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Nach den Anschlägen von Paris Wie sicher sind Deutschlands Weihnachtsmärkte?

Das Sicherheitskonzept für die Weihnachtsmärkte hat sich vielerorts nicht geändert. Sicherheitskräfte sind wie gewohnt vor Ort, doch die Besucher haben nicht mit Einschränkungen zu rechnen
Das Sicherheitskonzept für die Weihnachtsmärkte hat sich vielerorts nicht geändert. Sicherheitskräfte sind wie gewohnt vor Ort, doch die Besucher haben nicht mit Einschränkungen zu rechnen
© dpa
Nach den Terroranschlägen in Paris und der Länderspiel-Absage in Hannover sind viele Menschen in Sorge. Mitten in diesen, von Terrorangst geprägten Tagen beginnt die Weihnachtsmarktzeit. Doch die Sicherheitskräfte zeigen sich gut aufgestellt.
Von Erik Häußler und Wiebke Wetschera

Es ist wieder so weit: diese Lichter, dieser Duft, diese Atmosphäre. Millionen von Menschen strömen alljährlich auf Deutschlands Weihnachtsmärkte. Glühwein und "Oh, du Fröhliche" zwischen Kerzen und Tannengrün gehören für viele zur Vorweihnachtszeit wie der Baum an Heilig Abend ins Wohnzimmer. Doch seit den Anschlägen in Paris und der Terrorwarnung in Hannover ist der Gang zum Weihnachtsmarkt nicht mehr sorglos. Es gibt die Angst vor Attentaten in Deutschland. Die Sicherheitsbehörden sind besonders wachsam. Gerade größere Veranstaltungen und Menschenansammlungen gelten als gefährdet.

Die Betreiber und Sicherheitskräfte der Weihnachtsmärkte sind sich der Angst und der möglichen Gefahr bewusst. Aber sie sehen sich auch gut vorbereitet. 

Zunehmende Präsenz in Berlin

Vor wenigen Tagen wurde die Berliner Polizei wegen eines verdächtigen Gegenstands zum Gendarmenmarkt gerufen. Der bei Berlinern und Touristen beliebte Weihnachtsmarkt wurde noch aufgebaut. Die Einsatzkräfte sperrten die Seitenstraßen, ein Sprengstoffkommando rückte an. Später gab es Entwarnung. Auch deshalb haben die Betreiber die Sicherheitsvorkehrungen in diesem Jahr nochmals erhöht. Große Rucksäcke und Rollkoffer sind auf dem Gelände nicht mehr gestattet, schreiben die Veranstalter auf ihrer Homepage. Bereits 2011 hätten sie Erfahrungen im Umgang mit Terrorwarnungen gemacht und die Sicherheitsvorkehrungen dementsprechend umgesetzt. In diesem Jahr soll das Sicherheitspersonal vor Ort erstmals auch als solches zu erkennen sein. Das Ziel: Präsenz zeigen. Dazu kommen konsequente Kontrollen, damit die Besucher beruhigt die vorweihnachtliche Atmosphäre genießen können.

Eingangskontrollen wie am Gendarmenmarkt wollen und können aber nicht alle Weihnachtsmärkte umsetzen. Die meisten Märkte sind hierzulande frei zugänglich. Beispielsweise auch der in Stuttgart. Mehr als drei Millionen Besucher kommen jedes Jahr in die festlich geschmückten Einkaufsstraßen und auf die großen Plätze in der Innenstadt. Eingangskontrollen seien hier schlicht nicht möglich, sagt Jörg Klopfer, Pressesprecher der Veranstalter.

Auch der Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz in Berlin hat dieses Problem: "Der Betreiber des Weihnachtsmarktes am Gendarmenmarkt macht es sich natürlich leicht. Dort werden die vier Eingänge kontrolliert, das war's. Hier bei uns ist es zu allen Seiten offen", beschreibt Veranstalter Arnold Bergmann die Situation. Dennoch werde auch hier für Sicherheit gesorgt: mit Taschenkontrollen. "Wir sind natürlich höchst sensibilisiert." Die Polizei sei verstärkt in Zivil, aber auch offen erkennbar vor Ort unterwegs. Konkrete Warnungen habe es aber nicht gegeben. Man setze zudem auf die Mithilfe der Händler. Diese wurden vorab informiert, besonders wachsam zu sein und Verdächtiges sofort zu melden. Besser aufpassen könne nicht einmal die Polizei, so Bergmann.

Sicherheitskräfte arbeiten eng zusammen

Wenn es zu Gefahrensituationen oder Notfällen kommt, greifen die Weihnachtsmarktbetreiber auf unterschiedliche Vorgehensweisen zurück. Auf einem der größten Märkte in Frankfurt am Main können Händler und Besucher auf dem gesamten Markt über eine zentrale Lautsprecheranlage gewarnt werden. Auf dem berühmten NürnbergerChristkindlesmarkt setzt man sogar auf ein Handy-Alarmierungssystem. Die Polizei kann darüber die Händler unmittelbar warnen, oder aber von ebendiesen über mögliche Gefahren umgehend informiert werden.

Eigentlich alle Betreiber der Weihnachtsmärkte scheinen seit Jahren auf die Gefahren durch mögliche Terroranschläge vorbereitet und haben entsprechend reagiert. Auch auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt sei man bereits 2010 mit einer erhöhten Gefahrenlage konfrontiert gewesen, sagt Pressesprecher Thomas Winkler. Damals hatten US-Geheimdienste Terrorwarnungen für den Weihnachtsmarkt herausgegeben. Passiert ist nichts, es seien aber die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden. Auch in diesem Jahr werde man zivile und sichtbare Ordnungskräfte einsetzen. "Bei uns arbeiten die Polizei, das Ordnungsamt und die privaten Sicherheitsdienste eng zusammen", so Winkler. Rund zwei Millionen Besucher werden erwartet.

Ohnehin hohe Sicherheitsvorkehrungen

Die Weihnachtsmärkte in Rostock und Aachen haben nach der Massenpanik auf der Love Parade 2011 in Duisburg ihre Sicherheitskonzepte überarbeitet. Dazu gehörten in Rostock beispielsweise Reserveeinsatzkräfte, die bei Bedarf zügig mobilisiert werden könnten, sagt der Geschäftsführer der zuständigen privaten Sicherheitsfirma, Jörg Hübner.

In Hamburg sehe man die Sicherheitslage auf dem Weihnachtsmarkt "entspannt, aber konzentriert", sagt die Pressesprecherin Heide Mombächer vom Betreiber Roncalli. Durch die Nähe zum Rathaus seien die Behörden schon immer besonders präsent und wachsam gewesen. Außerdem habe man den Markt-Gendarm Rudi, sagt Mombächer scherzhaft. Rudi ist zwar nur Schauspieler und Maskottchen des Rathausmarktes, also kein echter Gesetzeshüter. Dennoch habe er seine Augen und Ohren überall und sei Bindeglied zwischen Händlern, Besuchern und Marktleitung.

Wie sagte er berühmte Autor Salman Rushdie gerade bei den Internationalen Literaturfestival in Berlin? "Die beste Antwort auf die Anschläge in Paris ist es, weiter zu feiern". 


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