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Dokumentation "Was bin ich wert?" Wir sind nicht alle gleich


Wie viel bin ich wert? Diese Frage stellte sich Filmemacher Peter Scharf und reiste um die Welt, um den monetären Wert seines und anderer Leben zu ermitteln. Die Antwort ist zynisch und ernüchternd.
Von Mirja Hammer

Der Mensch ist keine Ware? Nun, fällt Ihnen ein schönerer Begriff dafür ein, dass man in Indien eine Niere für 300 Euro bekommt, in Afrika ein Adoptivkind für 20.000 Euro und in Albanien eine Frau für 800 Euro? Der Mensch ist unbezahlbar? Die Praxis beweist das Gegenteil. Und auch abseits von Menschen- und Organhandel werden Leben monetarisiert. Hierzulande wird beispielsweise ziemlich exakt kalkuliert, ob sich das Aufstellen einer Verkehrsampel lohnt, wenn das Leben eines Fußgängers mit 1,2 Millionen Euro angesetzt wird. Oder ob sich die Hüft-OP noch rechnet, wenn der Patient schon 75 Jahre alt ist. Über die zynische Ökonomisierung des Menschen hat Jörn Klare bereits vor vier Jahren das Buch "Was bin ich wert?" geschrieben. Fazit: Auch wenn sich der Wert eines Menschen eigentlich nicht in Geld ausdrücken lässt, wird es doch getan. Jeden Tag.

Anschaulich gemacht hat dies nun der Filmemacher Peter Scharf, der sich auf die Suche nach seinem Selbstwert gemacht hat. Sein Ergebnis: irgendetwas zwischen ein bis zwei Millionen Euro. Sein purer Materialwert: 1600 Euro. "Was bin ich wert" fragt sich Peter Scharf mit Ende Vierzig und zu Beginn seines Filmes. Könnte er im Falle einer Berufsunfähigkeit noch für sich und seinen Sohn sorgen? Und: Was bleibt von ihm übrig, wenn sein Wert nicht mehr in wirtschaftlicher Produktivität gemessen werden kann? Um das herauszufinden, reist er um die ganze Welt und spricht mit Personen, die sich mit der menschlichen Monetarisierung beschäftigen oder selbst solche Geschäfte eingegangen sind. Er geht in Apotheken, Samenbänken und Universitäten. Spricht mit Künstlern, Philosophen, Anwälten, Ökonomen und Opfern von Organhandel.

Der menschliche Wert ist überalll ein anderer

Scharf stellt fest: Dem menschlichen Leben wird überall auf der Welt ein anderer Wert beigemessen. In Deutschland etwa wird er seine Haare beim Frisör nicht los. Zu kurz, zu dünn, unbrauchbar. In der Ukraine ist die deutsche Ware dagegen bares Geld wert. Und während ein Schweizer 150.000 Euro für seinen Rücken als lebende Leinwand bekommt, werden Moldawier vor allem als Ersatzteillager wertgeschätzt: Als Gastarbeiter werden sie in die Türkei gelockt, wo sie um ihre Nieren erpresst werden. 80.000 Euro bezahlt der Empfänger dafür. Der Spender bekommt 2300 Euro.

Während wir also noch daran glauben, unbezahlbar zu sein, arbeiten im Hintergrund eifrig die Systeme, die unseren Wert erfassen und uns das Gegenteil beweisen. Sie kalkulieren, ob sich unsere Operation noch lohnt, welche Arbeitsleistung von uns noch zu erwarten ist und wie groß der Verlust unserer Hinterbliebenen sein wird. Solche Rechnungen ergeben dann, dass das Leben des umgekommenen Tellerwäschers in den New Yorker Twin Towers 250.000 Dollar wert ist, das des Investmentbankers 7,1 Millionen. Was der Film vor allem deutlich macht: Auch wenn wir es gerne wären, wir sind nicht alle gleich - noch nicht einmal im Tod.

Die Dokumentation "Was bin ich wert?" von Peter Scharf läuft ab 9.10. im Kino


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