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Zugunglück in Peine: Regionalexpress rast in entgleisten Güterwaggon

In Peine ist ein Regionalexpress in einen entgleisten Güterzug gerast: 16 Menschen wurden verletzt, der Lokführer schwebte in Lebensgefahr.

Bei der Kollision eines Regionalexpresses mit Waggons eines entgleisten Güterzuges sind am späten Mittwochabend in Peine 16 Menschen verletzt worden. An der Unglückstelle begann am Donnerstag die Bergung entgleister Wagen. Die Reparatur von Gleisen und Oberleitungen werde bis kommenden Dienstag dauern, sagte ein Bahnsprecher in Hannover. Die vielbefahrene Bahnstrecke von Hannover nach Braunschweig bleibe solange unterbrochen.

Der mit 66 Reisenden besetzte Regionalzug fuhr in Kieswaggons hinein, die aus den Schienen gesprungen waren und das zweite Gleis der Strecke blockierten. Bei der Kollision wurden 15 Reisende leicht und der 41-jährige Lokführer des Personenzuges schwer verletzt. Er wurde mit mehreren offenen Beinbrüchen in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht. Zwischenzeitlich habe man um das Leben des Verletzten bangen müssen, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Der Lokführer des Güterzuges blieb unverletzt.

An der Unglücksstelle traf am Donnerstagnachmittag ein Spezialkran mit 600 Tonnen Tragkraft ein, um die in einen Garten gestürzte E-Lok und einen Doppelstockwagen des Personenzuges zu bergen. Die Räumung der Unfallstelle sollte bis in die Nachtstunden dauern.

Ursache des Unfalls sei entweder ein technischer Defekt am Gleis oder an Waggons, sagte der Geschäftsführer der Mittelweserbahn, Hans-Peter Kempf, dem DAPD. Ein Hindernis auf den Schienen scheide als Ursache aus, da der vordere Zugteil die Unfallstelle problemlos passiert habe. Es handele sich um den ersten großen Unfall seit der Gründung des Unternehmens vor zwölf Jahren. Auch ein Sprecher der Bundespolizei ging von einer technischen Ursache aus.

Die Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle (EUB) hingegen legte sich zunächst nicht fest. Die EUB ermittle derzeit an der Unglücksstelle, sagte Sprecher Ralph Fischer auf DAPD-Anfrage. Die Untersuchungen gingen in drei Richtungen: Betrieb, Fahrzeuge und Oberbau. "Der Schwerpunkt der aktuellen Untersuchungen liegt im Fahrzeugbereich", fügte Fischer hinzu.

Bereits bei der Durchfahrt im Bahnhof Peine traten laut EUB Unregelmäßigkeiten am Zug auf. Der Führer des Güterzugs wurde zum Halten aufgefordert. Als er bremste, riss der Zug in zwei Teile. Zuvor sei nach derzeitigen Erkenntnissen mindestens ein Wagen des Güterzuges entgleist, sagte Fischer weiter.

Die Lok und fünf Waggons des Güterzuges kamen laut Bundespolizei weit vor der späteren Unfallstelle zum Stehen. Die Spitze des längeren hinteren Zugteils rutschte in den Bereich des Nachbargleises. Gegen sie prallte kurz darauf der herannahende Regionalexpress. "Es blieb keine Zeit mehr, um den Lokführer des Regionalexpress noch zu warnen", sagte am Unglücksort der Sprecher der Bundespolizei, Christian Brandt. Die E-Lok des Regionalzuges wurde durch den Zusammenstoß nach rechts aus dem Gleis geschleudert, durchbrach eine Lärmschutzwand und kippte seitwärts in einen Garten.

Zu einem weiteren Zugunglück mit einem Toten kam es im schleswig-holsteinischen Meldorf (Kreis Dithmarschen). Ersten Erkenntnissen zufolge fuhr ein 81-jähriger Pkw-Fahrer über einen Bahnübergang und wurde dabei von einem Zug erfasst, wie die Bundespolizei mitteilte.

Die 58 Reisenden im Zug blieben trotz eingeleiteter Schnellbremsung unverletzt. Einen Schock erlitt hingegen der Lokführer. Die Bahnstrecke wurde für mehrere Stunden gesperrt. Wie es zu dem Unfall kam, war zunächst unklar. Die Bundespolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

msl/APN / APN