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Rekordniederschläge: Regen, Regen, Regen: Noch halten die Dämme

Erst war er nur ärgerlich, nun ist er vielerorts gefährlich: Dauerregen macht den Rettungskräften vielerorts in Deutschland ernsthafte Sorgen. Noch konnten Überflutungen verhindert werden, doch es schüttet weiter.

Nach heftigem und lange andauerndem spitzt sich die Lage in einigen Landesteilen zu. Mancherorts fiel in den vergangenen 48 Stunden so viel Regen wie sonst im gesamten Juli. In Niedersachsen und Thüringen kämpft die Feuerwehr weiter gegen drohende Überschwemmungen. "Bisher halten unsere Dämme. Wir sind hier aber nach wie vor auf alles vorbereitet. Auch auf eine Evakuierung", sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Hildesheim am Mittwochmorgen. Sollte ein bedrohtes Wohngebiet geräumt werden, wären laut Stadt 1100 Menschen betroffen.

"Die Türen einer Notunterkunft stehen offen", betonte der Sprecher in Hildesheim. Bisher hätten sich 13 Menschen von selbst in die Unterkunft begeben und würden dort mit dem Nötigsten versorgt.

Wasser sickert durch die Sandsäcke

Die Feuerwehr in Hildesheim war in der vergangenen Nacht mit rund 200 Kräften im Einsatz. "Wir verbauen Sandsäcke und prüfen, ob sie dem Druck stand halten", sagte der Sprecher weiter. An einigen Stellen sickere Wasser durch die aufgeschichteten Säcke - jedoch ausschließlich an Grünflächen entlang der Innerste, einem Nebenfluss der Leine.

"Die Innerste hat in der Nacht am Pegel Heinde einen Rekord erreicht", sagte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch. Beim Hochwasser 2007 stand das Wasser bei 675 Zentimeter, in der Nacht zum Mittwoch erreichte es die Marke von 694 Zentimeter. Eine unmittelbare Gefahr für die Menschen bestehe jedoch nicht.

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Lage im Nordharz spitzt sich zu

In den von Überschwemmungen betroffenen Landkreisen Holzminden und Hameln-Pyrmont war die Lage stabil. "Wir freuen uns über die kurze Regenpause", sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle am frühen Mittwochmorgen. Die Feuerwehr habe alles im Griff.

Am Nordrand des Harzes in Sachsen-Anhalt stellte sich die Feuerwehr ebenfalls darauf ein, dass sich die Lage weiter zuspitzen könnte. "Die Pegelstände steigen wieder", sagte ein Sprecher der Rettungsleitstelle im Kreis Harz. Betroffen seien die Flüsse Ilse und Holztemme. In dem Landkreis waren am Dienstag vielerorts Straßen und Keller überflutet worden. In Mahndorf bei Halberstadt sei aus Sicherheitsgründen die Stromversorgung unterbrochen worden. Etwa 500 Menschen mussten den Angaben nach den Abend im Dunkeln verbringen.

Im südthüringischen Suhl drohte das Sammelbecken einer Mülldeponie überzulaufen. Es sei bereits zu 70 Prozent gefüllt, sagte ein Feuerwehrsprecher. Sollte das Wasser über das Becken schwappen, könne es auch zu Umweltschäden kommen. Am Morgen mussten die Einsatzkräfte aber zu keinen größeren wetterbedingten Einsätzen ausrücken. "Seit Mitternacht war hier im Grunde Ruhe. Die Lage ist stabil", sagte eine Sprecherin des Lagezentrums am Morgen. 

Wetterdienst: Regen dauert weiter an

Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes wird es auch an diesem Mittwoch vielerorts in weiter regnen. In weiten Teilen Ostdeutschlands soll das schlechte Wetter laut bisheriger Vorhersage bis in die Nacht zum Donnerstag weitergehen. Es gilt nach eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von heute morgen, 7 Uhr. Die Regenmengen können sich von der Mitte bis in den Nordosten auf bis 90 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 48 Stunden summieren. Rund um den Harz, in Thüringen und im Osten Mecklenburg-Vorpommerns können es laut DWD sogar bis 100 Liter sein. Dauerregen bis zum Abend erwartet der DWD auch im Schwarzwald, an den Alpen, dem Alpenvorland und dem Bayerischen Wald.

dho / DPA