging nichts mehr

Normalerweise donnern am Ortsrand von Efringen-Kirchen nahe der deutsch-schweizerischen Grenze die Züge auf der Bahnfernstrecke zwischen Freiburg und Basel entlang. Nach dem Unfall herrschte in dem Ort beängstigende Ruhe. Für Stunden ging nichts mehr auf der zweigleisigen Hauptverkehrsachse in die Schweiz und nach Italien. Der Fahrer des verunglückten Traktors, ein Weinbauer, wurde durch den Unfall schwer verletzt, eine Reisende leicht.

Der Traktor ist fast zur Unkenntlichkeit zertrümmert worden. Durch den Aufprall entgleiste der Triebwagen des ICE 600. Der entgegenkommende ICE 271 berührte den aus den Gleisen gesprungenen Wagen, konnte seine Fahrt aber fortsetzen.

Keiner ernsthaft verletzt

"Außer dem Traktorfahrer wurde keine weitere Person der rund 100 Reisenden ernsthaft verletzt", sagt Polizei-Einsatzleiter Thorsten Kruijer in einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Unglücksort. Zahlreiche Passagiere hätten einen gehörigen Schrecken gehabt, leichtere Schürfwunden sowie Prellungen erlitten. Der Zugführer sei unversehrt geblieben.

"Der Lokführer hat die Bremsung selber eingeleitet", sagt Bahnsprecher Jürgen Lange. Der Zug sei auf der bergigen und kurvenreichen Strecke lediglich mit 80 Stundenkilometern gefahren. Daher sei der Unfall ohne schwere Folgen verlaufen. "Ich bin froh, dass das Ganze nicht viel schlimmer abgelaufen ist", sagt Lange.

Materieller Schaden noch unklar

"Wie hoch der materielle Schaden sein wird, ist unklar", sagt Kruijer. Klar ist allerdings, dass der Triebkopf des ICE und das Gleis stark beschädigt sind. Ein Mast der Fahrleitung ist komplett zerstört. Und die Strecke bleibt auch Stunden nach dem Unfall komplett gesperrt. Bundesweit kommt es im Bahnverkehr zu Verspätungen. Der Güterbahnverkehr zwischen Mannheim und Zürich bleibt vorerst ganz eingestellt.

"Mein Gott, was kommt da auf uns zu", war mein erster Gedanke bei der Alarmierung, sagt der freiwillige Feuerwehrmann Hanspeter Walter. Er gehörte zu den bis zu hundert Einsatzkräften vor Ort. Den Traktorfahrer kenne er persönlich, Winzer und Familienvater sei er. Walter, Mitglied der örtlichen Feuerwehr, wohnt selbst direkt an den Gleisen. "Wenn es nicht so tragisch wäre, könnte man die Ruhe heute auf dem Balkon richtig genießen", sagt er.

Erinnerungen an Eschede

Am Rande des Geschehens sind nur wenige Schaulustige zu sehen. Bei ihnen werden schnell Erinnerungen an das ICE-Unglück von Eschede wach. "Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen" sagt einer.

Nach dem Unfall wurden die Passagiere in die abgekoppelte zweite Zughälfte gesetzt und von einer Diesellok in den nächsten Bahnhof gezogen. Sie konnten mit erheblicher Verspätung weiterreisen.

DPA

AP / AP