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Winterchaos stoppt Urlauber europaweit Tumult am Flughafen Frankfurt


Tief "Petra" legt den Flugverkehr lahm und die Nerven blank. Die Polizei musste aufgebrachte Passagiere auseinanderbringen, die stundenlang in einer Warteschlange standen, bis einige vor Wut durchdrehten. Im Amsterdamer Airport Schiphol wurden 1700 Feldbetten für Wartende aufgestellt, sie reichten nicht aus.

Die Situation unter den zum Teil seit Tagen wartenden Reisenden am Frankfurter Flughafen ist am Samstagvormittag eskaliert. Die Polizei musste eingreifen, als es an der Gepäckabfertigung zu tumultartigen Auseinandersetzungen zwischen Passagieren kam, wie ein Sprecher des Flughafens sagte. Auslöser der hitzigen Debatten unter den Fluggästen waren erhebliche Verzögerungen bei der Gepäckabfertigung am Lufthansa-Schalter. In einer schier endlosen Schlange, die sich quer durch das Terminal 1 zog, warteten hunderte Passagiere.

"Wir haben vollstes Verständnis, wenn die Fluggesellschaften die Polizei zur Hilfe rufen, weil sie mit Passagieren nicht fertig werden", sagte ein Sprecher des Flughafens. In den Terminals ist die Lage dem Sprecher zufolge inzwischen "sehr angespannt". Als Engel verkleidete Mitarbeiter sollten darum nun beruhigend auf die Fluggäste einwirken, die mitunter schon seit Tagen auf ihren Flug warteten.

Tausende Passagiere warteten am Samstagvormittag am Frankfurter Flughafen auf ihren Abflug. Für den Tag seien bereits 172 Flüge gestrichen worden, sagte der Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Er rechne damit, dass an Deutschlands größtem Airport noch mehr Starts und Landungen annulliert werden müssen. Zwar seien die Bahnen geräumt, allerdings bekomme Frankfurt die Schließungen anderer europäischer Flughäfen zu spüren, zum Beispiel in Italien und Kroatien. Am Freitag waren 560 von 1400 Flügen in Frankfurt ausgefallen. Etwa 2500 am Freitag gestrandete Fluggäste wurden zusätzlich in den ohnehin schon vollen Terminals erwartet. "Von Entspannung kann keine Rede sein", sagte der Sprecher. Auch die Lage bei der Bahn blieb mit Verspätungen angespannt.

Sehr ähnlich ist die Situation in anderen europäischen Ländern. Die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick sollten mindestens bis zum späten Nachmittag geschlossen bleiben. In London fielen am Samstag binnen weniger Stunden bis zu 15 Zentimeter Schnee. Am Pariser Flughafen Charles de Gaulle sollten 15 Prozent der Flüge ausfallen.

Am Amsterdamer Airport Schiphol mussten rund 3000 Menschen die Nacht verbringen. Für die Gestrandeten sind 1700 Feldbetten aufgestellt worden - doch das reichte nicht. "Andere Fluggäste schliefen auf Stühlen und Bänken", sagte ein Sprecher des Amsterdamer Flughafens der Nachrichtenagentur ANP. Auch am Samstagmorgen waren viele Flüge gestrichen oder verspätet, berichtete der Radiosender NOS.

Zahlreiche Unfälle auf den Autobahnen

Der Straßenverkehr in Deutschland hat sich in der Nacht zum Samstag zunächst wieder etwas beruhigt. Nur noch vereinzelt schneite es. In Rheinland-Pfalz und anderswo kam es am Sonnabend durch Schnee und Eis aber wieder zu Behinderungen. Die Autobahn 3 wurde im Westerwald nach einem LKW-Unfall zwischen Diez und Montabaur in Richtung Köln gesperrt, wie die Polizei mitteilte. Mehrere Lastwagen stehen quer. Allein in NRW krachte es vom Mittag bis zum Abend fast 800 Mal aufgrund der Witterung. 51 Menschen wurden leicht verletzt. Der Sachschaden betrug rund 1,7 Millionen Euro. In NRW gab es etwa 200 Unfälle wegen der Witterung. Ein Mensch fuhr bei Minden gegen einen Baum und starb noch am Unfallort.

Die Autobahn 7 war in Richtung Süden bei der Werratalbrücke etwa zwei Stunden gesperrt, nachdem ein Lastwagen vermutlich wegen eines Fahrfehlers und Glätte auf der Seite zum Liegen gekommen war. Nach einem Unfall mit einem Lastwagen musste die Autobahn 1 zwischen Cloppenburg und Vechta am Samstagmorgen für rund vier Stunden gesperrt werden. Bei Glatteis war der Lastwagen in die Mittelschutzplanke geprallt.

Chaos am Frankfurter Flughafen

Am Wochenende soll es weiter schneien. Die Zahl der Zugverspätungen und Autounfälle dürfte somit hoch bleiben. Für Wintersportler ist das hingegen eine gute Nachricht: Am vierten Adventswochenende sollten beispielsweise im Sauerland alle Lifte laufen. Die Mittelgebirge erwarteten viele Ausflügler.

mlr/DPA/DAPD DPA

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