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200 Jahre Kaspar Hauser: Das Rätsel um den "entzauberten Erbprinzen"

Pfingstmontag 1828: Ein wild aussehender Jüngling wankt durch die Nürnberger Altstadt. Der jahrelang in einem Verlies festgehaltene Kaspar Hauser tritt in die Welt - und sorgt mit seinem Schicksal für eine Weltsensation. Am Montag wäre er 200 Jahre alt geworden.

Spekulationen über seine Herkunft beschäftigten ganze Historiker-Generationen. Aber selbst moderne Erbgut-Analysen konnten das Rätsel um den 1828 plötzlich in Nürnberg aufgetauchten Findling Kaspar Hauser nie umfassend lösen. Inzwischen macht sich auch der Ansbacher Kaspar-Hauser-Experte, Werner Bürger, kaum noch Hoffnung, die genaue Herkunft des jahrelang in einem Verlies festgehaltenen und später ermordeten Jünglings zu klären. Nach jahrzehntelanger Forschung zieht der Leiter des örtlichen Markgrafenmuseums eine ernüchternde Bilanz: "Man kann immer wieder den Stein umdrehen - es kommt kein neuer Wurm zum Vorschein".

Selbst ein - wenn auch umstrittener Jahrestag - scheint kaum noch Forscherdrang auszulösen. Der rätselhafte Sonderling wäre an diesem Montag (30. April) 200 Jahre alt geworden. Darauf lässt jedenfalls ein Brief schließen, den Hauser am Pfingstmontag des Jahres 1828 bei sich trug, als er auf dem Nürnberger Unschlittplatz von Passanten aufgelesen wurde. Ungelenk und wie ein Betrunkener war er am Morgen durch die Nürnberger Straßen gewankt. Auf einem ihm anscheinend zugesteckten Brief war sein Geburtstag mit dem 30. April 1812 angegeben.

Bürger hält die Datumsangabe derweil für genauso unglaubwürdig, wie das gesamte, angeblich von einer armen Magd verfasste Schreiben. Dieser "Mägdlein-Brief" dürfte genauso gefälscht sein wie ein zweites Begleitschreiben, schätzt der Kaspar-Hauser-Experte. Trotzdem werde Hauser wohl so um das Jahr 1812 geboren sein - "auf ein Jahr hin oder her kommt es nicht an", meint Bürger.

Gauner oder Adliger?

Hatte schon das plötzliche Auftauchen Hausers in Nürnberg für Aufregung gesorgt, so machte ihn seine unklare Herkunft zur Weltsensation. Jahrelang, so berichtete Hauser später, sei er abgeschottet von der Außenwelt, bei Wasser und Brot, in einem Verlies groß gezogen werden. Den genauen Ort kenne er nicht. Versorgt habe ihn ein maskierter Mann, erzählt er, nachdem er das Reden erlernt hatte.

Die Salons im Deutschland der Romantik hatten jedenfalls ihren Skandal - und schon bald schossen Spekulationen ins Kraut, Hauser sei der legitime Thronfolger des badischen Großherzogs; als es darum gegangen sei, eine neue Linie der Zähringer-Dynastie zu etablieren, habe Hauser im Weg gestanden, sei ausgetauscht und beiseitegeschafft worden. Andere hielten ihn hingegen für einen Hochstapler oder einen gerissenen Gauner, der sich geschickt Zugang zur besseren Gesellschaft seiner Zeit verschafft habe.

Spekulationen über den angeblich verstoßenen badischen Erbprinzen halten sich dennoch bis heute - auch wenn sie im Jahr 1996 mit Untersuchungen im Auftrag des Magazins "Der Spiegel" widerlegt schienen. Der Münchner Gerichtsmediziner Professor Wolfgang Eisenmenger hatte damals Blutspuren an einer Unterhose Hausers mit Erbgut von Astrid von Medinger untersucht - einer Nachfahrin von Stephanie de Beauharnais aus dem Hause Baden; manche halten sie für die Mutter von Kaspar Hauser. Das Ergebnis bereitete der Erbprinz-Theorie erst einmal ein Ende: Die Übereinstimmung des Erbguts war zu gering.

Erbgut-Übereinstimmungen nicht ausreichend

Als sich das ZDF damit nicht zufriedengab und ein paar Jahre später zwei Haare von Hauser mit moderneren Methoden gentechnisch untersuchen ließ, waren die Übereinstimmungen zwischen den Erbinformationen zwar größer, aber für Fachleute noch immer nicht ausreichend. Das muss nach Einschätzung des inzwischen emeritierten Gerichtsmediziners Eisenmenger aber nicht unbedingt bedeuten, dass Hauser kein Abkömmling des Hauses Baden ist. Erbinformationen könnten sich über die Jahrhunderte verändern, gibt er zu bedenken.

Auch der Umstand, dass der DNA-Vergleich anhand der Blutspuren an Hausers Unterhose keine Übereinstimmung brachte, mache Hauser keineswegs zum entzauberten Erbprinzen, meint Eisenmenger. "Was wäre, wenn die Unterhose irgendwann ausgetauscht wurde?" fragt sich der Rechtsmediziner. Schließlich sei diese erst seit dem Jahr 1973 im Ansbacher Markgrafenmuseum verwahrt. Vorher habe sie seit der Ermordung Hausers im Jahr 1833 in der Asservatenkammer der Ansbacher Staatsanwaltschaft gelegen. Aber wer könnte sie denn dort vertauscht haben? "Das ist jedermanns Fantasie überlassen", meint Eisenmenger vieldeutig.

Klaus Tscharnke, DPA / DPA
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?