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Von Norddeutschland bis Süditalien: Lawinen, Glatteis, Kältetote: So wütet der Winter in ganz Europa

Nicht nur in Deutschland trifft der Kälteeinbruch die Menschen mit voller Wucht. Auch im Rest Europas ist die Lage teils bedrohlich - es gab Tote und Verletzte. Die Lage im Überblick.

Im nordrhein-westfälischen Schermbeck krachten ein Streufahrzeug und ein Lkw ineinander

Im nordrhein-westfälischen Schermbeck krachten ein Streufahrzeug und ein Lkw ineinander

Bei der Hamburger Feuerwehr herrschte am Samstag Ausnahmezustand. Zwischen 10 und 18 Uhr rückten die Feuerwehr und weitere Hilfsorganisationen 337 Mal zu wetterbedingten Einsätzen aus. Dutzende Fußgänger stürzten, zogen sich Knochenbrüche, Platzwunden oder Prellungen zu.

Auch auf den Autobahnen im Norden krachte es: Bereits am Morgen war auf der A7 ein Laster umgekippt, im weiteren Tagesverlauf wurden nach zum Teil schweren Unfällen die A19, A20 und A24 zeitweise gesperrt. 

Aber nicht nur in Deutschland hinterlässt der heftige Wintereinbruch Spuren. Auch der Rest Europas kämpft mit Unwettern und Minusgraden. Die Lage in anderen europäischen Ländern im Überblick:

ÖSTERREICH UND SCHWEIZ: In weiten Teilen der Alpen in der Schweiz und in Österreich herrschte am Wochenende nach Angaben der Lawinenwarndienste "erhebliche Lawinengefahr". Im Schweizer Kanton Wallis wurde am Freitag ein 28-Jähriger Skifahrer aus Frankreich von einem 400 Meter langen Schneebrett in den Tod gerissen. Im Tiroler Skigebiet Fieberbrunn überlebte ein deutscher Wintersportler am Freitag einen Lawinenabgang, wie die Polizei am Wochenende mitteilte.

NIEDERLANDE: Bei rund 330 Glätteunfällen in den Niederlanden wurden am Samstag mehrere Menschen verletzt. Ein Autofahrer kam ums Leben, wie die Polizei mitteilte. Er sei nahe der Ortschaft IJzendoorn in der Provinz Gelderland mit seinem Wagen in einen Graben neben der Autobahn A15 gestürzt. Eisregen habe Straßen in weiten Teilen des Landes in Rutschbahnen verwandelt, sagte ein Sprecher des Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt. Auch im Bahnverkehr sorgte Eisregen für Störungen.

FRANKREICH: In Frankreich wurde es am Wochenende vor allem im Norden und im Osten eiskalt. In der Region um Straßburg an der Grenze zu Baden-Württemberg lag die Temperatur am Samstag teilweise bei bis zu minus 13 Grad. Der französische Wetterdienst warnte vor Glatteis und Schneefall. In mehr als 30 Departements galt erhöhte Alarmstufe.
Mehrere Städte hatten in Turnhallen Schlafplätze für Obdachlose eingerichtet. In der Nacht zum Sonntag sollte es nach den Erwartungen der Meteorologen wieder wärmer werden und das Glatteis-Risiko sinken.

TSCHECHIEN: Der Frost hat auch Tschechien fest im Griff. In Prag fand eine Polizeistreife am Samstag unter einer Brücke die Leiche eines Obdachlosen, der in der Nacht erfroren war. In der Gemeinde Hradistko in Mittelböhmen brachen zwei Männer auf dem Eis eines Sees ein. Für einen der beiden kam die Hilfe der Rettungskräfte zu spät, er starb an Unterkühlung. Es soll Alkohol im Spiel gewesen sein.

ITALIEN: Vor allem die Mitte und der Süden Italiens sind von Schnee, Eis und Kälte betroffen. In Florenz wurde am Samstag bei Minusgraden ein toter Obdachloser gefunden. Möglicherweise trug die Kälte zum Tod bei. Insgesamt war von fünf Kältetoten in den letzten Tagen die Rede, die Behörden bestätigte diese Zahl jedoch am Samstag zunächst nicht.
Schnee fiel nicht nur in den eher bergigen Erdbebengebieten in den Regionen Marken, Umbrien, Abruzzen und Latium, sondern selbst an den Küsten. Betroffen war vor allem die Adria-Küste. Selbst in Städten wie Bari und Brindis fiel Schnee. Fotos zeigten Touristenattraktionen wie die Trulli-Kegelbauten in Alberobello in Apulien und die Welterbestadt Matera weiß überzuckert - ein seltenes Schauspiel. Am Sonntag sollte sich die Lage entspannen.

UNGARN: In Ungarn war es so kalt wie seit fünf Jahren nicht mehr. In der Ortschaft Tesa (Bezirk Pest) im Norden des Landes wurden Samstagfrüh minus 23,7 Grad gemessen, wie der Meteorologische Landesdienst mitteilte. Die Höchsttemperaturen am Tag lagen zwischen minus 12 und minus 5 Grad Celsius.

GRIECHENLAND: Klirrende Kälte auch in Hellas. Im Norden Griechenlands herrscht seit Freitag Dauerfrost. Die Thermometer in der Hafenstadt Thessaloniki zeigten am Samstag um die Mittagszeit minus sieben Grad Celsius. Am schlimmsten leiden Tausende Migranten und Flüchtlinge auf den Inseln, die in Zelten ausharren müssen. Zahlreiche Landstraßen waren nur mit Schneeketten befahrbar, wie die Polizei mitteilte. Eine dünne Schneedecke lag auf den Stränden zahlreicher Touristeninseln.
Auch im Zentrum Athens herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt.

TÜRKEI: Wegen heftiger Schneestürme in der türkischen Millionenmetropole Istanbul ist der Bosporus für den Schiffsverkehr gesperrt worden. Die Sichtweite auf der Meerenge zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer war zeitweise unter 100 Meter gefallen. Auch die Bosporusfähren zwischen der europäischen und der asiatischen Seite Istanbuls stellten den Verkehr ein. Hunderte Flüge wurden gestrichen. Anadolu berichtete am Samstag, stellenweise seien in Istanbul über Nacht bis zu 40 Zentimeter Schnee gefallen.

bak / DPA
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